Ei einer Tryphoninae verankert im Kopf einer Blattwespe.

Tryphoninae

»Echte« Schlupfwespen

[ Hymenoptera , »Parasitica« , Ichneumonidea , Ichneumonidae ]

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Bei den Tryphoninen handelt sich um eine artenreiche, ursprüngliche Gruppe der Ichneumonidae mit einem Verbreitungsschwerpunkt in nördlichen Breiten und in Gebirgslagen. Dies ist auch dadurch bedingt, daß die Tryphoninen überwiegend auf Blattwespen als Wirte spezialisiert sind, die ebenfalls viele boreale und alpine Arten aufweisen, in wärmeren Gebieten hingegen seltener sind und in den Tropen eher sporadisch vorkommen. Viele Arten sind eifrige Blütenbesucher, speziell auf Doldenblüten, (z. B. Tryphon spp. und Verwandte), einige (z. B. Netelia) hingegen dämmerungs- oder nachtaktiv.


Wirtskreis

Der Wirtskreis der einzelnen Triben ist relativ einheitlich.
  • Die artenreichen Phytodietini sind auf Lepidopteren beschränkt, die kleineren Phytodietus-Arten überwiegend auf Tortriciden und Pyraliden, die auffälligen, stark an Ophion erinnernden Netelia-Arten hingegen auf Großschmetterlingsraupen (Spanner, Eulen, Spinner). Der Stich der beim Lichtfang zu erbeutenden Netelia-Weibchen kann recht schmerzhaft sein.

  • Auch die artenärmeren Oedemopsini und Sphinctini befallen Lepidopterenlarven, seltener (z. B. Eclytus) Blattwespen.

  • Demgegenüber sind die Vertreter der artenreichen Tryphonini und Exenterini nahezu vollständig auf Blattwespen-Wirte spezialisiert, wobei einzelne Gattungen wieder typisch für bestimmte Gruppen der Tenthredinoidea sind. Grypocentrus spp. befällt minierende Tenthredinidae (aber auch minierende Trugmotten, Eriocraniidae), die Tryphon-Arten bevorzugen Dolerinen, Cosmoconus und Dyspetes die großen Tenthredo-Arten und ihre Verwandten, Polyblastus hingegen Nematinen. Die aberranten Boethus-Arten schmarotzen bei Argiden. Es kommt auch ökologische Wirtsspezifität vor. Beispielsweise befallen bestimmte Gattungen mehr Blattwespen der Krautschicht, andere mehr solche an Bäumen und Sträuchern. Ähnliches gilt für die meisten Exenterini, so für die zahlreichen Exenterus-Arten, die ausschließlich an Diprioniden parasitieren, während die Vertreter der Gattung Cteniscus und ihre Verwandten überwiegend aus Nematinen gezogen werden.

  • Aus dem Rahmen fällt die kleine Tribus der Idiogrammatini. Idiogramma-Arten attackieren durchweg Xyelidae, eine recht ursprüngliche Gruppe der Symphyten, deren Larven sich in den männlichen Blütenständen von Kiefern entwickeln.


Biologie

Recht einheitlich ist die Biologie der Tryphoninen. Obwohl es sich ausschließlich um Ektoparasiten handelt, die vorzugsweise ältere oder ausgewachsene Larven ihrer Wirte befallen, müssen sie als Koinobionten angesehen werden, da sie ihre Wirte nicht lähmen und ihre Entwicklung erst überwiegend im Wirtskokon zu Lasten der Präpuppen erfolgt.

Eier

Ei einer Tryphoninae mit Anker.

Besonders typisch ist, daß die Eier der Tryphoninen einfache bis hochkomplizierte Ankermechanismen aufweisen, mit deren Hilfe sie in der Haut oder Kopfkapsel der oft noch fressenden oder gerade zum Einspinnen abwandernden Wirtslarven fest fixiert werden. Diese, schon an den reifen Oocyten kenntlichen Anker sind so typisch, daß viele Tryphoninen-Arten oft leichter an Hand dieser Eistrukturen als im Imaginalstadium zu bestimmen sind.

Zudem erfolgt die Ablage der Eier nicht selten gezielt und streng lokalisiert, am häufigsten in die geschützte Nackenregion der Wirtslarven. Manche Tryphoninen stechen ihre Anker in die Kopfkapsel der Afterraupen ein, andere nur ventral zwischen den Coxen der Thorakalbeine oder sogar in das Rektum der Wirtslarven. Arten mit hochkomplizierten, nußschalenförmigen, mit Widerhaken versehenen Ankern (z. B. einige Exenterus- und Eridolius-Arten) sind meist wenig wählerisch und verteilen die Eier über den ganzen Rumpf des Wirtes, wobei sie so tief in die Wirtshaut eingesenkt werden, daß sie von der Larve nicht abgebissen und auch bei der Häutung vom Wirt kaum abgestreift werden können. Die ausgeprägte Bevorzugung erwachsener Wirtslarven stellt einen zusätzlichen Schutz gegen Eiverluste im Gefolge von Häutungen dar, wobei Superparasitierungen häufig sind. Die Eier werden meist im unreifen Zustand abgelegt. Bei manchen Tryphoninen wird das reife Ei, mit dem Anker im Legebohrer fixiert, längere Zeit frei getragen und bei Polyblastus-Weibchen findet sich oft eine ganze Traube solcher, bereits weitgehend inkubierter, schlüpfbereiter Eier außen am Ovipositor hängend. Die Eier der Phytodietini besitzen keine eigentlichen Anker, sondern nur einen ungewöhnlich langen, spiralig verdrehten Eistiel.

Entwicklung

Die Eier schlüpfen in der Regel erst, wenn der Wirt seine Larvalentwicklung abgeschlossen und sich eingesponnen hat, seltener (z. B. bei ovolarviparen Arten) erfolgt der Schlupf bereits während der Fraßzeit der Wirte, wobei die Parasitoiden-Junglarven dann zunächst mit ihrem Hinterende in der Eihaut stecken bleiben (z. B. Phytodietini, Eclytus, Ctenochira etc.). Im Wirtskokon bewegen sich die Junglarven frei auf dem Wirt und saugen die Präpuppen von außen leer. Die Erstlarven sind oft kräftig beborstet und bewegen sich mit diesen dorsalen Stemmborsten, "auf dem Rücken laufend", auf der stabilen Innenwand der Kokons fort. Die Verpuppung erfolgt in einem Kokon innerhalb des leeren Wirtskokons, meist erst nach der Überwinterung im Präpuppenstadium. Die Generationenzahl richtet sich in der Regel nach jener der Wirte. Bei uns dominieren demnach univoltine oder bivoltine Arten, doch kann durch Überliegen die Entwicklung auch mehrjährig werden.


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Last modified: 22.04.00