Fam. Figitidae

[ Hymenoptera , Cynipoidea ]


Die Figitidae stellen eine heterogene Gruppe dar, die den Eucoilidae nahe stehen dürfte; es fehlt ihnen jedoch die napfartige Erhebung am Schildchen. Auch biologisch gibt es gewisse Parallelen, schmarotzen doch die meisten Figitiden ebenfalls in Dipteren-Larven.


Merkmale

Figitiden sind stets geflügelt. Der Gaster der Männchen ist meist nur wenig seitlich zusammengedrückt; beim Weibchen ist in der Regel der 3. Gastertergit (seltener der zweite) am größten. Der Thorax ist häufig zumindest teilweise skulpturiert und manchmal ist die Scutellumspitze mit einem Dorn besetzt. Die Zahl der Fühlerglieder beträgt 13 beim Weibchen und 14 beim Männchen.


Systematik

In Europa kommen 3 der 4 Unterfamilien vor, von denen die Figitinae mit weltweit etwa 125 Arten relativ häufig sind. Auf den Britischen Inseln sind 14 Arten dieser Subfamilie nachgewiesen. Die Aspicerinae (gelegentlich zu den Figitinae gezählt) sind ebenfalls weit verbreitet. In Großbritannien kommen nur 3 Arten vor, in ganz Europa jedoch vermutlich an die 50. Die Anacharitinae, biologisch als Parasiten von Neuropteren (Hemerobiidae) gekennzeichnet, sind in Europa mit rund 20 Arten vertreten, von denen 8 auf den Britischen Inseln nachgewiesen sind. Manche Autoren billigen den Anacharitinae Familienrang zu.


Biologie

Über die Biologie der Figitidae wissen wird vergleichsweise wenig.

Figitinae

Die Figitinae schmarotzen als solitäre Endoparasiten in den Larven höherer, meist saprophager Fliegen (Sarcophagidae, Calliphoridae, Muscidae, Anthomyiidae). Des öfteren scheinen auch phytophage (Hylemyia-, Pegohylemyia-Arten) bzw. räuberische Dipterenlarven (Syrphidae, Chamaemyidae) befallen zu werden. Bisher sind nur Figites anthomyiarum und Sarothrus areolatus näher studiert worden. Die Eier von F. anthomyiarum werden in jüngere, aasbewohnende Dipterenlarven abgelegt, wobei der Aasgeruch als Anlockung dient. Beim Anstich werden die Wirtslarven vorübergehend paralysiert. Die Eier sind etwa 0,2 mm lang und an einem Ende lang gestielt. Die Junglarven gehören dem eucoilidiformen Larventyp an, d.h. sie tragen paarige, thoracale Anhänge. Im 2. Larvenstadium wird die Segmentzahl von 13 auf 11 reduziert, wobei 10 Segmente reduzierte Anhänge tragen (polypodeiformer Larventyp). Das letzte, 3. Larvenstadium weist 12 Segmente auf. Im Sommer wird eine Generation in etwa 60 Tagen durchlaufen, wovon etwa 3 Wochen auf das Puppenstadium entfallen; die Wintergeneration ist durch die Überwinterung im Wirtspuparium entsprechend verlängert. S. areolatus ist ein häufiger, solitärer Parasit der Salatsamenfliege Pegohylemyia gnava sowie der verwandten P. sonchi in den Blütenköpfen von Gänsedisteln. Er befällt die Altlarven von P. sonchi, wobei Superparasitierung bis zu 7 Eier je Wirt auftreten kann. Die gestielten Eier schwellen stark an und entwickeln sich in einem Trophamnion. Die Junglarven schlüpfen erst nach der Pupariumbildung der Fliegen im Herbst. Die Larvalentwicklung wird in 3 - 4 Wochen abgeschlossen; dabei verläßt das letzte Larvenstadium den Wirt und frißt dessen Puppe von außen auf, um dann als Präpuppe zu überwintern. Die Gallwespe ist gut mit der univoltinen Entwicklung der Blumenfliege synchronisiert.

Aspicerinae

Über die Biologie der Aspicerinae ist noch weniger bekannt. Sie scheinen bevorzugt in den Larven und Puparien von aphidophagen Syrphiden zu schmarotzen. Unsere häufigste Art, Callaspidia defonscolombei, wurde aus verschiedenen Schwebfliegen (Syrphus, Sphaerosphoria, Melanostomma, Platycheirus etc.) gezogen. Die Eier werden in das Cerebralganglion der Altlarven abgelegt und es wurden in der Zucht nur Weibchen erhalten (thelytoke Parthenogenese). Im Jahr traten 2-3 Generationen auf.

Anacharitinae

Wenig erforscht ist auch die Lebensweise der Anacharitinae. Sicher ist, daß Hemerobiiden-Larven die Hauptwirte darstellen, möglicherweise auch Chrysopidae. Offenbar können alle Larvenstadien der Hemerobiidae befallen werden. Es handelt sich um solitäre Endoparasiten, deren Altlarven dorsal paarige Protuberanzen am 2. bis 9. Abdominalsegment und kräftige, 3-zähnige Mandibeln aufweisen. Wenn die Wirtslarve ihren Kokon spinnt, bohrt sich die Parasitenlarve aus, verzehrt deren Reste von außen und verpuppt sich im Wirtskokon. Bei uns dominieren die Anacharis-, Aegilips- und Xyalaspis-Arten, welche aus verschiedenen Hemerobius- und Wesmaelius-Wirten gezogen wurden. Gelegentlich werden Anacharitinen aus alten Eichengallen erhalten, welche von bestimmten Hemerobiiden-Larven (z.B. Sympherobius pygmaeus) zur Verpuppung aufgesucht werden. Zumindest einige Arten scheinen plurivoltin zu sein und als diapausierende Larven im Wirt zu überwintern.


Figitidae


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Last modified: 13.03.02