Weibchen von Rhyssa persuasoria

Pimplinae (Ephialtinae)

[ Hymenoptera , »Parasitica« , Ichneumonidea , Ichneumonidae ]

© Klaus Hellrigl


Mit über 100 Arten in Großbritannien und um die 180 Arten in Europa zählen die Pimplinae (Ephialtinae) zu den größeren Unterfamilien der Schlupfwespen i.e.S.. Es handelt sich um eine relativ ursprüngliche Gruppe mit meist breit dem Thorax ansitzenden und dorsoventral komprimierten Abdomen. Die Weibchen haben einen auffallend langen Legebohrer. Die Klauen der Tarsen sind nie gekämmt und das Propodeum ist nicht oder kaum gefeldert. Die Pimplinae gehören zu den taxonomisch und biologisch am besten untersuchten Ichneumoniden, obwohl ihr Wirtsspektrum ungewöhnlich breit ist und an Mannigfaltigkeit das der meisten anderen Unterfamilien übertrifft.


Ephialtini

Scambus vesicarius auf Pontania

Die Vertreter der ursprünglichsten Tribus der Ephialtini sind typische, oft polyphage Idiobionten, die ektoparasitisch bevorzugt versteckt lebende Wirte befallen. Besonders artenreich ist die Gattung Scambus, die sowohl hochgradig polyphage, bei verschiedenen Kleinschmetterlingen, minierenden Blattwespen, Rüssel- und Blattkäfern schmarotzende Arten umfaßt (z. B. S. annulatus, S. brevicornis) als auch Spezialisten (z. B. S. foliae, nur bei Blattwespen der Gattung Heterarthrus).

Einige Arten fungieren fakultativ als sekundäre Schmarotzer von Ichneumoniden- und Braconiden-Kokons (Pseudohyperparasiten). Andere Ephialtini entwickeln sich als Pseudoparasiten (Eiräuber) in den Eikokons von Spinnen, z. B Tromatobia spp. in mehr exponierten Eigelegen, Zaglyptus- und Clistopyga-Arten in versteckten Eikokons in den Wohnröhren ihrer Wirte.


Polysphinctini

Auch alle Angehörigen der Tribus Polyphinctini (20 Arten auf den Britischen Inseln) parasitieren Spinnen, aber als typische Ektoparasiten jüngerer oder erwachsener Spinnen. Es handelt sich jedoch um Koinobionten, da die Wirte nur während der Eiablage kurzzeitig paralysiert werden und noch lange weiterleben. Die Parasitenlarven haften mit ihren Saugwarzen außen am Wirt, häufig quer am Vorderende des Opisthosomas und überleben selbst Häutungen ihrer Opfer. Die spindelförmigen Kokons der Schlupfwespen werden meist in den Gespinsten ihrer Wirte aufgehängt. Besonders häufig sind Acrodactyla degener, die Jungspinnen von Linyphiiden in 2 Generationen pro Jahr befällt und Polysphincta tuberosa als typischer Ektoparasit der Kreuzspinne und verwandter Radnetzspinnen. Viele Polysphinctini überwintern als Junglarven auf den jungen Wirtsspinnen oder im Kokonstadium im Wirtsnest.


Pimplini

Die Tribus der Pimplini umfaßt bei uns die Gattungen Pimpla, Itoplectis und Apechthis, darunter einige sehr häufige und extrem polyphage Arten wie P. hypochondriaca (= P. instigator), P. turionellae, I. alternans und I. maculator. Es handelt sich um typische Endoparasiten von Schmetterlingspuppen, wobei Pimpla spp. bevorzugt Macrolepidopteren, Itoplectis spp. überwiegend Microlepidopteren befallen. Letztere fungieren auch als fakultative Pseudohyperparasiten von Schlupf- und Brackwespenkokons. Vereinzelt werden auch Kokons anderer Insekten (z. B. Rüsselkäfer) angestochen.


Delomeristini

Recht heterogen sind die Delomeristini. Theronia atalantae entspricht biologisch den Pimplini, Delomerista spp. parasitieren in Blattwespenkokons, während Perithous überwiegend mit stengelbewohnenden Grabwespen assoziert ist.


Poemeniini

Stengel- und Holzbewohner scheinen auch die artenarmen Poemeniini zu sein, für die bisher Sphecidae bzw. Cerambycidae und verwandte Holzbohrer als Wirte nachgewiesen sind.


Diacritini

Noch weniger bekannt ist über die in Europa nur mit einer Art vertretenen Diacritini.


Rhyssini

Weibchen von Rhyssa persuasoria

Die auffälligsten Pimplinae sind zweifellos die Vertreter der ektoparasitischen Rhyssini, bei uns durch Megarhyssa, Rhyssa und Rhyssella vertreten. Sie zählen zu unseren größten Schlupfwespen und speziell die Weibchen sind durch ihren langen Legebohrer beeindruckend (Gesamtlänge bis zu 10 cm). Als Wirte fungieren ausschließlich Holzwespenlarven.

Weibchen von Rhyssa persuasoria bei der Eiablage

Rhyssa persuasoria, unsere häufigste Art, sowie die seltene R. amoena, befallen nur Nadelholz-Siriciden, die drei Megarhyssa-Arten überwiegend Laubholz-Siriciden (Tremex spp.), während die beiden kleineren Rhyssella-Arten auf Xiphydriiden beschränkt sind. Es werden Larven, Präpuppen und Puppen der Holzwespen paralysiert und von den 4 Larvenstadien der Parasitoiden ausgesogen. Während der 3-jährigen Sirex-Entwicklung können 3 Generationen von Rhyssa zur Ausbildung kommen.

Als Kleptoparasiten der Rhyssini fungieren in Europa zwei Arten der Gattung Pseudorhyssa (Tribus Delomeristini). Ihr Legebohrer ist nicht zum Bohren im Holz geeignet. Daher warten die Weibchen in der Nähe bohrender Rhyssini-Weibchen, um hernach ihren dünnen Ovipositor durch deren Bohrloch einzuführen und ein Ei neben das des Primärparasiten zu legen. Die wehrhafte, mobile Kleptoparasiten-Larve tötet zunächst den Konkurrenten, um sich dann über die Holzwespenlarve herzumachen.


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Last modified: 18.06.03