U.-Fam.: Cheloninae

[ Hymenoptera , »Parasitica« , Ichneumonidea , Braconidae ]


Diese artenreiche, weltweit verbreitete Unterfamilie ist auf den Britischen Inseln mit über 40 Arten vertreten. Sie sind leicht kenntlich, da sie ein auffälliges, anscheinend aus einem Stück geformtes, kräftig gepanzertes Abdomen besitzen, was durch die Fusion der ersten 3 Tergite bewirkt wird. Viele Arten weisen außerdem dicht behaarte Augen auf. Ein ähnlich einheitliches Abdomen besitzen nur noch die Vertreter der Gattung Triaspis, die aber aufgrund des unterschiedlichen Flügelgeäders und der Biologie (Käferparasiten) zu den Helconinae gestellt wird.

Biologisch handelt es sich um typische, koinobionte Endoparasiten von Lepidopteren; jedoch sind die Cheloninen durchweg solitäre Ei-Larvenparasiten, wodurch sie sich auch biologisch von vielen anderen Brackwespen abheben. Ascogaster- und Phanerotoma-Arten schmarotzen in erster Linie bei Microlepidopteren, speziell bei Tortriciden, Gelechiiden, Pyraliden und dergleichen. Dies gilt auch für die Microchelonus-Arten, während die Chelonus-Arten teilweise auch bei Macrolepidopteren (Noctuiden) vertreten sind. Das Ei wird in das noch wenig entwickelte Wirtsei abgelegt (möglicherweise als Schutz gegen Abkapselung) und dann entweder von sich entwickelnden Wirtsembryo umschlossen (z. B. bei Chelonus) oder die winzige, frisch geschlüpfte Parasitoidenlarve wandert in den Wirtsembryo ein (z. B. bei Ascogaster). Die Larvalentwicklung des Schmarotzers erfolgt zunächst verzögert, so daß die Wirtslarve erst kurz vor der Verpuppung abgetötet wird. Manche Cheloninen-Arten verlassen als erwachsene Larven zumindest teilweise den Wirt und durchlaufen anschließend noch eine kurze ektoparasitische Phase, bevor sie sich zur Verpuppung anschicken. Diese erfolgt in einem Kokon innerhalb des Wirtskokons bzw. der Verpuppungshöhle des Wirtes. In einigen Fällen induziert die Chelonus-Larve einen vorzeitigen Übergang zur Puppenphase der befallenen Eulenraupe, die dann schon im vorletzten Larvenstadium mit der Einleitung der Verpuppung beginnt.

Die Junglarven der Cheloninen gehören dem mandibulaten Typ an und besitzen einen kurzen Schwanzanhang, der sich im Zuge der Larvalentwicklung zu einer Analblase umformt. Diese wird bei den Altlarven wieder reduziert, d. h. in den Körper eingezogen.

Eine Reihe von Cheloninen-Arten spielen in der biologischen Schädlingsbekämpfung eine wichtige Rolle, z. B. Chelonus annulipes als Parasit des Maiszünslers oder Ascogaster quadridentata als Gegenspieler des Apfelwicklers und verwandter Obstschädlinge.


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Last modified: 22.04.00