Scoliidae

Dolchwespen

[ Hymenoptera , Scolioidea ]


Verbreitung

Die Dolchwespen sind eine relativ kleine Gruppe der parasitoiden, aculeaten Hymenopteren mit weltweit etwa 300 beschriebenen Arten, von denen die meisten eine tropische Verbreitung haben oder bei uns zumindest auf wärmere Gebiete beschränkt sind. Sie fehlen in Großbritannien (mit Ausnahme einer Art auf den Kanalinseln). In Mitteleuropa sind zwei Arten vertreten und in Südfrankreich etwa acht.


Merkmale

Die oft recht stattlichen, 10 - 40 mm großen, behaarten Wespen sind in beiden Geschlechtern geflügelt. Die Männchen sind schlanker und kleiner als die gedrungenen Weibchen. Fühlerglieder beim Weibchen 12, bei Männchen 13. Der Innenrand der Augen ist, wie bei den Sapygiden, tief eingebuchtet. Auffallend ist die feine Längsstreifung (Scheinaderung) im Spitzenteil der dunklen oder bunten Vorder- und Hinterflügel. Ähnlich wie bei den Tiphiiden, ist das 2. Hinterleibssegment vom ersten abgeschnürt. Bei den europäischen Arten dominiert die schwarz-gelbe Wespenzeichnung.

Verwandtschaftlich stehen die Scoliidae vermutlich den echten Wespen (Vespoidea) näher, doch werden sie aufgrund morphologischer und biologischer Ähnlichkeiten häufig mit den Mutilliden, Sapygiden und Tiphiiden zur Überfamilie der Scolioidea vereinigt.


Wirtskreis

Vor allem in ihrer Lebensweise gleichen sie stark den Tiphiidae, da sie ebenfalls Ektoparasiten von bodenbewohnenden Coleopteren, überwiegend von Engerlingen, sind. Viele tropische Arten leben auch bei Scarabaeiden-Larven in verrottetem Holz und bei großen Rüsselkäfern.
  • Unsere einheimischen Scolia quadripunctata (Unterfamilie Scoliinae) bevorzugt die Larven von Anomala, Anisoplia und Cetonia Arten; dies gilt auch für S. hirta. Die große, südeuropäische S. flavifrons, eine der größten Hautflügler-Arten Europas, schmarotzt auf den Engerlingen von Nashorn- und Hirschkäfern.
  • Die zur Unterfamilie der Campsomerinae gehörige Campsomeris sexmaculata konnte in Südfrankreich von Anoxia-Larven gezogen werden.

Entwicklung

Die Imagines der Campsomerinae sind Blüten- und Honigtaubesucher und fliegen auffallend dicht über dem Boden in typischen Schleifen. Die Männchen mancher Campsomeris-Arten führen gemeinsame Schwarmflüge durch und sammeln sich nachts zu Ruhekolonien auf Blättern. Die Weibchen folgen teilweise den Grabgängen der älteren Engerlinge und können auch Wirte in größerer Tiefe erreichen. Die Wirtslarve wird wiederholt in der Thoraxregion angestochen. Campsomeris-Arten stechen häufig in die Halsregion (Schlundganglion) und kneten dann den ganzen Wirtskörper mit den Mandibeln durch. Der Wirt wird fast immer dauerhaft paralysiert. Hernach gräbt die Scolia-Wespe tiefer und zieht das Opfer hinter sich her; so können Tiefen von 25 cm bis 1 m erreicht werden. Dort wird schließlich eine Höhlung gegraben, in der der Engerling verstaut und mit einem Ei belegt wird. Die externe Eiablage findet meist ventral am 3. und 4. Abdominalsegment statt, wobei das Hinterende am Wirtskörper haftet, so daß die schlüpfende Junglarve sich nach vorne beugen muß, um mit dem Saugen beginnen zu können. Als Durchschnitt werden 50 Eier je Weibchen angegeben, die über 2-3 Monate hinweg abgelegt werden können. Nach der Eiablage wird der Gang sogleich verlassen. Die Embryonalzeit dauert unter optimalen Bedingungen wenige Tage, die Fraßzeit der Larven 1 - 2 Wochen und das anschließende Kokonstadium (bei bivoltinen Arten) mehr als einen Monat. Zunächst wird hauptsächlich am Vorderkörper des Wirtes gesaugt, die älteren und erwachsenen Larven (L4) fressen den Engerling völlig leer. Die oft rotbraunen Kokons werden von den Adulten direkt am Vorderende durch ein rundes glattes Loch verlassen und unterscheiden sich dadurch von den Mutilliden.
Über die Generationsdauer liegen wenig sichere Angaben vor. Unsere Arten dürften nur eine Generation pro Jahr durchlaufen, mit einer sehr verzettelten Flugzeit und Eiablageperiode. Auch die Larvalentwicklung sollte in unseren Breiten erheblich länger dauern, als weiter vorne angegeben. Die Überwinterung erfolgt als Präpuppe im Kokon, der oft innerhalb der leeren Wirtshaut gebildet werden kann. Bei einer koreanischen Art der Gattung Campsomeris wurden 2 - 3 Bruten pro Jahr registriert. Hier wurde auch Puppen- und Imaginalüberwinterung festgestellt.

Heimische Arten

Unsere heimischen Arten sind selten und nur im Mediterrangebiet können diese stattlichen Insekten in größerer Zahl beobachtet werden, z. B. die auffällige Scolia flavifrons, die von Juni bis August vor allem auf den Blüten von Lauch und Zwiebeln, auf Origanum und anderen, leicht zugänglichen Blüten angetroffen wird. Trotz ihrer "bedrohlichen" Größe sind die Tiere nicht aggressiv und stechen auch nicht. Die Eier sind, je nach Art, 2 - 4 mm lang und transparent. Von den Larvenformen liegen nur unzureichende Beschreibungen vor.

Anwendungen in der biologischen Schädlingsbekämpfung

Einige Scoliiden sind mehrfach zur biologischen Engerlingsbekämpfung eingesetzt worden, z. B.
  • Campsomeris marginella in Hawaii (von den Philippinen importiert),
  • Scolia ruficornis und andere Arten gegen den Nashornkäfer auf Kokosnuß (Oryctes rhinoceros) auf verschiedenen Pazifik-Inseln.
  • Scolia oryctophaga gegen den Zuckerrohr-Oryctes und Campsomeris-Arten gegen Phyllophaga smithi auf Mauritius.
  • Mehrere Scoliiden sind auch von Ostasien in die USA. importiert worden, um gegen den Japankäfer vorzugehen, doch ist ihre Ansiedlung nicht geglückt.

P-Online

Last modified: 01.02.02