U.-Fam.: Alysiinae

[ Hymenoptera , »Parasitica« , Ichneumonidea , Braconidae ]


Verbreitung + Merkmale

Diese sehr artenreiche, weltweit verbreitete Unterfamilie ist auf den Britischen Inseln mit über 200 Arten vertreten, die sich auf die beiden Triben der Alysiini und der Dacnusini verteilen. Beide Gruppen werden aufgrund der nach außen abgespreizten Mandibeln zu den sogenannten "exodonten" Braconiden gestellt. Die stark gezähnten Mandibeln sind verdreht, so daß die Außenseite zur Innenseite wird; wenn sie geschlossen werden, berühren sie sich nicht.


Wirtskreis

Biologisch sind die mit den Opiinae verwandten Alysiinae recht einheitlich, handelt es sich doch ebenfalls ausschließlich um koinobionte Endoparasiten der Larven von cyclorrhaphen Dipteren, wobei die Dacnusini ganz überwiegend auf Minierfliegen (Agromyzidae) spezialisiert sind, während die Alysiini einen breiteren Wirtskreis besitzen, der etwa 25 verschiedene Fliegenfamilien umfaßt.

Die Wirtsspezifität ist vor allem bei den Dacnusini hoch entwickelt. Beispielsweise befällt Chorebus gracilis nur die Möhrenfliege, Psila rosae, während jeweils eine Dacnusa-Art in den beiden minierenden Drosophiliden Scaptomyza graminum bzw. S. apicalis schmarotzt. Auch einige Chloropiden und minierende Scathophagiden besitzen spezifische Dacnusini-Parasiten, ebenso die in Wasserpflanzen minierenden Hydrellia-Arten (Ephydridae). Sowohl ökologisch als auch phylogenetisch spezialisiert sind auch die zahlreichen Agromyziden-Parasiten. Symphya-Arten befallen beispielsweise nur Kambium-Minierer, während zwei Artengruppen der Gattung Chorebus nur stengelbewohnende Minierfliegen parasitieren. Ebenso weisen die an Gräsern und anderen Monocotyledonen minierenden Agromyziden typische Parasitoide ( z. B. die Gattungen Protodacnusa und Laotris auf. Großgattungen, wie Coelinius, Chorebus, Dacnusa und Exotela sind überwiegend mit "typischen" Minierfliegen (Agromyza, Phytomyza, Liriomyza etc.) vergesellschaftet.

Bei den Alysiini liegt ebenfalls oft Monophagie oder Oligophagie vor, doch scheint es auch häufiger polyphage Arten zu geben. Vertreter der Gattung Alysia parasitieren überwiegend aasbewohnende Dipteren (Schmeißfliegen und Verwandte), Asobara spp. leben oft in Drosophiliden, Aspilota spp. in Phoriden, Alloea in Lonchopteriden und die Phaenocarpa-Arten überwiegend in Anthomyiden und Scatophagiden, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch Hyperparasitismus bei Tachiniden kommt vor.


Biologie

Die Eiablage erfolgt in der Regel in die Wirtslarven, wobei manche Arten Junglarven, andere Altlarven bevorzugen, während einige Arten wenig wählerisch zu sein scheinen. In Einzelfällen kann schon das Fliegenei angestochen werden. Die Larvalentwicklung verläuft bei den Dacnusini solitär, bei den Alysiini kommen jedoch in der Gattung Aphaereta auch gregäre Arten vor. Meist setzt die Entwicklung erst ein, wenn die Fliege bereits das Puparium bildet und die Präpuppe des Wirtes wird dann leergefressen. Insgesamt werden offenbar 3 (angeblich auch 4) Larvenstadien durchlaufen.

Aphaereta minuta ist ein häufiger Parasit von Strandfliegen der Meeresküste (Fucellia, Coelopa; Parasitierungsraten bis 50 %), schmarotzt aber im Binnenland in Calliphoriden und Anthomyiiden. Meist werden 2 - 4 Eier je Wirt abgelegt, in ältere Wirtslarven auch mehr. Superparasitierung durch mehrere Weibchen kommt vor. Der Wirt wird kurzzeitig paralysiert. Die jungen Parasitoidenlarven schlüpfen erst 1 - 3 Tage nach der Pupariumbildung des Wirtes und entwickeln sich zunächst in einem Trophamnion, spätere Stadien frei im Wirt. Die Verpuppung erfolgt im Tönnchen der Fliege. Die Gesamtentwicklung dauert bei 20°C etwa 3 - 4 Wochen. Die ausschlüpfenden Imagines sind in der Körpergröße recht variabel, je nachdem, wie viele Tiere sich im Wirt entwickeln konnten. Ihre exodonten Mandibeln dienen zur Befreiung aus dem Tönnchen, aber auch, um sich aus dem Sand heraus zu graben. Häufig finden Geschwisterpaarungen statt, da die Männchen sofort die ausschlüpfenden Weibchen zu begatten versuchen.


Larven

Die Junglarven der Alysiinae besitzen teilweise beborstete Rumpfanhänge und eine große Kopfkapsel mit gut entwickelten Mandibeln; bei anderen Arten (z. B. Aphaereta) fehlen die Fortsätze und Kopf und Mandibeln erscheinen reduziert. Die Altlarven sind vom hymenopteriformen Typ.


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Last modified: 22.04.00