Fam.: Agaonidae (Feigenwespen)

[ Hymenoptera , Chalcidoidea ]


Verbreitung & Merkmale

Diese eigenartige Familie der Erzwespen umfaßt derzeit über 600 Arten, die alle nur in den wärmeren Gebieten der Erde vorkommen und vermutlich ausschließlich an die etwa 900 Vertreter der Gattung Ficus gebunden sind. Es handelt sich um recht kleine (1 - 4 mm), morphologisch aberrante Formen von meist dorsoventral abgeflachter Gestalt und einem ausgeprägten Sexualdimorphismus. Die Weibchen sind geflügelt (können die Flügel aber beim Eindringen in die Feigen verlieren), während die Männchen stets flügellos sind. Der ungewöhnlich große, oft langgestreckte Kopf trägt kleine Facettenaugen; der Thorax ist ebenfalls meist flach und die Vorder- und Hinterfemora sind in der Regel stark geschwollen, im Gegensatz zu den normalen Femora des 2. Beinpaares. Am Abdomen fällt der lange Legebohrer auf.


Wirtskreis

Es wird angenommen, daß sich alle Angehörigen der Unterfamilien Agaoninae und Epichrysomallinae phytophag (als Samenfresser) in den Früchten von Feigen entwickeln und dabei als deren spezifizifische Bestäuber fungieren. Am bekanntesten ist die auch in Südeuropa heimische Blastophaga psenes, die als Bestäuber der eßbaren Feige (Ficus carica) von wirtschaftlichen Nutzen ist und auch anderwärts eingeführt wurde. Die enge Symbiose zwischen Feigenwespen der Gattungen Blastophaga, Ceratosolen usw. und ihren Wirtsfeigen ist in den entsprechenden Lehrbüchern ausführlich beschrieben und soll hier nicht weiter erörtert werden.

Agaoniden der übrigen Subfamilien scheinen zwar ebenfalls durchweg mit Feigen vergesellschaftet sein, entwickeln sich aber vermutlich außschließlich als Primär- und/oder Hypergapariten der echten Feigenwespen und haben wahrscheinlich keine Bestäuber-Funktion. Die meisten dieser parasitoiden Agaoniden dringen in die Früchte ein, um mit ihrem kurzen Legebohrer die Eier in befallene Samenlager abzulegen. Daneben gibt es auch einige Arten mit langem Ovipositor, welche durch das Fruchtfleisch anstechen, doch handelt es sich hierbei anscheinend meist um Vertreter der Familie Torymidae. Ob parasitische Agaonidae auch bei anderen Fruchtbewohnern (Rüsselkäfer etc.) schmarotzen, ist nicht bekannt. Manche Arten scheinen nur aggressive Inquilinen (Kleptoparasiten) zu sein, die sich vom Endosperm der Samen ernähren und die echten Feigenwespenlarven entweder nur indirekt ausschalten oder sie mitfressen. Da Vertreter der parasitoiden Gruppen in Europa offenbar fehlen und ihre Lebensweise nur in Einzelfällen näher bekannt ist, soll hier auf diese faszinierende Erzwespenfamilie nicht weiter eingegangen werden.

Die von einigen Autoren zu den Agaoniden gestellte Unterfamilie der Indarniinae wird vorerst noch bei den Torymidae angeführt, doch scheint es sich ebenfalls um Feigenwespen-Parasiten zu handeln.


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Last modified: 12.03.02