Fam.: Mesochorinae

[ Hymenoptera , »Parasitica« , Ichneumonidea , Ichneumonidae ]


Eine relativ leicht kenntliche Gruppe von Schlupfwespen, deren Vertreter vermutlich alle als obligatorische Hyperparasiten leben. Auffallend ist, daß der Clypeus vom Gesicht nicht durch eine Querfurche getrennt ist, so daß der ganze Vorderkopf als eine einheitliche, leicht konvexe Platte erscheint. Die Areola im Vorderflügel ist groß und rhombisch. Die männlichen Genitalien sind in einen langen, spießförmigen Fortsatz ausgezogen; die weiblichen durch die große, dreieckige Subgenitalplatte gekennzeichnet. Von den Britischen Inseln sind etwa 50 Arten in bekannt. Die europäische Fauna dürfte, ähnlich wie die nearktische, um die 100 Arten umfassen, doch sind die Mesochorinae auch anderwärts weit verbreitet (z.B. in Südamerika mit über 250 Arten). Möglicherweise stammen die Mesochorinen von den in Blattwespen als Primärparasiten schmarotzenden Ctenopelmatinen ab, in dem sie von einer ursprünglich primären Lebensweise zu reinem Hyperparasitismus übergegangen sind.

Die vorliegenden biologischen Daten sprechen dafür, daß sie vermutlich alle Arten koinobionte Hyperparasiten sind. Inwieweit es auch Primärparasiten von Lepidopteren oder Coleopteren gibt, bleibt abzuklären. Als Sekundärwirte fungieren vor allem Lepidopteren- und Blattwespen-Larven, seltener Coleopteren, Miriden oder Psocopteren, als Primärwirte hauptsächlich deren endo- oder ektoparasitischen Ichneumonidae, Braconidae und zum Teil Tachinidae. Die Weibchen suchen zunächst gezielt nach den passenden Sekundärwirten. In dieser Hinsicht sind die meisten Arten oligophag, seltener monophag, d.h. also, daß z.B. verschiedene verwandte Blattwespenarten als Sekundärwirte angeflogen werden können. Die Sekundärwirtslarven werden angestochen und nun mit dem Legebohrer auf das Vorhandensein geeigneter Primärwirte untersucht. Dabei werden unparasitierte wie schon parasitierte Sekundärwirte gleichermaßen überprüft. Ist ein geeigneter Primärwirt gefunden, so wird er ebenfalls angestochen und intern mit einem Ei belegt. Die Entwicklung entspricht also in solchen Fällen einem solitären Endo-Hyperparasitismus. Auffallend ist, daß längst nicht alle vorhandenen Primärparasiten als Wirte genutzt werden, sondern häufig nur eine ganz bestimmte Braconiden- oder Ichneumoniden-Art. In dieser Hinsicht sind die Mesochorinae als mehr oder minder spezifisch zu bezeichnen.

Auffallend ist, daß häufig nur recht junge Sekundärwirte angeflogen und nur die Junglarven oder sogar schon die Eier des Primärparasiten angestochen werden. Beispielsweise sucht Mesochorus dimidiatus nur nach Kolonien junger Blattwespenlarven (verschiedene gesellig lebende Nematinen-Larven) und in diesen nur nach den Erstlarven von Schlupfwespen der Gattung Olesicampe (Campopleginae). Die Mesochorus-Eier sind sehr klein (um 0,1 mm), zitronenförmig und an einem Ende kurz gestielt. Sie schlüpfen sehr bald, noch in der Junglarve von Olesicampe. Die Erstlarven entwickeln sich aber erst weiter, wenn die Primärparasitenlarve (und der Sekundärwirt) nahezu ausgewachsen ist. Sie wird dann binnen etwa 2 Wochen leergefressen und die Verpuppung erfolgt innerhalb des Kokons des Sekundärwirtes. Neben der artenreichen Gattung Mesochorus, von welcher die kleineren Arten häufig aus Apanteles-Kokons gezogen werden können, ist noch die Gattung Astiphromma zu nennen, die sekundär bei Symphyten und Lepidopteren schmarotzt. Aus dem Rahmen fallen die großen, Ophion-artigen Cidaphus-Arten, die, ähnlich wie ihre Doppelgänger, auch eine nächtliche Lebensweise haben.


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Last modified: 12.03.02