Eucharitidae

( Hymenoptera , Chalcidoidea )


Diese kleine Familie der Erzwespen dürfte mit den Perilampinae näher verwandt sein, doch wurde sie gelegentlich auch zu den Pteromaliden gestellt. Von den etwa 350 weltweit beschriebenen Arten kommen in Mitteleuropa nur Eucharis adscendens und Stilbula cynipiformis vor; im Mittelmeergebiet noch einige weitere Arten der Eucharis-Gruppe.

Es handelt sich um mittelgroße, etwa 5 mm lange, metallisch gefärbte Wespen von ziemlich bizarrem Aussehen. Der relativ kleine Kopf trägt 11-13gliedrige Fühler (bei exotischen Arten bis 26 Segmente) und lange, sichelförmige Mandibeln. Am buckelförmigen, stark skulpturierten Thorax wird das Pronotum vom Mesoscutum völlig überdacht und das Schildchen endet meistens in einem kräftigen, gegabelten Sporn. Recht auffallend sind auch der lange Petiolus und der gedrungene, seitlich zusammengedrückte Hinterleib, so daß die Körpergestalt insgesamt an Gallwespen (Cynipidae) erinnert.

Es werden 2 Unterfamilien unterschieden, die Eucharitinae und die Oraseminae. Soweit bekannt, scheinen alle Eucharitidae als Endo- oder Ektoparasiten der Larven und Puppen von Ameisen zu fungieren. Dabei dürften die Eucharitinae, zu denen auch unsere beiden Arten gehören, überwiegend bei Camponotus- und Formica-Arten schmarotzen, während Vertreter der Gattung Orasema speziell aus Pheidole- und Solenopsis-Arten gezogen wurden.

Die Weibchen legen jedoch ihre Eier in der Umgebung der Wirtsnester auf die Vegetation ab, wobei einzelne Parasitenarten ganz bestimmte Pflanzen und Pflanzenteile zu bevorzugen scheinen. So wurden die Eier von E. adscendens im Juni in Gruppen von 8 - 15 Stück in aufbrechende Blütenknospen der Sichelmöhre (Falcaria) in der Nähe von Formica rufa Nestern abgelegt. Stilbula montana benutzt hingegen Grasähren und andere Arten die jungen Blüten von Korbblütlern. In den Tropen wurden Eiablagen auf der Unterseite von Blättern oder in eigens angefertigte Blatteinschnitte beobachtet. Ganz ungewöhnlich ist das Eiablageverhalten einer malaysischen Psilogaster-Art, deren Eier ringförmig um das Ei einer Blasenfuß-Art verteilt werden, wobei sich die Erstlarven der Parasitoiden dann an den jungen Thrips anheften, als dieser den Eikordon passiert. Die weitere Entwicklung von Psilogaster ist aber nicht bekannt. Verbunden mit der eigenartigen Eiablage ist eine extrem hohe Eizahl, die mehrere Tausend Eier je Weibchen, im Maximum bis zu 15.000, betragen kann. Dabei sind bis zu 10.000 Eier innerhalb von 6 Stunden abgelegt worden.

Nach etwa 1 Woche schlüpfen die winzigen Junglarven, die ein typisches Planidium-Stadium darstellen. Der Körper trägt 12 sklerotisierte Segmentbänder, die seitlich meist bedornt sind, während das 13. Segment zu einem Sauglappen ausgezogen ist. Manche Arten besitzen ein larvales Sprungvermögen. Wie die Planidien Kontakt zu adulten Ameisen bekommen, ist noch unklar. Sicher ist, daß sie teils aktiv herumwandern, teils in aufrechter Stellung an bestimmten Plätzen länger verharren und sich an eine Arbeiterin anklammern, sobald sich Gelegenheit dazu bietet. So gelangen sie durch Phoresie mit ihrem Transportwirt in das Wirtsnest, wo sie Altlarven, vor allem aber Präpuppen der Ameisen aufsuchen, an oder in denen sie sich dann entwickeln können. Es liegen insgesamt offenbar 3 Larvenstadien vor, wobei die beiden letzten Stadien robust aber von normaler Form sind (Hypermetamorphose). Endoparasitische Arten dürften sich im Wirtskokon verpuppen, ektoparasitische vermutlich frei im Nest. Es tritt wahrscheinlich nur eine Generation im Jahr auf. Ob die ausschlüpfenden Parasiten-Imagines im Nest geduldet und sogar von den Ameisen gefüttert werden, ist noch strittig. Die Männchen schlüpfen vor den Weibchen und schwärmen dann häufig über der Nestkuppel, um auf die ausfliegenden Weibchen zu warten, mit denen sie dann sogleich kopulieren.

Eucharitiden gelten als selten, doch dürfte dies mit der kurzen Lebensdauer der Imagines (1 - 2 Wochen) mit ihrem lokalen Vorkommen im Bereich von Ameisenkolonien sowie mit ihrer noch wenig erforschten Lebensweise im Zusammenhang stehen.


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Last modified: 12.03.02