Eupelmidae

[ Hymenoptera , Chalcidoidea ]


Verbreitung

Die Eupelmidae, obwohl weltweit verbreitet, sind eine relativ kleine Gruppe von Erzwespen mit ca. 750 Arten in 60 Gattungen. Die mitteleuropäische Fauna umfaßt etwa 30 - 50 Arten, wozu noch eine Reihe auf Südeuropa beschränkter Arten kommen. Die verwandtschaftlichen Beziehungen der Eupelmidae sind unklar, doch scheinen sie vor allem den Encyrtiden nahe zu stehen. Die südhemisphärischen Tanaostigmatidae werden heute in eine eigene Familie gestellt.


Merkmale

Typisch für die meisten Eupelmidae ist die Encyrtiden-artige, konvexe, glatte, ungeteilte Mesopleura. Das Mesoscutum ist häufig auffällig konkav, das Abdomen meist subsessil. Die Antennen sind beim Weibchen 11-13-gliedrig (mit einem Ringsegment), beim Männchen 9-gliedrig und gelegentlich verzweigt. Brachyptere Formen sind nicht selten. Bemerkenswert ist das Sprungvermögen der Eupelmidae, wobei, ähnlich wie bei den Encyrtiden, das mittlere Beinpaar zu Sprungbeinen mit einem verdickten Basitarsus und einem langen Tibiensporn umgebildet ist. Metallfarben dominieren, doch kommen auch gelbliche oder orangefarbene Arten vor.


Systematik

Die Eupelmiden werden neuerdings in 3 Unterfamilien unterteilt:


U.Fam.: Calosotinae


Die Calosotinae sind bei uns recht selten und beispielsweise auf den Britischen Inseln nur mit 4 Arten vertreten. Als Wirte fungieren hauptsächlich die Larven xylophager Coleopteren; so wurden Eusandalum-Arten aus Anobiiden, Bostrychiden, Buprestiden, Cerambyciden, Curculioniden, Lyctiden und Scolytiden gezogen, ebenso Calosota-Arten, mit Ausnahme von Calosota metallica, die als Primär- oder Sekundärparasit bei verschiedenen Wirten in Grasstengeln schmarotzt. Außereuropäische Calosota-Arten sind auch von einer Reihe anderer Insektenwirte bekannt.


U.Fam.: Metapelminae


Ebenfalls selten sind in Europa die Metapelminae, von denen nur Metapelma nobile bei uns häufiger gefunden wird. Auch sie scheinen xytophage Wirte wie Bostrychidae, Buprestidae, Cerambycidae und Curculionidae zu befallen.


U.Fam. Eupelminae


Artenreicher und individuenmäßig häufiger sind in Europa die Eupelminae und hier vor allem Eupelmus-Arten, speziell E. urozonus und Macroneura vesicularis. Der Wirtskreis dieser ektoparasitischen Arten ist ungewöhnlich breit, was auch darauf zurückzuführen ist, daß beide Arten sowohl als Primärparasiten wie auch als Hyperparasiten der Eier, Larven und Puppen verschiedener Insekten fungieren können. So wurde M. vesicularis vor allem aus Blattwespen-Kokons, Halmwespen und Halmfliegen, phytophagen Erzwespen, Gallmücken, Borken- und Samenkäfern und noch einer Reihe anderer Insekten gezogen. Ähnliches gilt für den extrem polyphagen E. urozonus, der wiederum versteckt lebende Wirte (Früchte- und Samenbewohner, Stengelbohrer, Gallinsekten, Minierer, Wickler, Borkenkäfer usw.) aus allen großen, holometabolen Ordnungen befällt. Andere Eupelminae sind spezifischer, z. B. Anastatus disparis, der vorzugsweise als Eiparasit des Schwammspinners und seiner Verwandten auftritt, während andere Anastatus-Arten auch aus Wanzen- und Orthopteren-Eiern geschlüpft sind. Auch die Eigelege von Spinnen können von Eupelmiden infiziert sein, die dann mehr als Eiräuber bzw. als Ektoparasiten fungieren. Recht divers ist auch der Wirtskreis der Eupelmus-Arten, wo neben den polyphagen E. urozonus, E. microzonus und E. atropurpureus relativ monophage Arten vorkommen, die speziell Gallmücken, Gallwespen etc. zu bevorzugen scheinen.


Biologie

In der Regel dominiert bei den Eupelmiden die solitäre, ektoparasitische Entwicklung, doch treten auch eine Reihe gregärer Arten auf, z. B. als Ektoparasiten von Dipteren- Puparien. Endoparasitische Formen finden sich speziell unter den Eiparasiten und auffällig ist auch, daß manche endoparasitisch lebende Primärparasiten als fakultative Hyperparasiten zur ektoparasitischen Lebensweise übergehen.

Die ovalen Eier der Eupelmiden sind häufig kurz- oder langgestielt und werden bei Ektoparasiten entweder mit dem Fortsatz am Wirt angeklebt oder in dessen Nähe abgelegt. Einige Arten bedecken ihre Eier mit einem feinen Gespinst. Die Junglarven zeichnen sich durch einen Gabelschwanz und mehrere Reihen ventraler Dornen aus, wozu noch eine dichte Körperbehaarung kommen kann, die besonders beim letzten Larvenstadium ausgeprägt ist. Die Überwinterung erfolgt meist im Puppen- oder letzten Larvenstadium. Es dominiert der einjährige Generationszyklus, nur selten treten 2 Bruten pro Jahr auf. Die Imagines vieler Arten betreiben ein "host feeding".

Von besonderem Interesse ist das Sprungvermögen der Eupelmidae, das durch eine spezielle Ausgestaltung der Sklerite und Muskeln des Mesothorax ermöglicht wird. Dieses von mehr als 100 Jahren entdeckte und als "back-rolling wonder" bezeichnete Verhalten ist auch dafür verantwortlich, daß im Tötungsglas abgetötete Eupelmiden sich häufig dorsal so stark kontrahieren, daß der nach oben gebogene Kopf und Hinterleib über den Thorax fast zusammenstossen. Solcherart gekrümmte Erzwespen können dann leicht als Eupelmidae angesprochen werden, wenn auch gelegentlich eine Verwechslung mit Encyrtiden möglich ist, bei denen aber die Körperbiegung nicht so ausgeprägt ist.


Literatur

  • Gibson, G.A.P. (1989): Phylogeny and Classification of Eupelmidae, with a revision ot the world genera of Calosotinae and Metapelminae (Hymenoptera: Chalcidoidea). Mem. Entomol.Soc.Can., 149: 121 pp.


P-Online

Last modified: 12.03.02