Proctotrupidae


( Hymenoptera , Proctotrupoidea )


Verbreitung und Merkmale

Die Vertreter dieser relativ kleinen Familie schmarotzen überwiegend in Käferlarven, einige Arten auch in den Larven von Pilzmücken. Unsere europäischen Arten sind leicht am Flügelgeäder zu erkennen. Weltweit sind über 300 Arten beschrieben worden, die Gesamtfauna wird jedoch auf 1200 Arten geschätzt, da viele Gebiete der Erde bisher kaum besammelt wurden. Aus Europa sind etwa 50 Arten bekannt, davon um die 40 aus Mitteleuropa.


Wirtskreis der Unterfamilien

Die von einigen Autoren auch als Serphidae bezeichneten Proctotrupidae werden heute in 2 Unterfamilien unterteilt:


Austroserphinae


Die Austroserphinae finden sich mit wenigen Arten in Australien, Neu-Guinea und in Patagonien und über Wirte und Lebensweise ist nichts bekannt.


Proctotrupinae


Alle übrigen Arten gehören der Unterfamilie der Proctotrupinae an. Sie sind ganz überwiegend Endoparasiten von Käferlarven der unterschiedlichsten Familien und Lebensformentypen.
  • Eine Reihe von Arten aus den Gattungen Codrus, Phaenoserphus und Proctotrupes leben in Carabidenlarven, die Exallonyx- und Phaenoserphus-Arten hingegen in jenen der Staphylinidae.
  • Paracodrus und Parthenocodrus schmarotzen in Drahtwürmern (Elateridenlarven), Brachyserphus in Nitiduliden (Meligethes) und pilzbewohnenden Käferlarven.
  • Auch aus Rüsselkäfern sowie phytophagen und aphidophagen Marienkäferlarven sind Proctotrupidae gezogen worden. Pschornia minora ist ein gregärer Endoparasit räuberischer Thanasimus-Larven (Cleridae).
  • Eine Ausnahme machen die Cryptoserphus-Arten, die vermutlich durchwegs in den Larven von Pilzmücken (Mycetophilidae) parasitieren. Wir haben häufig Cryptoserphus flavipes aus Junglarven von Bolitophila cinerea gezogen.
  • Auch die Disogmus-Arten wurden bei der Eiablage in Hutpilze beobachtet, doch ist nicht bekannt, ob sie dort Dipteren oder Coleopteren anstechen.
  • Ähnliches dürfte für die Arten der Gattungen Tretoserphus und Mischoserphus gelten. Hier scheint eine ökologische Wirtskreiserweiterung, das heißt, ein Übergang von fungicolen Coleopteren auf Nematoceren-Larven mit ähnlicher Lebensweise stattgefunden zu haben. Eine mehr als 100 Jahre alte Wirtsangabe betrifft den Tausendfüßler Lithobius forficatus; da die gleiche Art (Phaneroserphus calcar) aber seither aus zwei Straphyliniden-Larven gezogen wurde, bedarf dieser Befund der Nachprüfung.

Biologie

    Über die Biologie der Prototrupidae ist wenig bekannt. Nur einige Arten wurden bisher näher untersucht. Neben solitären Endoparasiten gibt es auch mehrere Arten, die gregär im Wirt leben. Obligatorisch parthenogenetische Arten sind selten, ebenso wie brachyptere oder aptere Formen. Die in Pilzmückenlarven schmarotzenden Arten versenken außer ihren langen Legebohrer auch das vorstreckbare Abdomen zwischen den Pilzlamellen, um Zugang zu ihren Wirten zu erhalten. Die Junglarven sind vom polypodeiformen Typ, mit einer deutlich sklerotisierten Kopfkapsel und stummelförmigen Abdominalanhängen. Die Weiterentwicklung erfolgt erst, wenn sich die Wirtslarve zur Verpuppung anschickt. Auffällig ist der Verpuppungsmodus. Die erwachsenen Larven schieben sich mit dem Kopf voran durch die Intersegmentalhäute der leergefressenen Wirtsexuvie nach außen und verpuppen sich, mit dem Hinterende in der Wirtshaut stecken bleibend, wobei ihr Körper mehr oder minder senkrecht vom Wirt absteht. Über die Generationsdauer liegen keine genaueren Angaben vor, doch dürfte univoltine Entwicklung dominieren. Zumindest bei jenen Carabiden und anderen Coleopteren, welche den Winter als Larven überdauern, erfolgt die Überwinterung der Parasiten als Junglarven innerhalb ihrer Wirte, doch scheinen manche Arten (auch) als Imagines zu persistieren.


P-Online

Last modified: Nov. 29, 1998