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Diese früher als
Cryptinae oder Gelinae bezeichnete systematisch ursprüngliche
Unterfamilie ist die artenreichste Gruppe der Ichneumonidae und
durch das Auftreten einiger Großgattungen (z. B. Gelis)
auch taxonomisch schwierig. Dazu kommt, daß unsere
einheimischen Arten relativ unscheinbar, schwarz oder rötlich
braun sind, während die reichentwickelte tropische Fauna
zahlreiche stattliche, buntgefärbte Formen umfaßt.
Manche Weibchen sind flügellos und sehen dann habituell wie
Ameisen aus; in der Gattung Gelis kommen auch aptere
Männchen vor.
Der Wirtskreis der Phygadeuontinae ist
ausgesprochen groß und heterogen, doch besteht eine
deutliche Bevorzugung von Kokons, speziell von
Lepidopteren-Kokons, aber auch Blattwespen-Kokons sowie solche
von anderen Ichneumoniden bzw. von Braconiden werden häufig
angestochen. In den beiden letzteren Fällen erfolgt die
Entwicklung hyperparasitisch. Auch Kokons von Neuropteren
(Chrysopidae), von Taumelkäfern (Gyrinidae), Eikokons von
Spinnen und Pseudoscorpionen und Puparien von Dipteren sind als
Wirte nachgewiesen. Daneben treten Phygadeuontinen in Bienen-
und Wespennestern in Erscheinung sowie in Gehäusen von
Trichopteren (z. B. bei Enoicyla) und in Kokons von
semiaquatischen Lepidopteren. Echte Puppenparasiten sind meist
auf stengelbewohnende Wirte beschränkt und auch einige
holzbewohnende Insekten werden von Vertretern dieser
Unterfamilie befallen. Dementsprechend handelt es sich in der
Regel um ektoparasitische Idiobionten von Präpuppen und
Puppen in ihren Kokons, seltener um Parasitoiden freiliegender
Puppen, doch kommen offenbar auch einige koinobionte
Endoparasiten von Puparien und Puppen vor. Die Wirtspezifität
der einzelnen Arten entspricht meist einer Oligophagie, doch
gibt es auch zahlreiche hochspezialisierte, monophage Arten
sowie etliche andere, die stärker zur Polyphagie
neigen.
Es werden 3 Triben unterschieden: die
Phygadeuontini, Mesostenini und Hemigastrini, die ihrerseits in
zahlreiche Subtriben untergliedert werden, doch ist die
Systematik der Phygadeuontinae noch im Fluß. Wichtige
Gattungen der 1. Tribus sind Gelis mit einem sehr breiten
Wirtskreis, Mastrus (Kokons von Blattwespen und anderen
Insekten), Endasys (in Blattwespen-Kokons), Phygadeuon
(Dipteren-Puparien) und Atractodes (sticht Dipterenlarven
an, entwickelt sich aber später ektoparasitisch im Puparium
des Wirtes). Unter den Mesostenini, die vor allem in den Tropen
durch ihre Farbenpracht hervorstechen, dominieren bei uns die
Gattungen Agrothereutes (in Blattwespen- und
Lepidopteren-Kokons) und Vertreter der Ischnina-Gruppe
(überwiegend Puppenparasiten von Lepidopteren, aber auch
Schmarotzer bei Aculeaten und sogar bei Ameisenlöwen). Die
Hemigastrini sind vor allem durch Arten folgender Gattungen
vertreten: Pleolophus, Aptesis und Cubocephalus
(Kokonparasiten von Blattwespen), Gambrus
(Microlepidopteren) sowie Oresbius (vorwiegend
subarktisch, viele Arten mit brachypteren Weibchen, vermutlich
in Nematinen-Kokons).
Da zahlreiche Wirte der
Phygadeuontinae ihre Kokons, Puparien oder Puppen im Boden
anfertigen, sind die Parasiten-Imagines häufig flugunlustig
und bewegen sich vor allem laufend fort. Speziell die Weibchen
verkriechen sich in den Zuchtgefäßen gerne in der
Erde oder sonstigen Verstecken. Die Legebohrer sind an ihrer
Spitze oft mit typischen Zähnchen oder Rippen versehen, die
beim Anbohren der Kokons von Nutzen sind. Viele Arten besitzen
zudem relativ lange Legebohrer, die fast die Abdomenlänge
erreichen können. Die Wirte werden meist paralysiert und
das Ei außen auf die Präpuppe oder Puppe gelegt.
Atractodes, ein Parasit von Anthomyiden, verankert sein
Ei dicht unter der Haut der noch fressenden Wirtslarven, so daß
es bei der Häutung im Puparium mit abgestreift wird und die
Parasitenlarve nunmehr ektoparasitisch an der Puppe zu fressen
beginnt. Anitranis-Larven entwickeln sich an Bienenlarven
und fressen sich dabei von einer Zelle zur nächsten
durch.
In der Regel liegt Solitärparasitismus vor,
doch ist Superparasitierung mit anschließender agressiver
Elimination der überzähligen Larven nicht selten. Als
Kokonparasiten treten die Phygadeuontinae auch häufig in
Konkurrenz mit den vorher angreifenden Larvenparasiten. In
solchen Fällen von Multiparasitismus obsiegt meist der
Kokonparasit, da die Larvenparasiten in ihrer Entwicklung oft
schon das wehrhafte Junglarvenstadium überschritten haben
und nun gegenüber den Erstlarven des Kokonparasiten
weitgehend wehrlos sind. Bei Diprioniden-Kokonzuchten, die durch
Aptesis oder Pleolophus parasitiert sind, kann oft
die ganze Zucht durch diese Kokonparasiten ruiniert werden, wenn
deren Weibchen nicht sogleich weggefangen werden. Durch
Re-Infektion neuer Kokon, die von Larvenparasiten besetzt sind,
kann das Parasitierungsbild total verfälscht und die
Parasitierungsrate stark überschätzt werden.
Viele
Arten sind plurivoltin und können zum Teil mehrere
Generationen auf der gleichen Wirtsgeneration durchlaufen, doch
überwiegt wohl die univoltine Entwicklung. Die
Überwinterung erfolgt meist im Präpuppenstadium
innerhalb des Wirtskokons.
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