Fam. Bethylidae

[ Hymenoptera , Aculeata , Chrysidoidea ]


Die an ihrem ameisenartigen Habitus (prognather Kopf, Weibchen oft, manchmal beide Geschlechter kurzflügelig oder flügellos, Körper meist einfarbig schwarz) kenntlichen Bethyliden sind überwiegend Bewohner wärmerer Gebiete, vor allem der Tropen. Sie schmarotzen als primäre Ektoparasiten an versteckt lebenden Coleopteren- und Lepidopteren-Larven in Blattrollen, Bohrgängen und ähnlichen Microhabitaten. Unsere mitteleuropäische Bethyliden-Fauna ist relativ artenarm. Von den britischen Inseln sind 20 Arten bekannt; davon leben aber 7 eingeschleppte Arten als Parasiten von Vorratsschädlingen im synanthropen Bereich (Lagerhäuser, Vorratsspeicher) und nur 13 Arten im Freiland. Im Mediterrangebiet steigt die Artenzahl an, doch steht eine Bearbeitung der europäischen Fauna, im Gegensatz zu jener Nordamerikas, noch aus. Weltweit kommen etwa 2000 Arten in 4 Subfamilien vor, von den 3 (Bethylinae, Epyrinae, Pristocerinae) bei und vertreten sind.

Unsere einheimischen Arten aus den Gattungen Epyris, Laelius, Cephalonomia etc. schmarotzen bei Käferlarven, z. B. bei den in Baumpilzen (Porlingen) lebenden Vertretern der Cisiidae und ökologisch verwandter Wirte. Die synanthropen Arten parasitieren bei Tenebrioniden, Dermestiden, Anobiiden, Ptiniden, Cucujiden, Bostrychiden, darunter bei einer Reihe von bekannten Schädlingen wie Mehlkäfer, Brotkäfer, Diebskäfer, Museumskäfer usw. In solchen Situationen kann es zu Massenauftreten von Bethyliden kommen. Die Wirte einer myrmekophilen Art (Pseudisobrachium subcyaneum) sind nicht bekannt. Die Vertreter der Gattungen Goniozus und Bethylus und deren Verwandte sind Parasiten von Kleinschmetterlingen; im Freiland vor allem von Tortriciden (z. B. Traubenwickler), Gelechiiden oder Pyraliden. In Lagerhallen können von den synanthropen Arten Dörrobstmotten und ähnliche Mikrolepidopteren befallen werden. In außereuropäischen Ländern wurden Bethyliden auch von anderen holzbohrenden Coleopteren, z. B. von Bockkäfer- und Borkenkäferlarven gezogen sowie von verschiedenen Microlepidopterenlarven mit versteckter Lebensweise (stengel- und fruchtbohrende Arten, Minierer etc.).

Die vermittelnde Stellung der Bethylidae zwischen den Hymenoptera parasitica und den höheren Aculeaten kommt auch in ihrer Lebensweise zum Ausdruck. Die Weibchen mancher Arten zeigen Brutpflege und Anklänge an ein soziales Verhalten. Bei subsozial lebenden Arten beißen die proterandrischen Männchen die Kokons der schlupfbereiten Weibchen auf und begatten sie, so daß "sib-mating" die Regel ist. Jungfräuliche Weibchen können einem Wirt mit einem haploiden Ei versehen, um dann zu warten, bis das Männchen sich entwickelt hat. Mit diesem begatten sie sich dann, um anschließend sowohl haploide wie diploide Eier auf dasselbe Wirtsindividuum abzulegen, sofern dieses noch genug Nahrung bietet. Die Weibchen sind of kleiner als ihre Wirte und paralysieren sie durch zahlreiche Stiche und Bisse, ernähren sich auch von ihnen durch "host-feeding" und transportieren freiliegende Wirtslarven häufig in günstige Verstecke, ein Verhalten, das an Grabwespen erinnert. Bethyliden-Stiche sind auch für den Menschen schmerzhaft. Die Eier werden einzeln oder bei gregären Arten zu mehreren, manchmal in Reihen, außen an den reglosen oder bereits toten Wirt gelegt. Die Larvalentwicklung erfolgt ektoparasitisch, wobei die Eier und Larven von Brutpflege betreibenden gregären Arten über kürzere oder längere Zeit vom Weibchen bewacht und beleckt werden, offenbar um konkurrierende Parasitoide und Hyperparasiten sowie Pilzbefall abzuwehren. Nach der zwei bis mehrere Wochen und zwei Stadien umfassenden Larvalperiode wird fast immer ein Puppenkokon gesponnen, in dem auch die Überwinterung erfolgen kann oder es überwintern die adulten Tiere. Bei uns scheinen je nach Klimaverhältnissen 1 - 2 Generationen pro Jahr aufzutreten. Adulte werden aktiv von April bis Oktober angetroffen, doch liegt die Hauptflugzeit der meisten Arten im Hochsommer.


Literatur

  • Gordh, G. (1990): A catalog of the world Bethylidae. Mem. Amer. Ent. Inst., 46, 364 pp.


P-Online

Last modified: Mar. 25, 2000