Chalcididae

[ Hymenoptera , Chalcidoidea ]


Verbreitung & Merkmale

Die Chalcididae repräsentieren mit insgesamt etwa 1500 Arten eine vor allem in wärmeren Gebieten stärker vertretene Gruppe ziemlich großer (3 - 9 mm langer) Erzwespen. Die Körperform ist gedrungen, die Körperoberfläche reich skulpturiert. Auffallend sind die oft extrem verdickten, meist gezähnten Hinterschenkel und die entsprechend gekrümmten Schienen der Hinterbeine. Von den ähnlich strukturierten Leucospidae sind die Chalcididae durch die normalen (nicht längsgefalteten) Vorderflügel, den kurzen, geraden Ovipositor und durch das Fehlen einer typischen Wespenzeichnung zu unterscheiden, wenn auch Teile des Körpers, vor allem der Beine, weiß, gelb oder rot gezeichnet sein können. In Europa sind etwa 70 meist seltene Arten vertreten, davon kommen aber nur 7 Arten auf den Britischen Inseln vor.

Biologie

Biologisch gesehen handelt es sich um eine heterogene Gruppe, die jedoch überwiegend als Primär- oder Sekundärparasiten der frischen Puppen oder Larven verschiedener holometaboler Insekten fungieren. Von den 4 Subfamilien kommen nur 3 in Europa vor.

Die mit 3 Arten im südlichen Europa vertretenen Dirhininae sind Parasiten von Dipteren-Puparien, vor allem von synanthropen Sarcophagiden, und Musciden sowie von Tephrididen. Über ihre Lebensweise ist wenig bekannt. Einige morphologische Konvergenzen in der Kopfform erinnern an die Diapriidae, die ebenfalls Puparien-Schmarotzer sind.

Die Chalcidinae (leicht am langgestreckten Abdomen kenntlich) sind in Europa durch 4 Arten vertreten. Chalcis myrifex befällt erwachsene Stratiomyiden-Larven und schlüpft aus deren Puparien. Die Parasitenweibchen suchen am Rande von Gewässern die Wasseroberfläche nach den mit ihren Hinterstigmen im Oberflächenhäutchen verankerten Wirtslarven ab, krallen sich an deren Atemhaaren fest und werden dabei vom Wirt unter Wasser gezogen, wo dann der eigentliche Anstich erfolgt. Hierauf läßt der Parasit sein Opfer los, um aufzutauchen und nach weiteren Wirten zu suchen. Andere Chalcis-Arten stechen bereits die Eier der Waffenfliegen auf den Wasserpflanzen an, entwickeln sich aber erst, wenn die Altlarven der Wirte das Wasser verlassen, um sich im Uferschlamm zu verpuppen. Die Stratiomydenlarve wird dann vom Endoparasiten rasch aufgezehrt und dieser verpuppt sich anschließend in der erhärteten Wirtshaut. Sphilochalcis xanthostigma ist ein Endoparasit von Blattwespen der Gattung Arge. Wir haben etliche Stücke aus der Berberitzen-Blattwespe (Arge berberidis) gezogen. Eine nordamerikanische Art wurde als Primär- und Hyperparasit zahlreicher Lepidopteren-Puppen registriert.

Die Haltichellinae sind die artenreichste Gruppe der Chalcididae. Von den etwa 50 europäischen Arten kommen um die 30 in Mitteleuropa, aber nur ein halbes Dutzend in Großbritannien vor; die meisten sind auf wärmere Gebiete beschränkt. Über ihre Biologie wissen wir wenig. Einige Arten sind Parasiten der Larven von Ameisenlöwen (Myrmeleonidae); eine Euchalcidia-Art schmarotzt in einem tropischen Samenkäfer (Bruchidae) und wird bei uns gelegentlich mit Senna-Schoten importiert. Hockeria- und Haltichella-Arten dürften Primär- und Sekundärparasiten von Lepidopteren-Puppen sein. Auch bei solitären Bienen (und Strepsipteren) sind Vertreter dieser Unterfamilie angetroffen worden.

Besser untersucht ist die in Europa durch ein Dutzend Arten repräsentierte Gattung Brachymeria. Ihre Vertreter schmarotzen überwiegend in Lepidopterenpuppen. Es sind solitäre Endoparasiten, die meist in frische Puppen ablegen, jedoch auch als Hyperparasiten von Tachinen fungieren können. Die Wirtswahl richtet sich mehr nach den Fraßorten der Wirte; manche Arten sind relativ polyphag. Einige Brachymeria-Arten leben in Dipteren-Tönnchen, z. B. von Sarcophagiden, und befallen angeblich schon deren Larven, die sich dann vorzeitig verpuppen. Auch aus Puppen von Schildkäfern (Cassida spp.) soll ein Vertreter dieser Gattung geschlüpft sein.

Die Eier der Chalcididae sind langoval und oft kurz gestielt. Die Junglarven gehören dem caudaten oder hymenopteriformen Typ an und sind oft stark mit Cuticulardornen besetzt. Ältere Larven sind mehr oder minder hymenopteriform. Die Verpuppung erfolgt meist in der Wirtspuppe; die Überwinterung entweder als erwachsene Larve im Wirt oder frei durch langlebige Weibchen.


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Last modified:12.03.02