- Die Blattlauswespen sind eine
relativ artenreiche Gruppe überwiegend in der Holarktis
verbreiteter, hochspezialisierter Schmarotzer, die heute zu
unseren am besten untersuchten Parasitoiden zählen. Auf
Grund ihres stark biegsamen Abdomens wurden sie früher
auch als Flexiliventres bezeichnet. Die beiden auf dem Petiolus
folgenden Segmente sind durch eine dehnbare Membran
gegeneinander beweglich, so daß der Hinterleib weit unter
den Thorax nach vorne gebogen werden kann. Das Flügelgeäder
ist mehr oder weniger stark reduziert, zeigt aber noch das
Grundschema der Braconidae. Auch die Larven nehmen durch die
langen, röhrenförmigen Stigmen, die einfachen
Mandibeln und durch die scheibenförmigen Antennen eine
Sonderstellung ein, so daß man die Aphidiidae meist
in eine eigene, mit den Braconiden
eng verwandte Familie stellt. Andere Autoren betrachten sie nur
als eine Subfamilie der Brackwespen.
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Biologisch sind die Aphidiidae streng
definiert: alle Arten sind solitäre Endoparasiten von
Blattläusen (Aphidoidea), die sich teilweise parallel mit
ihren Wirtsgruppen entwickelt haben. Ansonsten sind nur noch
Aphelinidae (Erzwespen) als Primärparasiten von Aphiden
bekannt, jedoch weder Ichneumoniden noch Braconiden.
Innerhalb
der Aphidiidae lassen sich (auch larvalmorphologisch) 4
Unterfamilien unterscheiden: die primitiven, zu den Braconiden
überleitenden Trioxinae (mit Trioxys und
Monoctenus als dominierende Gattungen), die Ephedrinae
(mit Ephedrus und Toxares als Hauptvertreter),
die Prainae (speziell Gattung Praon) und die
hochentwickelten, artenreichen Aphidiinae (mit der
Großgattung Aphidius, sowie Lysiphlebus,
Diaeretiella etc.). Daneben gibt es eine Reihe
kleinerer, oft hochspezialisierter Gattungen, z.B. Pauesia
(Aphidiinae), deren Arten in Koniferen-Läusen der Familie
Lachnidae schmarotzen oder die Paralipsis-Arten
(Aphidiinae), die bei wurzelbewohnenden Aphiden parasitieren.
Die meisten Aphidiidae sind mehr oder minder oligophag, doch
gibt es zahlreiche spezifische sowie etliche relativ polyphage
Arten. Das Wirtsspektrum wird neben der phylogenetischen
Verwandtschaft der Wirte häufig auch von ökologischen
Faktoren, vor allem vom Wirtshabitat, beeinflußt.
Die
Imagines ernähren sich von Honigtau (kein host-feeding)
und können mehrere Wochen überleben. Die Begattung
erfolgt kurz nach dem Schlüpfen. Das
Geschlechterverhältnis ist häufig zugunsten der
Weibchen verschoben, lokal kommt auch Thelytokie vor. Hat ein
Weibchen eine Blattlauskolonie gefunden, wobei möglicherweise
die von den Aphiden ausgehende Infrarotstrahlung durch die
Antennensensillen perzipiert wird, so nähert es sich einer
Laus, biegt das Abdomen zwischen den Beinen hindurch weit nach
vorne und sticht rasch zu. Meist wird nur ein, sehr kleines,
zitronenförmiges Ei (etwa 0,1 mm lang) in jüngere
oder auch ältere Blattlausstadien abgelegt, jedoch ist bei
manchen Arten Superparasitierung (mit bis zu 10 oder mehr Eiern
je Wirt) nicht selten. Andere Arten können eine solche
intra-spezifische Konkurrenz weitgehend vermeiden. Überzählige
Konkurrenten werden auf physiologischem Wege ausgeschaltet, so
daß nur ein Parasit je Wirt überlebt. Die Fertilität
der Weibchen liegt je nach Art zwischen 100 - 300 Eiern.
Die
Blattläuse führen oft Abwehrbewegungen gegenüber
angreifenden Parasiten aus, indem sie mit den Hinterbeinen
"ausschlagen" und die Angreifer zu vertreiben
versuchen. Auch kommen Fluchtreaktionen vor, die durch ein aus
den Siphonen abgegebenes "Alarmpheromon" ausgelöst
werden. Dabei fallen viele Blattläuse zu Boden, wo sie
verenden. Parasitierte Wirtslarven sind gelegentlich in der
Lage, die Wirtseier einzukapseln. Andererseits kann durch die
Parasiten eine Kastration der Wirte verursacht werden, vor
allem, wenn schon Jungläuse angestochen wurden, die
bereits vor Erreichen des Imaginalstadiums mumifiziert werden.
Erfolgt der Angriff auf ältere Blattläuse, so können
diese oft noch das Adultenstadium erreichen und sogar noch eine
reduzierte Nachkommenschaft produzieren.
Die
Parasitenlarven schlüpfen nach wenigen Tagen aus dem Ei;
dabei wandeln sich die Zellen der Embryonalhülle in fett-,
protein- und glykogenreiche "Riesenzellen" um. Die
beiden ersten Larvenstadien leben hauptsächlich von der
Körperflüssigkeit, das dritte Stadium nimmt den
Inhalt der Riesenzellen auf und das vierte frißt den Wirt
dann völlig leer. Hierauf wird in der leergefressenen
Blattlaus ein Kokon gesponnen, der zusammen mit der
aufgetriebenen, erhärteten Blattlaushülle die an der
Wirtspflanze vorher fest fixierte "Mumie" bildet. Die
Vertreter der Prainae verlassen die tote Laus ventral
und spinnen den Kokon als "Sockel" direkt unterhalb
der leeren Wirtshaut; die Mumien stehen dann wie auf einem
Podest auf dem Blatt.
Im Kokon entwickeln sich Präpuppe
und Puppe; die ausschlüpfende Imago beißt in die
Oberseite ein rundes Loch, dessen Deckel meist an der
Blattlaus-Mumie hängen bleibt. Die Lage und Größe
dieses Schlupfloches ist für bestimmte Aphidiiden-Gruppen
typisch. Die Gesamtentwicklungsdauer vom Ei bis zur Imago
schwankt zwischen 2 und 4 Wochen. Die meisten Aphidiiden
erzeugen mehrere Generationen im Jahr. Selbst in unseren
Breiten können beispielsweise bei Diaeretiella rapae,
einem Parasiten der Kohlblattlaus, bis zu 5 Generationen
jährlich gebildet werden. Die Überwinterung erfolgt
normalerweise als Diapause im letzten Larven- oder im
Präpuppenstadium innerhalb der Wirtsmumie.
Die
Blattlaus-Wespen leiden oft in hohem Maße unter
Hyperparasitierung durch Erzwespen (Pteromalidae - vor allem
Asaphes vulgaris), Zehrwespen (Megaspilidae -
Dendrocerus spp.) und parasitische Gallwespen (vor allem
Alloxysta spp.), wodurch die Wirksamkeit der Aphiididae
als Primärparasiten erheblich eingeschränkt werden
kann. Etliche Arten sind erfolgreich in der biologischen
Schädlings-Bekämpfung eingesetzt worden, z. B. in
Kalifornien Trioxys complanatus und Praon exsoletum
palitans gegen die gefleckte Luzernelaus Therioaphis
trifolii.
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