Fam. Mutillidae

Ameisenwespen

[ Hymenoptera , Scolioidea ]


Verbreitung

Die Ameisenwespen stellen eine artenreiche Gruppe der aculeaten Hymenopteren dar, die weltweit etwa 5000 Arten in 7 Unterfamilien umfaßt, aber weitgehend auf die wärmeren Regionen der Erde beschränkt erscheint. In Großbritannien kommen nur 3 Arten vor, bei uns etwa doppelt so viele und in Südfrankreich eine ganze Reihe von Arten. Verwandtschaftlich dürften die Mutilliden den Tiphiiden und speziell den Sapygiden nahe stehen, wofür im letzteren Fall auch biologische Ähnlichkeiten sprechen.

Merkmale

Die Spinnenameisen oder velvet ants bzw. cowkillers, wie sie in England bzw. Amerika heißen, sind leicht kenntlich. Die 3 - 20 mm großen Weibchen sind in der Regel flügellos und sehen oberflächlich wie große, gedrungene, stark behaarte Ameisen aus. Die Antennen sind 12gliedrig (beim Männchen 13gliedrig) und der Thorax ist von kubisch-kistenförmiger Gestalt und dorsal nicht oder nur einmal gefurcht. Bei den deutlich größeren geflügelten Männchen reicht das Pronotum seitlich fast bis zu den Tegulae. Die Komplexaugen der Weibchen sind klein und Ocellen fehlen, während beide Augentypen bei den Männchen normal entwickelt sind. Am auffallendsten ist jedoch bei beiden Geschlechtern die reiche Skulpturierung und die filzige Behaarung des Körpers. Unsere Mutillinen-Arten sind zumindest am Thorax meist rotbraun gefärbt, mit weißlichen Abdominalbinden oder kreisrunden Flecken. Ähnlich wie bei den Goldwespen dominieren in den verschiedenen Kontinenten unterschiedliche Färbungsmuster (regionale Färbungskonvergenz). Bemerkenswert ist der ausgeprägte Größenunterschied der Individuen einer Art, der von der Wirtsgröße abhängig ist. Interessant ist auch das Auftreten eines Zirporgans am Hinterleib, dessen Funktion noch unklar ist.

Biologie

Als Wirte fungieren in erster Linie andere aculeate Hymenopteren, vorzugsweise Bienen und Hummeln, Grabwespen und Wegwespen. Einige tropische Arten befallen auch Puparien von Tse-Tsefliegen und verwandten Dipteren sowie die Puppen von Käfern und Schmetterlingen, doch ist hierüber wenig bekannt. Unsere teilweise ockerfarbenen Myrmosinen-Weibchen bevorzugen Furchenbienen und bestimmte Grabwespen. Von den Mutillinen befällt Mutilla, darunter unsere häufigste Art M. europaea, Hummelnester, während Smiromyrme einen breiten Wirtskreis besitzt, der alle 3 oben erwähnten Aculeaten-Familien umfaßt.

Nach der Kopula, bei der die Weibchen von den geflügelten Männchen im Flug mitgetragen werden, dringen sie aktiv unter Zuhilfenahme der kräftigen Beine zu den Brutzellen ihrer Wirte im Holz, Boden, in Mörtelnestern und dergleichen vor, beißen die Zellen auf und inspizieren die Brut zunächst nur mit den Fühlern. Ist die Wirtslarve noch klein, wird die Zelle verschlossen und eine andere aufgesucht. Anscheinend werden nur ausgewachsene, verpuppungsreife Wirte (Präpuppen) angenommen, die vom Schmarotzer angestochen aber offenbar nicht paralysiert werden. Hernach wird die Brutzelle des Wirtes wieder zugeklebt. Die Larvalentwicklung erfolgt ektoparasitisch und meist solitär, selten gregär, wobei 4 oder 5 Larvenstadien durchlaufen werden. Die Altlarven spinnen einen dicken Kokon in der leeren Wirtszelle, in dem sie sich verpuppen. Für die Entwicklungsdauer vom Ei bis zur Imago werden mindestens 3 - 4 Wochen angegeben; andere Arten sollen ein ganzes Jahr hierfür benötigen. Bei Mutilla europaea kommen in Mitteleuropa meist 2 Generationen im Jahr zur Ausbildung. Offenbar kommt auch Imaginalüberwinterung (nur Weibchen) vor. Die Wirtsspezifität der einzelnen Arten entspricht einer Oligophagie bis Polyphagie.

Da die Weibchen der Wirte vieler Ameisenwespen wehrhaft sind, ist es nicht verwunderlich, daß die Mutilliden selbst recht schmerzhaft stechen können, weshalb beim Sammeln ihrer Weibchen besondere Vorsicht geboten ist. In Zypern war vor 100 Jahren sogar der Glaube verbreitet, daß viele britische Besatzer durch Mutillidenstiche zu Tode gekommen sein sollen. Ob der Stachel der Weibchen zum eigenen Nahrungserwerb eingesetzt wird, ist strittig. Sicher ist, daß z. B. M. europaea-Weibchen Bienenstöcke überfallen und zahlreiche Arbeiterinnen totbeißen können, um sie anschließend auszusaugen, doch wird beim Kampf mit den Honigbienen der Stachel anscheinend nicht eingesetzt. Ähnliche Beobachtungen liegen auch von anderen Mutilliden vor. Eine nordafrikanische Art dringt nachts in die Erdbauten von Grabwespen ein, um das Weibchen zu überwältigen und die Weichteile aufzufressen. Auch hier scheint der Stachel nicht benutzt zu werden.

Imagines der Mutillidae finden sich vom Mai bis Oktober in unterschiedlichen Biotopen, z. B. am Boden, auf Pflanzenstengeln oder an Stubben; die Männchen nicht selten auf glatten, sonnenbeschienenen Baumstämmen. Sie treten gehäuft im Hochsommer auf, doch sind unsere einheimischen Arten (Mutilla europaea, M. marginata, Smicromyrme rufipes, Myrmilla calva, Dasilabris maura sowie die beiden Myrmosa-Arten) meist selten, die erstgenannte Art ausgenommen.

Detaillierte Larvenbeschreibungen scheinen zu fehlen.


P-Online

Last modified: 01.02.02