U.-Fam.: Microgasterinae

[ Hymenoptera , »Parasitica« , Ichneumonidea , Braconidae ]


Dies ist bei weitem die artenreichste Unterfamilie der Braconidae, in der weltweit bisher über 2500 Arten beschrieben wurden. Etwa 1/10 davon sind auf den Britischen Inseln nachgewiesen. Allein die frühere Großgattung Apanteles umfaßt insgesamt um 1300 Arten und auch die Gattungen Microgaster und Microplitis sind ausgesprochen formenreich. Morphologisch auffallend sind das oft deutlich reduzierte Flügelgeäder sowie die Position der Stigmen auf dem Petiolus, die auf dessen schwach sklerotisierten Pleura-Teil verlagert sind.

Biologisch sind die Microgasterinen recht einheitlich und hoch entwickelt. Es handelt sich überwiegend um solitäre, häufig auch gregäre Endoparasiten (und typische Koinobionten) von Schmetterlingslarven der verschiedensten Familien und sie zählen mit zu den wichtigsten Parasitoiden dieser Insektengruppe. In den meisten Fällen liegt Monophagie oder Oligophagie vor, während polyphage Arten selten sind. Ältere Literaturangaben über angeblich polyphage Arten sind nur beschränkt zutreffend, da in dieser artenreichen, systematisch schwierigen Unterfamilie zahlreiche Fehlbestimmungen vorgekommen sind. Vertreter der Gattung Microplitis parasitieren meist Noctuiden, z. T. aber auch andere Macrolepidopteren, selten jedoch Tagfalter. Eine Ausnahme macht M. plutellae als Parasit der Kohlschabe. Es kommen sowohl solitäre als auch gregäre Arten vor. Auch die Protomicroplitis-Arten sind Macrolepidopteren-Parasiten, z. B. P. connexus beim Goldafter, P. alvearius und P. minute bei verschiedenen Spannerraupen. Demgegenüber treten die Microgaster-Arten fast nur bei versteckt lebenden Microlepidopteren auf, in der Regel als univoltine Solitärparasiten. M. crassicornis befällt jedoch Blütenspanner und M. subcompletus, eine gregäre Art, die Raupen des Admirals.

Apanteles s. l. ist bei weitem die umfangreichste Gattung der Brackwespen. Sie wurde neuerdings in eine Reihe von Gattungen aufgespalten von denen bei uns Dolichogenidea, Pholetesor, Apanteles, Glyptapanteles und vor allem Cotesia (ca 1/3 aller heimischen Arten) die wichtigsten sind. Im Folgenden wird noch die Großgattung Apanteles s. l. benutzt, da die Zugehörigkeit der einzelnen Arten zu den neuen Gattungen nur teilweise geklärt ist.

Am bekanntesten ist A. glomeratus, dessen zahlreiche gelbliche Kokons auf abgetöteten Kohlweißlings-Raupen zumindest den Gartenliebhabern bekannt sein dürften. Gregäre Arten sind vor allem bei Großschmetterlingen häufig, doch werden selbst sehr große Raupen auch von streng solitären Arten befallen (z. B. A. melanoscelus beim Schwammspinner). Solitäre Apanteles-Arten dominieren bei den Microlepidopteren, wobei vor allem mehr versteckt lebende Wirte in Minen, Blattrollen etc. parasitiert werden.

In der Regel werden bereits die Junglarven der Wirte von den Microgasterinen befallen. Gregäre Arten legen entweder die Eier in einem Schub ab oder einzeln nacheinander, wobei sie die Wirtslarve mehrfach anstechen. Einige wenige Arten scheinen Ei-Larvenparasiten zu sein. Die Larvalentwicklung erfolgt endoparasitisch, aber gelegentlich (z. B. bei Lissogaster-Arten) scheint eine abschließende ektoparasitische Phase vorhanden zu sein. Typisch ist, daß der Wirt bereits im Larvenstadium abgetötet wird und dieses dann verläßt, um sich neben den Wirtsresten den Kokon zu spinnen. Nicht selten werden schon jüngere oder halberwachsene Wirtsraupen von Macro-Lepidopteren von den Parasitoiden verlassen. Die Wirtslarven werden bei der Kokonbildung der Schmarotzer am Blatt festgesponnen und können obwohl moribund, noch einige Zeit weiter vegetieren, ohne jedoch noch Nahrung aufzunehmen. Dies ist z. B. bei A. melanoscelus der Fall, der sich in den jüngeren Schwammspinnerlarven entwickelt, diese nur teilweise ausfrißt, mit seinem Kokon festspinnt und nach dem Schlüpfen der Imagines noch eine 2. Generation in den Altlarven des gleichen Wirtes durchläuft. Bei Microlepidopteren als Wirte wird hingegen oft erst die ausgewachsene Raupe verzehrt und vollständig ausgefressen.

Die Larvalentwicklung verläuft oft parallel mit jener des Wirtes, so daß Arten, die in univoltinen Wirten parasitieren, eine lange Kokondiapause, oder in überwinternden Wirtslarven, eine Diapause im Junglarvenstadium durchlaufen. Wie erwähnt, können aber auch 2 Generationen des Parasiten, auf ein und derselben Wirtsgeneration gebildet werden. Daneben gibt es zahlreiche plurivoltine Arten, die entweder den Generationen ihrer Wirte folgen, oder einen obligatorischen Wirtswechsel durchmachen. Microgaster alebion überwintert beispielsweise in Platyptilia gonodactyla an Huflattich, während im Sommer verschiedene Microlepidopteren an Brennesseln befallen werden.

Gelegentlich tritt bei den Adulten und/oder bei den Kokons ein Saisondimorphismus auf. Die Kokons sind oft recht typisch, sowohl was ihre Anzahl und Anordnung pro totem Wirt als auch ihre Form und Farbe betrifft. Neben weißen und gelben Kokons kommen auch rosarote oder orangefarbene Kokons vor. Kokons in Blattminen werden oft wie eine Hängematte befestigt; vereinzelt werden auch Kokons an einem Faden aufgehängt, z. B. von A. formosus, eines Parasiten von Spannerraupen. Gregäre Arten formen ihre Kokons meist haufenweise an; teilweise bedecken sie sie noch mit einer zusätzlichen Gespinsthülle oder spinnen sie bienenwabenartig aneinander.

Die Junglarven der Microgasterinen gehören dem vesiculaten Larventyp an.


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Last modified: 20/02/01