Perilampidae

[ Hymenoptera , Chalcidoidea ]


Merkmale

Diese kosmopolitisch in etwa 200 Arten verbreitete Familie ist in Großbritannien mit 9 und in Mitteleuropa mit über 20 Arten vertreten. Ihre systematische Stellung ist noch unklar, denn einerseits bestehen Beziehungen zwischen den Eucharitidae und der Unterfamilie Perilampinae, andererseits zwischen den Chrysolampinae und den Pteromalidae. Es handelt sich um robust gebaute, 1 - 5 mm große erzfarbene Wespen mit auffällig retikulierten und konvexem Thorax und oft deutlich gestieltem Abdomen, dessen 1. Gastertergit weitgehend mit dem 2. verschmolzen sein kann und dann dorsal den ganzen Hinterleib bedeckt. Die Fühler sind 13gliedrig (incl. Anellus) und der Legebohrer kurz oder versteckt.

Mit Rücksicht auf die unklaren Verwandschaftsverhältnisse scheint es geboten, die beiden Subfamilien getrennt zu besprechen.


Perilampinae

Bei uns dominieren Vertreter der Gattung Perilampus, die sich überwiegend als obligatorische, seltener als fakultative Hyperparasiten vor allem von Tachiniden sowie Ichneumoniden und Braconiden entwickeln, teilweise aber auch als echte Primärparasiten fungieren können.

Ähnlich wie bei den
Eucharitidae erfolgt die Wirtsfindung durch ein Planidium-Stadium, d. h. durch die bewegliche, gepanzerte Erstlarve. Die Blüten und Honigtau besuchenden Imagines legen ihre ovalen, kurzgestielten Eier (bis zu 500 Stück) oberflächlich oder in das Pflanzengewebe eingebettet auf die Futterpflanzen des Wirtes und es bleibt dann den Junglarven überlassen, Kontakt mit dem Wirt zu finden und sich an ihm anzuheften oder sich in ihm einzubohren. Das Planidium ist durch 12 gepanzerte Platten sowie durch ein Paar langer Cerci am 12. Segment gekennzeichnet, während das 13. Segment in einen Saugnapf ausgezogen ist. Die sklerotisierten Bänder können am Hinterrand stark bedornt sein, wodurch die Beweglichkeit der Junglarven erhöht wird. Handelt es sich um eine primärparasitische Art, so heftet sich das Planidium an jegliches ihm nahekommende Larvenstadium des Wirtes an und wartet nun dessen Kokonbildung ab, bevor es sich ektoparasitisch weiter entwickelt. Handelt es sich um eine hyperparasitisch lebende Art, so bohrt sich das Planidium zunächst in die Raupe des Primärwirtes (meist Lepidopterenraupen oder Afterraupen von Blattwespen) ein. Hierauf sucht die Junglarve von Perilampus früher oder später eine Tachinen- oder Schlupfwespenlarve auf und bohrt sich nun in diese ein, um dann zunächst in dessen Haemocoel abzuwarten. Wenn der Primärparasit nach Abschluß seiner Larvalentwicklung den Wirt verlassen sollte, wie dies Raupenfliegen und Schlupfwespen häufig tun, so ist durch das Einbohren sichergestellt, daß die Junglarve des Hyperparasiten Kontakt zum Wirt halten kann. Sie verläßt dann nach Abschluß der Larvalperiode des Primärparasiten ihren eigentlichen Wirt und beginnt sich nun ektoparasitisch in dessen Puparium oder Kokon zu entwickeln; schon nach etwa 2 Wochen wird der Primärparasit aufgefressen. Die Entwicklung umfaßt offenbar 3 oder 4 Larvenstadien, von denen die L2 und L3 relativ unspezialisiert erscheinen, während die Altlarve bei manchen Arten durch seitliche Thorakalfortsätze gekennzeichnet ist. Bleibt eine von einem Planidium besetzte Raupe oder Afterraupe unparasitiert, so stirbt das hyperparasitische Perilampus-Planidium ab, wenn die Raupe des Primärwirtes sich zu verpuppen beginnt. Unsere häufigste Art, P. tristis, schmarotzt in und an den Ichneumoniden und Braconiden des Apfelwicklers, des Kieferntriebwicklers und ähnlicher Kleinschmetterlinge. P. ruficornis ist ein Hyperparasit von Tachiniden und Braconiden (Rogas, Meteorus), die ebenfalls in Lepidopteren schmarotzen. P. polypori und P. cephalotes befallen verschiedene Nemeritis-Arten (Ichneumonidae), die sich ihrerseits endoparasitisch in den Larven von Kamelhalsfliegen der Gattung Raphidia entwickeln. Die Perilampus-Imagines schlüpfen erst aus den Puparien oder Kokons der Primärparasiten.

Andere Perilampinae sind echte Primärparasiten, die aber ihre Wirtslarven ebenfalls über ein Planidium-Stadium aufsuchen. Dies gilt beispielsweise für P. aeneus, welcher aus den Kokons der Blattwespengattung Athalia gezogen wurde. P. laevifrons befällt Chrysopiden-Larven bzw. entwickelt sich in deren Kokons. Eine nordamerikanische Art legt ihre 200 - 500 Eier in die Nähe von Chrysopa-Eiern ab, oft sogar an deren Eistiel. Die bis zu 3 Wochen lebensfähigen Planidien heften sich an die jungen Florfliegenlarven an und vermögen auch deren Häutungen zu überstehen. Erst nach der Kokonbildung des Wirtes beginnt das Planidium mit seiner Weiterentwicklung, die innerhalb von 1 - 2 Wochen abgeschlossen ist.

Perilampinae sind in der Regel Solitärparasiten mit einer hohen, die riskante Lebensweise kompensierenden Fruchtbarkeit, die eine oder mehrere Generationen im Jahr durchlaufen können, je nachdem wie lange sie als Planidium auf einen geeigneten Wirt und auf den Abschluß ihrer Larvalentwicklung "warten" müssen. Die Überwinterung scheint teilweise als Puppe oder Imago im Wirtskokon bzw. Wirtstönnchen zu erfolgen. Überwintert der Primärwirt im jüngeren Larvenstadium, wie z.B. der Kieferntriebwickler, so überdauert Perilampus als Planidium im Wirt die kalte Jahreszeit, um erst im Frühjahr seine Entwicklung aufzunehmen.


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Last modified: 12.03.02