Eurytomidae

[ Hymenoptera , Chalcidoidea ]


Die weit verbreitete, artenreiche (weltweit über 1100 Arten) Familie der Eurytomidae ist von relativ einheitlicher Struktur; biologisch jedoch vereinigt sie recht unterschiedliche Lebensformentypen. Auffallend ist vor allem der hohe Anteil rein phytophager Formen, die entweder Samenfresser oder Gallbildner sind. Einige Arten leben von "gemischter Kost", in dem sie zunächst als Parasitoide zoophag sind, um später ihre Larvalentwicklung als Phytophage zu beenden. Die Mehrzahl der Eurytomidae umfaßt parasitoide Formen, die in ihrer Gesamtheit jedoch einen recht heterogenen Wirtskreis aufweisen und auch bezüglich ihrer Entwicklung als Endo-, Ekto- oder Hyperparasiten stark variieren.
In Großbritannien sind etwa 90 Arten vertreten, in Mitteleuropa dürfte aber die Artenzahl deutlich über 100 ansteigen. Typisch für die Eurytomidae sind das stark entwickelte, quadratisch-rechteckige Pronotum, die meist schwarze, nicht metallische Färbung, wobei der Thorax in der Regel grob skulpturiert erscheint und die nur wenig vergrößerten Hintercoxen. Der Hinterleib der Männchen ist langgestielt (Weibchen mit kurzgestieltem, ovalem Hinterleib) und ihre Antennen sind wirtelig behaart.

Systematik

Die systematische Untergliederung ist noch umstritten. Hier werden noch 4 biologisch unterschiedliche Subfamilien angenommen, doch werden neuerdings nur 2 Unterfamilien für Europa geführt (Rileyinae und Eurytominae), wozu noch die exotischen Heimbrinae kommen. Vermutlich waren die ursprünglichen Eurytomidae typische Parasitoide, möglicherweise sogar Endoparasiten von Gallinsekten, die später teilweise zum Ektoparasitismus und zur Phytophagie übergegangen sind. Der recht heterogene Wirtskreis der Eurytomidae läßt sich am besten an Hand der Unterfamilien abhandeln.

Rileyinae

Die Rileyinae sind teilweise Raubparasiten in den Eigelegen von Heuschrecken, Grillen und Singzikaden, teils Parasiten von Gallmücken. Im südlichen Europa kommen nur 2 Archirileya-Arten vor, von denen A. inopinata als Eiräuber in der 1. Generation aus Singzikaden-Eigelegen und in der 2. Generation aus den Gelegen des Weinhähnchens gezüchtet wurde. Die erwachsenen Larven fressen ein ganzes Gelege leer und bohren sich durch den Stengel zur nächsten Eikammer durch.

Tetramesinae (= Harmolitinae)

Die Tetramesinae (= Harmolitinae) sind durchwegs phytophag. Die zahlreichen Vertreter der Gattung Tetramesa, mit etwa 30 heimischen Arten, leben solitär oder gregär in den Stengeln und Ähren von Gramineen (Festuca, Agrophyron, Elymus usw.) und manche bilden typische, auffällige Gallen aus. Örtlich kann auch Getreide, vor allem Weizen, befallen werden. Die Systole-Arten leben in den Samen vom Umbelliferen, unter anderem auch im Kümmel und Koriander.

Sycophilinae (= Eudecatominae)

Die Sycophilinae (= Eudecatominae) sind teilweise typische Endoparasiten von Cynipiden an Eichen und Korbblütlern, seltener von Gallmücken oder gallenbildenden Eurytomiden (Tetramesa spp.). Es wird nur der Gallerreger selbst (nicht die Inquilinen oder andere Parasitoide) im jungen Larvenstadium angestochen; die Entwicklung des Parasitoiden vollzieht sich aber erst, wenn die Galle ausgewachsen ist. Sycophila-Arten leben vermutlich als Inquilinen bei Feigenwespen.

Eurytominae

Besonders variabel ist der Wirtskreis der Eurytominae. Die zoophagen Arten sind meist primäre, fakultativ oder obligatorisch sekundäre Ektoparasiten, seltener Endoparasiten von Gallwespen und Gallmücken. Einige Arten schmarotzen bei anderen Gallenerregern, z.B. bei gallenbildenden Blattwespen, Blattflöhen oder Bohrfliegen (Tephritidae). Bei letzteren, z.B. bei den in Distelblütenköpfen lebenden Arten, kommt häufig eine ekto- und eine endoparasitische Eurytoma-Art nebeneinander vor. Weitere Eurytoma-Arten wurden aus Borken-, Samen- und Rüsselkäfern, aus aculeaten Hymenopteren bzw. von Lepidopteren gezogen. Im letzteren Falle handelt es sich häufig um obligatorische Hyperparasiten von Ichneumoniden und Braconiden, seltener Tachiniden. Ipideurytoma-Arten sind typische Ektoparasiten holzbohrender Borkenkäfer aus der Xyleborus-Xyloterus-Gruppe.

Einige parasitoide Eurytoma-Arten sind fakultativ phytophag. Sie leben nur anfangs als Ektoparasitoide in Gallen, Stengeln oder Blütenköpfen. Wenn sie ihren Wirt - oft schon nach kurzer Zeit - aufgezehrt haben, gehen sie zum Fraß am Pflanzengewebe über, um ihre Larvalentwicklung zu vollenden. Daneben gibt es eine Reihe rein phytophager Eurytoma-Arten, die sich vor allem als Samenfresser (z. B. in den Steinfrüchten der Gattung Prunus oder in jenen von Wicken) entwickeln. Außereuropäische Eurytoma-Arten greifen auch andere Pflanzengewebe (z. B. die Knospen und Triebe von Orchideen oder das Mark junger Kiefernzweige) an. Auch die Arten der Untergattung Bruchophagus-Arten, mit etwa 10 mitteleuropäischen Vertretern, sind obligatorische Samenbewohner, besonders von Papilionaceen (Trifolium, Melilotus, Lotus, Medicago, Onobrychis) und einzelne Arten (z. B. E. gibba am Weißklee) können in Samenzuchtbetrieben unliebsame Ernteausfälle verursachen.

Die meisten Eurytomiden sind Solitärparasiten, einige leben gregär in Lepidopteren und eine orientalische Art entwickelt sich als Cleptoparasit in Schmetterlingskokons, die zuvor von einer Goldwespe parasitiert wurde, wobei zur Eiablage das Eingangsloch der Wespe benutzt wird.
Die Eier der Eurotomiden sind an einem Ende kurzgestielt, während sie am anderen Pol einen fadenförmigen Anhang tragen. Ektoparasiten besitzen oft kurz bestachelte Eier. Die Larven sind durchweg vom hymenopteriformen Typ; diejenigen der obligatorisch phytophagen Arten weisen eine auffallend schlanke Körperform auf. Univoltine Entwicklung dominiert zumindest in unseren Breiten und die Überwinterung erfolgt vielfach im Altlarven-Präpuppenstadium.


P-Online

Last modified: 12.03.02