U.-Fam.: Rogadinae

[ Hymenoptera , »Parasitica« , Ichneumonidea , Braconidae ]


Die in Abgrenzung und Umfang noch unbestimmten Rogadinae sind von erheblichem Interesse, weil in dieser Familie innerhalb der Braconidae offenbar der Übergang vom Ekto- zum Endoparasitismus stattgefunden hat und sich die damit verbundenen biologischen Umstellungen teilweise gut verfolgen lassen. Von den beiden wichtigsten Triben, den Exothecini (teilweise als eigene Unterfamilie angesehen) und den Rogadini, beinhaltet erstere nur Ekto-, letztere nur Endoparasiten.

Damit geht auch eine Verlagerung des Wirtskreises einher. Ursprüngliche Exothecini, wie beispielsweise Colastes braconius, sind polyphage, solitäre Ektoparasiten von älteren Larvenstadien minierender Insekten, vor allem von Kleinschmetterlingen, Minierfliegen, Rüsselkäfern und Blattwespen. Die Wirtslarven werden vorübergehend paralysiert, ausgesogen und der Parasit verpuppt sich dann in der Mine. Andere Exothecini (z. B. Shawiana, Xenarcha) leben als Ektoparasiten nur bei minierenden Blattwespen aus der Gruppe der Fenusini - Heterarthrini oder (z. B. Onchophanes) als Gregärparasiten von Altlarven von Tortriciden und Gelechiiden. Die angestochenen Wirtslarven bleiben permanent paralysiert.

Primitive Rogadini (z.B. Clinocentrus spp.) sind ebenfalls Parasiten von Wicklern und ihren Verwandten. Das Ei wird aber, nach temporärer Paralyse der Wirtslarve, direkt unter die Haut derselben eingeschoben und die Entwicklung erfolgt daher endoparasitisch. Höher entwickelte Rogadini (z. B. Rogas spp.) befallen überwiegend die Larven von Großschmetterlingen, besonders Eulen- und Spannerraupen. Es werden bereits jüngere Larvenstadien angegriffen, kurz paralysiert und das Ei in das Haemocoel versenkt. Nach rascher Larvalentwicklung wird der Wirt oft schon in mittleren Larvenstadien mumifiziert und der Parasit verpuppt sich in der Wirtsmumie.

Es läßt sich also feststellen, daß im Zuge der Evolution der Rogadinae eine ökologische und möglicherweise auch eine phylogenetische Wirtskreiserweiterung stattgefunden hat. Während ursprüngliche Formen als idiobionte Ektoparasiten überwiegend auf kleine, versteckt lebende, besonders minierende Wirte aus den ebenfalls relativ ursprünglichen Wirtsfamilien der "Kleinschmetterlinge", Blattwespen etc. beschränkt bleiben, sind abgeleitete Formen zum koinobionten Endoparasitismus in größeren, freilebenden Raupen höher entwickelter Wirtsgruppen ("Großschmetterlinge") übergegangen. Gleichzeitig wurde die Entwicklung der Parasiten auf jüngere Wirtsstadien "vorverlegt", was als "Ausweichen" gegenüber dem Immunsystem des Wirtes bzw. als Konkurrenzvorteil bei Multiparasitismus gedeutet werden könnte.


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Last modified: 22.04.00