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Polyembryonie |
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[ Einführung ] |
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Bei dieser, ursprünglich an parasitoiden Erzwespen entdeckten Form einer ungeschlechtlichen Vermehrung entstehen aus einem einzigen Ei bzw. Embryo durch Zerfall auf einem frühen Entwicklungsstadium mehrere bis zahlreiche Tochterkeime, von denen sich jeder zu einer eigenen Larve und die meisten bis zum Imaginalstadium weiter entwickeln. Es bilden sich also aus einem Ei genetisch identische, "eineiige Mehrlinge", vergleichbar eineiigen Zwillingen beim Menschen. In Einzelfällen können so auf vegetativem Wege 100 oder mehr Nachkommen aus einem einzigen Parasiten-Embryo hervorgehen, bzw. bei wiederholter Eiablage des Schmarotzers bis zu 2000 Parasitoiden-Imagines aus einer einzigen Großschmetterlingsraupe schlüpfen. |
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Wo finden wir Polyembryonie? |
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Polyembryonie ist bei den parasitoiden Hymenopteren mindestens viermal unabhängig voneinander entstanden und zwar bei vermutlich allen Arten der Tribus Copidosomatini in der Erzwespenfamilie der Encyrtidae, bei mindestens einer Zehrwespen-Art der Familie Platygasteridae sowie bei einigen wenigen Vertretern der Braconidae und der Dryinidae. Ferner ist dieser Fortpflanzungstyp noch von mindestens einer Strepsipteren-Art bekannt, was auf eine engere Verwandtschaft der Fächerflügler mit den Hautflügler hindeuten könnte. |
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Ablauf der Entwicklung |
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Die dotterarmen Eier
polyembryonaler Hymenopteren machen keine superfizielle Furchung
durch, wie sie bei anderen Insekten die Regel ist, sondern es
findet eine totale Teilung der Eier statt. Somit entsteht keine
Blastula (bzw. Blastoderm), sondern ein typisches
Morula-Stadium, das von einer trophischen Membran und zusätzlich
von einer aus Mesenchymzellen des Wirtes gebildeten Zyste
umschlossen wird. Durch weitere Zellteilungen formt sich aus der
Morula zunächst ein undifferenzierter Haufen von
Zellgewebe, der sogenannte Vielkeim (Polygerm), der in der
Haemolymphe liegt und oft locker dem Gehirn oder dem Darm des
Wirtes anhaftet. Einzelne Zellgruppen dieses Vielkeims treten
später zu kompakten, nierenförmigen Gebilden zusammen,
aus denen sich, etwa 1 - 3 Wochen nach der Eiablage, jeweils ein
Embryo differenziert. Dadurch entsteht schließlich ein oft
verzweigter, teilweise kettenartiger Embryonenstrang, der einen
Großteil des Haemocoels der Wirtslarve ausfüllt.
Früher oder später schlüpfen die noch von einer
trophischen Membran umhüllten Junglarven, die zunächst
vom Fettkörper fressen, sich mehrmals häuten und
später auch lebenswichtige Organe des Wirtes, wie Muskeln,
Gonadenanlagen, Spinndrüsen usw. verzehren. Dabei wird der
Wirt vollständig leergefressen und seine verbleibende, oft
aufgedunsene Hülle ist dann von zahlreichen erwachsenen
Parasitoidenlarven erfüllt, die sich kurz darauf zur
Verpuppung in den mumifizierten Resten des Wirtes
anschicken. |
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Besonderheit: Killerlarven bei den Encyrtiden verteidigen ihre Geschwister |
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Bei den meisten (oder allen ?) polyembryonalen Encyrtiden der Copidosoma-Gruppe entstehen aus dem Vielkeim zwei morphologisch stark verschiedene Larventypen:
Der erste, meist nur in geringer Zahl auftretende Larventyp wurde früher als eine Abnormität angesehen, weil diesen vorschlüpfenden Junglarven Gonadenanlagen, sowie Kreislauf- und Exkretionsorgane fehlen. Hingegen sind die Muskulatur, der Verdauungstrakt und das Nervensystem normal entwickelt. Seit kurzem weiß man aber, daß diese "teratoiden" Larven eine wichtige biologische Funktion als sogenannte Wächterlarven erfüllen. Sie "verteidigen" ihre Geschwister gegenüber anderen Parasitoiden, die gleichzeitig den Wirt befallen, indem sie deren Eier oder Junglarven angreifen und durch Bisse abtöten, spielen also eine Rolle im interspezifischen Konkurrenzgeschehen, d.h. bei Auftreten von Multiparasitismus. Sie sterben ab, bevor ihre später schlüpfenden, unbewehrten Geschwister heranwachsen, und opfern sie sich also gewissermaßen für diese auf, um wenigstens einem Teil der Brut eine erfolgreiche Entwicklung zu ermöglichen. Da dieses hochgradig altruistische Verhalten genetisch identischen Artgenossen zugute kommt, dürfte seine Entstehung gemäß der Theorie der Verwandten-Selektion zu erklären sein. |
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