Weibchen von Lathrostizus lugens auf Pontania

Fam.: Campopleginae

[ Hymenoptera , »Parasitica« , Ichneumonidea , Ichneumonidae ]

© J.-P. Kopelke



Diese früher als Porizontinae bezeichnete und mit den Ophioninae s. l. verwandte Unterfamilie ist vor allem in den gemäßigten Klimazonen der Erde und also auch bei uns sehr artenreich vertreten und durch die Existenz zahlreicher nahe verwandter Arten und Gattungen taxonomisch eine schwierige Gruppe. Dies gilt beispielsweise für die Trennung der Großgattungen Diadegma, Horogenes und Olesicampe, die durch Übergänge miteinander verbunden sind. Dementsprechend ist auch die Unterteilung in derzeit 4 Triben, davon 3 in Europa, noch provisorisch, um so mehr als die tropischen Arten noch wenig bekannt sind.

Auch biologisch sind die Campopleginae relativ einheitlich, handelt es sich doch in der Regel um koinobionte Endoparasiten von holometabolen Insektenlarven, wobei vor allem Lepidopterenraupen als Wirte im Vordergrund stehen. Häufig werden auch die Afterraupen von Blattwespen (durch Olesicampe spp.) befallen, auch gallenbildende (durch Lathrostizus) sowie minierende Tenthrediniden (durch Dolophron spp.). Andere Gattungen (Bathyplectes bzw. Lemophagus) parasitieren die Larven von Rüsselkäfern bzw. Blattkäfern, Rhimphoctona spp. auch holzbohrende Coleopteren (Cerambycidae). Die Nemeritis-Arten sind hingegen auf Kamelhalsfliegen (Raphidiidae) eingenischt. Die Wirtsspezifität entspricht meist einer Monophagie bis Oligophagie, polyphage Arten scheinen seltener zu sein. Die in Blattwespen schmarotzenden Olesicampe-Arten sind oft extrem wirtsspezifisch und können als Altlarven anhand des Kopfskelettes besser differenziert werden als im adulten Stadium.

Die Tribus der Hellwigiini ist nur durch 3 Hellwigia-Arten in Europa verteten, deren Biologie aber unbekannt ist. Artenreicher sind die Campopleginae mit Gattungen wie Sinophorus, Campoplex, Venturia und Horogenes (= Casinaria), die überwiegend Microlepidopteren, vor allem versteckt lebende Wirte in Blattrollen, Knospen, Minen oder in Larvensäcken befallen; die Horogenes-Arten hingegen parasitieren freilebende Macrolepidopteren. Die Mehrzahl der Vertreter dieser Unterfamilie wird in die Tribus der Porizontini gestellt, die sich aber nur unbefriedigend von den Campoplegini abgrenzen läßt. Wichtige Gattungen sind Campoletis (vor allem in Noctuiden), Dusona (in Geometriden) Phobocampe, Hyposoter (in freilebenden Macrolepidopteren) sowie Diadegma (vorwiegend in Microlepidopteren). Hierher gehören auch die schon vorher erwähnten, nicht bei Lepidopteren schmarotzenden Gattungen. Bekannt ist auch Venturia canescens, ein synanthroper, in Speichern häufiger Parasit der Mehlmotte und ein viel benutztes Laborinsekt.

In den meisten Fällen werden schon die Junglarven angestochen und Superparasitierungen vermieden. Die Larvalentwicklung erfolgt jedoch vielfach erst nach einer Diapausephase im Erstlarvenstadium, d. h., wenn der Wirt sich zur Verpuppung anschickt. Eine Reihe von Campopleginen töten den Wirt aber frühzeitig ab und die Parasitenlarven verlassen bereits die halberwachsenen moribunden Wirtslarven, um sich in deren Nähe einen oft arttypischen tönnchenförmigen, teilweise weiß geringelten Kokon zu spinnen, der an Braconiden-Kokons erinnert. Manche dieser Kokons (z. B. von Bathyplectes- und Phobocampe-Arten) sind sprungfähig und können 2 - 3 cm hoch hüpfen. Dies geschieht dann, wenn sich die eingerollte Larve innen blitzschnell streckt, aber diese Phase währt nur bis die Verpuppung des Parasiten beginnt. Das Sprungvermögen begünstigt das Eindringen der Kokons in feuchtere, geschützte Bodenspalten und dient möglicherweise auch dem Ausweichen vor Hyperparasiten, die am Blatt fixierte Schlupfwespen- und Brackwespen-Kokons in hohem Maße heimsuchen können. Auch die Junglarven der Campopleginae (z. B. von Olesicampe) leiden oft sehr stark unter Hyperparasitierung durch Vertreter der verwandten Unterfamilie der Mesochorinae.
Die Entwicklung der Parasiten ist in der Regel eng mit jener der Wirte synchronisiert, wobei univoltine Entwicklung dominiert. Die Überwinterung erfolgt häufig in jüngeren Larvenstadien im Wirt oder als Präpuppe im Kokon.


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Last modified: 12.03.02