U.-Fam.: Opiinae

[ Hymenoptera , »Parasitica« , Ichneumonidea , Braconidae ]


Verbreitung

Diese artenreiche, wirtschaftlich wichtige Unterfamilie der Braconidae ist weltweit mit über 1300 Arten vertreten, von denen etwa ein Viertel in der paläarktischen Region vorkommen. Bei uns dominiert die Groß-Gattung Opius, die allein etwa 80 % aller einheimischen Opiinen-Arten umfaßt. Systematisch und biologisch steht die Unterfamilie den Alysiinae nahe; beide sind auf Dipteren-Larven als Wirte spezialisiert und dürften von den Rogadinen abzuleiten sein. Morphologisch sind die Opiinae offenbar ursprünglicher gebaut als die Alysiinae. Vor allem fehlen ihnen die exodonten Mandibeln; auffällig ist auch das kurze, ovale Abdomen.


Wirtskreis

Der Wirtskreis der Opiinae umfaßt, wie erwähnt, nahezu ausschließlich Dipteren und hier speziell Minierfliegen der Familie Agromyzidae, wo Vertreter der Gattung Opius (zusammen mit solchen der Alysiinae-Dacnusini) zu den dominanten Larvalparasiten gehören. Häufig befallen werden auch minierende und andere phytophage Anthomyiidae, vor allem unsere schädlichen Pegomya- und Delia-Arten (Rübenfliege, Kohlfliege, Zwiebelfliege). Hier fungieren speziell Biosteres-Arten, aber auch Vertreter der Gattungen Opius und Diachasma als Hauptparasiten. Eine weitere typische Wirtsgruppe sind die Tephritidae, von denen aber nur minierende (z.B. Selleriefliege) oder im weichen Fruchtfleisch fressende Arten (Kirschenfliege, Olivenfliege) angenommen werden, während in Blütenköpfen, Gallen oder in Pflanzenstengeln lebende Bohrfliegen den Opiinen offenbar nicht zugänglich sind, so daß deren Wirtskreis hier ökologisch eingeengt erscheint. Vor den Drosophiliden, Ephydriden und Scathophagiden werden ebenfalls nur einige pflanzenminierende Vertreter befallen. Einzelnachweise betreffen Gallmücken, Phoridae, Lonchaeidae und Psilidae und von den höheren Dipteren vereinzelte Muscidae, Calliphoridae und Tachinidae, doch bedürfen manche Angaben der Überprüfung. Das gilt auch für die Zuchten von Opiinen aus endophagen Coleopteren (Bock-, Borken- und Rüsselkäfer), sowie aus verschiedenen Familien der Kleinschmetterlinge. In der Regel scheinen die meisten Opius-Arten weniger streng spezialisiert zu sein als viele Alysiinen-Arten.

Vermutlich sind alle Opiinen primäre, solitäre Endoparasiten, jedoch variiert die Belegung der Wirtsstadien. Einige Arten, z. B. O. oophilus, stechen schon die Eier der Bohrfliegen an, entwickeln sich dann als Ei-Larvenparasiten und schlüpfen, wie alle Opiinen, aus deren Puparien. In der Regel werden jedoch erst die Larven der Wirte befallen, teilweise bereits im Junglarvenstadium, während andere Arten erst halberwachsene oder fast ausgewachsene Wirtsstadien angreifen. Die Eizahlen liegen im Bereich von etwa 80 - 250 Eier und die Eiablage kann sich über 2 Wochen oder länger hinziehen; einige Arten dürften eine längere, 1 - 2 wöchige Präovipositionsperiode benötigen. Superparasitierungen scheinen nicht selten zu sein. Die Eier der Opiinen sind langoval bis dünn-gurkenförmig und häufig an einem oder beiden Enden zugespitzt. Die Embryonalentwicklung wird in wärmeren Ländern oft in 4 - 5 Tagen durchlaufen.


Entwicklung

Die frisch geschlüpften Junglarven tragen eine kräftige sklerotisierte Kopfkapsel mit ebensolchen Mandibeln und meistens 1 Paar stummelförmiger Anhänge dorsal am 1. Abdominalsegment sowie einen kurzen, manchmal gegabelten Schwanz. Die gebogenen, spitzen Mandibeln dienen der aggressiven innerartlichen und zwischenartlichen Konkurrenz bei Mehrfachparasitierungen. Die folgenden 3 Larvenstadien sind, wie üblich, weniger differenziert, mit reduzierten Mandibeln und von mehr sackartiger Gestalt. Die Weiterentwicklung der Erstlarve ist hormonell mit der Wirtsentwicklung gekoppelt und erfolgt in der Regel erst, wenn sich die ausgewachsene Fliegenmade zum Puparium umformt. Frühe Wirtsstadien angreifende Opius-Arten können daher längere Zeit im L1-Stadium diapausieren. Dann aber geht die Larvalentwicklung rasch von statten und die Präpuppe des Wirtes wird alsbald leergefressen. Später angreifende Parasitenarten können somit ihre Larvalentwicklung in wenigen Wochen (in den Tropen 2 - 3) durchlaufen.

Die Generationsdauer des Schmarotzers richtet sich in der Regel nach jener des Wirtes, so daß bei uns, je nach Wirt, eine uni - oder plurivoltine Entwicklung vorliegen kann. Manche Tephritiden überliegen und in solchen Fällen ist dann auch die larvale Diapause von Opius auf 2 oder 3 Jahre verlängert. Das Puppenstadium des Parasitoiden ist meist nur von kurzer Dauer und wird in 1 - 2 Wochen in einem dünnseidigen, dem Wirtspuparium innen anliegendem Kokon durchlaufen. Häufig erfolgt die Verpuppung erst nach der Überwinterung als Jung- oder Altlarve (Präpuppe) in der Wirtslarve oder im leergefressenen Wirtspuparium.


Anwendungen in der Biocontrol

Da es unter den Opiinen zahlreiche Parasiten von Kulturschädlingen gibt, sind etliche Arten zur biologischen Bekämpfung ihrer Wirte eingesetzt worden. Herausragend ist vor allem das Beispiel der Bekämpfung der eingeschleppten Mittelmeer-Fruchtfliege (Ceratitis capitata) und verschiedener Dacus-Arten auf Hawaii und andernorts durch die Einfuhr mehrerer Opius-Arten sowie die biologische Bekämpfung der Olivenfliege (Dacus oleae) in verschiedenen Ländern des Mittelmeergebiets durch O. concolor. Bei uns sind in erster Linie verschiedene Biosteres- und Opius-Arten der Rübenfliege (Pegomya hyoscymi) von wirtschaftlicher Bedeutung, während die Opiinen der Rhagoletis-Arten (Kirschenfliege, Hagebuttenfliege) nur selten hohe Parasitierungsraten erreichen.


Parasitoide-Online

Last modified: 22.04.00