A c u l e a t a

[ Hymenoptera ]


Allgemeines

Die aculeaten Hymenopteren stellen innerhalb der Unterordnung der Apocrita eine phylogenetisch homogene Gruppe dar, die durch den Besitz eines Giftstachels (anstatt eines Legebohrers) bei den Weibchen gekennzeichnet ist.

Die Untergliederung der Aculeaten ist verschiedentlich gehandhabt worden. Während früher 6 - 8 Überfamilien unterschieden wurden, neigt man heute mehr und mehr dazu, nur 3 Überfamilien anzuerkennen, für die eine engere Verwandschaft der beteiligten Familien aufgrund phylogenetisch fundierter Merkmale zumindest teilweise gesichert erscheint. Das neuere System ist, wie folgt:

  • 1. Chrysidoidea (= Bethyloidea): Bei uns nur durch die Familien der Dryinidae, Embolemidae, Bethylidae und Chrysididae vertreten, wozu im Mediterrangebiet noch die Sclerogibbidae und Plumariidae kommen.

  • 2. Vespoidea s.l.: Zu dieser heterogenen Überfamilie zählen die meisten übrigen aculeaten Gruppen, ausgenommen die Grabwespen und Bienen.

  • 3. Apoidea (= Sphecoidea): Diese Überfamilie umfaßt die Spheciden und die Apidae s.l., also die Grabwespen und alle Bienen, wobei letztere häufig in mehrere Familien aufgespalten werden.

Der parasitoide Lebensformentyp ist nur innerhalb der Chrysidoidea (Bethyloidea) weit verbreitet. Innerhalb der Vespoidea s.l. findet er sich nur bei einzelnen Familien und es erscheint daher vorteilhafter, hier eine der älteren Untergliederungen der Vespoidea s.l. zu benutzen, um die parasitoiden Formen deutlicher abzugrenzen. Dies ist nicht ganz einfach, weil es viele Übergänge von echten Parasitoiden zu reinen Brutschmarotzern (Inquilinen) gibt. Soweit es sich bei letzteren um sogenannte echte Kuckuckswespen, Kuckucksgrabwespen oder Kuckucksbienen handelt, soll hier auf eine Behandlung verzichtet werden. Dies gilt auch für jene Wegwespen, Grabwespen und echte Wespen, deren Lebensweise eine eindeutig räuberische ist. Übergänge zwischen solchen Prädatoren und dem parasitoiden Lebensformentyp werden in einem Sammelkapitel über "sonstige parasitoide Aculeata" kurz erwähnt.


Nachstehend werden folgende Überfamilien unterschieden:

Chrysidoidea (=Bethyloidea) (Goldwespen und Verwandte)

Scolioidea (Dolchwespen, Ameisenwespen etc.)

Formicoidea (Ameisen)

Pompiloidea (Wegwespen)

Vespoidea (echte Wespen und Verwandte)

Sphecoidea (Grabwespen)

Apoidea (Bienen)



Parasitoide Gruppen innerhalb der aculaten Hymenopteren

Parasitoide Gruppen sind dann weitgehend auf die Chrysidoidea und Scolioidea beschränkt. Die Scoliidae weichen morphologisch stärker ab, weshalb manche Autoren sie allein in eine eigene Überfamilie stellen und die verbleibenden Gruppen (bei uns die Tiphiidae, Sapygidae und Mutillidae) als Tiphioidea abgrenzen. Diesem Vorgehen soll hier aus biologischen Gründen nicht gefolgt werden, weil die Scoliidae eine ähnliche Lebensweise und ein fast gleiches Wirtsspektrum wie die Tiphiidae aufweisen.
Einige zu den Vespoidea s.l. gestellte Gruppen sollen hier nicht näher besprochen werden, weil sie entweder in Europa ganz fehlen oder nur vereinzelt vertreten sind bzw. weil ihre Biologie weitgehend unbekannt ist. Dies gilt für die Rhopalosomatidae, die offenbar den Wegwespen (Pompilidae) nahe stehen, aber auf die Subtropen und Tropen beschränkt sind. Sie sind vermutlich Ektoparasiten von Grillen der Unterfamilie Oecanthinae (Verwandte unseres Weinhähnchens). doch liegen anscheinend nur Wirtsnachweise für 2 nordamerikanische Arten vor, deren Biologie auch näher studiert wurde. Die Imagines von Rhopalosoma nearcticum sind nachtaktiv, mit auffallend großen Ocellen und in beiden Geschlechtern geflügelt. Demgegenüber ist Olixon banksii extrem kurzflügelig, tagaktiv und befällt Waldgrillen der Gattung Nemobius.
Die Sierolomorphidae sind eine aberrante Familie, nur aus Nord- und Mittelamerika, Zentralasien und von Hawaii bekannt. Sie sollen den Tiphiiden nahestehen, besitzen jedoch keine Grabbeine und über ihre Wirte liegen keine Angaben vor.
Die dimorphen, teilweise nachtaktiven Bradynobaenidae kommen in Südamerika und südlichen Nordamerika, im tropischen Afrika, in Asien sowie (in der Unterfamilie Apterogyninae) in Südeuropa vor, doch scheint über ihre Lebensweise nichts bekannt zu sein.


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Last modified: 20.03.02