Fam.: Platygastridae

( Hymenoptera , Proctotrupoidea )

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Verbreitung und Merkmale

Diese weltweit verbreitete und in der Südhemisphäre besonders artenreiche Familie ist vor allem taxonomisch sehr ungenügend untersucht. Von den Britischen Inseln werden über 150 Arten angegeben, während für Nordamerika über 200 und für die UDSSR um die 230 Arten aufgelistet werden. Es handelt sich um oft winzige bis kleine, meist schwarze, gelegentlich aptere Hymenopteren mit einer Körperlänge von 0,5 bis 3 mm. Die Antennen inserieren nahe dem Clypeus und haben 10 oder weniger Segmente. Beim Männchen ist das 4. (seltener das 3.) Flügelglied abgewandelt (bei den verwandten Scelioniden das 5. Glied). Das Vorderflügelgeäder kann völlig fehlen; stets aber fehlen die Stigmalis und Postmarginalis. Das Abdomen ist dorsoventral abgeflacht und weist höchstens 6 sichtbare Segmente auf. Der Legebohrer ist in Ruhelage versteckt. Von bizarrer Gestalt sind die Weibchen der meisten Arten der Gattung Inostemma, deren extrem langer Legebohrer in Ruhelage in ein am vorderen Abdomen entspringendes, gekrümmtes Horn zurückgezogen ist, das frei über den ganzen Thorax bis über den Kopf hinaus reichen kann. Es werden neuerdings nur 2 Unterfamilien unterschieden, die sich vor allem biologisch abgrenzen.


Biologie

Die Platygastrinae schmarotzen als Ei-Larven oder reine Larvenparasiten in Gallmücken, während die Sceliotrachelinae vor allem als Eiparasiten von Curculioniden, Chrysomeliden und Cerambyciden fungieren, aber auch in seßhaften, ovoiden Larvenstadien von Aleyrodiden und Pseudococciden parasitieren. Wahrscheinlich kommen sie auch in Aphiden und Spheciden-Nestern vor. Gelegentlich aus Gallwespen und Blattwespengallen gezüchtete Platygastriden dürften aus inquilinen Gallmücken ausgekommen sein. Die Weibchen der Platygastrinae erscheinen langgestreckt und weisen eine wenig abgesetzte, 5-gliedrige Fühlerkeule auf. Demgegenüber sind die Sceliotrachelinae gedrungener gebaut und die 3 - 4 gliedrige Clava der Weibchen ist deutlich ausgeprägt.

Biologisch sind nur einige Platygaster-, Inostemma- und Metaclisis-Arten näher untersucht worden, welche in Cecidomyiden leben. Die Eiablage erfolgt entweder schon in das Wirtsei oder in die Junglarven. Dabei können die Eier im Embryo oft präzise plaziert werden, z. B. ins Gehirn oder, bei Platygaster zosine, in den Mitteldarm und sind dann zunächst nur dort entwicklungsfähig. Andere Arten sind diesbezglich weniger wählerisch. Meist handelt es sich um koinobionte Solitärparasiten, doch kommt in Einzelfällen auch gregäre Entwicklung und bei P. zosine, einem Parasiten der Hessenfliege, sogar Polyembryonie vor. Ebenso scheinen einige thelytoke Arten zu existieren. Das Ei bildet ein Trophamnion, das nach dem Schlüpfen der Larve zu einem Pseudogerm zerfällt, dessen Zellen dann teilweise als Teratocyten fungieren; andere Pseudokeime lösen sich auf und werden von der heranwachsenden Larve als Nahrung genutzt. Das Larvenwachstum der Schmarotzer erfolgt erst in der älteren Wirtslarve. Die erwachsenen Larven verpuppen sich in der Regel in der leergefressenen Larvenhaut der Wirte. Gregäre Arten können Kokons im Wirtspuparium bilden.

Die Junglarven vieler Arten ähneln mehr oder minder dem hymenopteriformen Typ. Manche Arten hingegen haben aberrante Junglarven, die wegen ihrer oberflächlichen ŽÄhnlichkeit mit Copepoden als "cyclopoid" bezeichnet werden. Typisch für diese ist ein großer "Cephalothorax" mit kräftigen Mandibeln und ein gedrungenes, kurzes Abdomen, das in einem Gabelschwanz endet. Im Zuge der Nahrungsaufnahme wachsen solche Junglarven zu Mini-Luftballons heran. Die Anzahl der Larvenstadien ist unsicher; meist werden 1 - 3 Stadien angegeben, von denen das Trophamnion-Stadium die längste Entwicklungszeit benötigt, während die aktive Fraßperiode in wenigen Tagen durchlaufen werden kann.

Artenreiche heimische Gattungen der Sceliotrachelinae und ihre Wirte sind Allotropa (Schmierläuse), Amitus (Mottenschildläuse) und Fidiobia (Eiparasiten von Rüssel- und Blattkäfern). Unter den Gallmückenparasiten der Subfamilie Platygastrinae dominieren bei uns Vertreter der Gattungen Platygaster (besonders artenreich), Synopeas, Inostemma u. a. Einige Arten der Gattung Platygaster sind in der biologischen Schädlingsbekämpfung gegen die Hessenfliege (Mayetiola destructor) in Nordamerika sowie gegen Birnen- und Apfelgallmükken (Dasyneura pyri, D. mali) in Neuseeland eingesetzt worden.


Literatur

Masner, L. & Huggert, L. 1989: Word review and keys to the genua of the subfamily Inostemmatinae with reassignment of the taxa to the Platygastrinae and Sceliotrachelinae (Hymenoptera: Platygastridae). Mem. Entomol.Soc.Can., 147, 214 pp.


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Last modified: 17.04.00