U.Ord.: Nematocera

[ Diptera ]


Die einzelnen Lebensformtypen bei den Nematoceren

In der primitiven Unterordnung der Nematocera (Mücken) dominiert der micro-saprophage, detritivore Lebensformentyp sowohl bei den Gruppen mit terrestrischen als auch bei jenen mit aquatischen Larven. Es haben sich aber auch zahlreiche andere Ernährungsweisen herausgebildet, z. B. primär mycetophage Arten (viele Pilzmücken und Verwandte), echte Phytophagen mit oder ohne Gallbildung (z. B. viele Gallmücken), typische Prädatoren (gewisse Culicidae, Cecidomyidae usw.), Blutsauger (nur im Imaginalstadium) usw..

Demgegenüber ist der parasitoide Lebensformentyp bei Nematoceren nur in Ausnahmefällen vertreten. Dies betrifft zunächst einige Gallmücken, die in verschiedenen Homopteren schmarotzen.


Parasitische Chironomidae (Zuckmücken)

Auch einige aquatische Zuckmücken scheinen mehr oder minder typische Parasitoide zu sein:

  • So wurde Symbiocladius equitans in Nordamerika auf den Nymphen einer Eintagsfliege der Gattung Rhitrogena angetroffen. Die Zuckmückenlarve saß quer am Übergang vom Thorax zum Abdomen des Wirtes unter dessen Flügelscheiden. Da die Larven von einem seidigen Gespinst voll umschlossen waren, können sie nur von den Ephemeropterenlarven ektoparasitisch Nahrung aufgenommen haben. Die Verpuppung erfolgte im Seidengespinst und die Puppe arbeitete sich kurz vor dem Schlüpfen zur Wasseroberfläche hoch.

  • Auch in Europa ist eine Symbiocladius-Art (S. rhitrogenae) als Ektoparasitoid von Eintagsfliegennymphen der Gattung Rhitrogena nachgewiesen worden. Nymphen von Ephemera danica können von Larven der Zuckmücke Epoiocladius flavens besetzt sein, doch dürfte es sich hier um einen Kommensalen handeln, der nur vom Futter des Wirtes profitiert, nicht aber dessen Körpersäfte saugt.

  • Ektoparasitische Beziehungen zwischen Chironomiden und Ephemeriden sind auch aus Australien bekannt geworden. Chironomus limnaei und einige Parachironomus-Arten (z.B. P. rarus) wurden in der Mantelhöhle von Wasserschnecken (Limnaea, Physa) angetroffen. Es wird angenommen, daß sich die Larven parasitoid ernährt haben, doch wurde beobachtet, daß sie teilweise microphag sein können, indem sie auch Diatomeen verzehrten. Eine Glyptodentipes-Art gilt als Schmarotzer an der Außenseite des Mantels der Teichmuschel Anodonta cygnea, doch ist die Ernährungsweise dieser Zuckmückenlarve nicht eindeutig geklärt.

  • Zwei Zuckmücken (Xenochironomus xenolabis und Demeijerea rufipes) wurde als Larven im Innern von Süßwasserschwämmen angetroffen. Sie ernähren sich wahrscheinlich unter anderem von den symbiotischen Chlorella-Algen ihrer Wirte.

  • Auch bei Bryozoen wurden Zuckmückenlarven (Parachironomus) beobachtet, die aber vermutlich als Kommensalen oder Prädatoren fungierten.


Ceratopogonidae (Gnitzen)

Im Gegensatz zu den genannten Chironomiden sind einige Ceratopogoniden (Gnitzen) nur im adulten Stadium mit Insekten vergesellschaftet. Offenbar handelt es sich dabei ausschließlich um Blutsauger und somit im zoologischen Sinne allenfalls um temporäre Parasiten, aber nicht um Parasitoide, da sie ihren Wirt nicht abtöten. Meistens sitzen die Mücken auf den Flügeln ihrer Wirtstiere und saugen Haemolymphe aus den Flügeladern. So wurden Forcipomyia- und Lasiohelea-Arten gelegentlich auf den Flügeln von Schnaken (Tipuliden) angetroffen. Andere Gnitzen-Arten wurden beim Blutsaugen auf Odonaten, Ephemeropteren, Plecopteren und Phasmiden sowie auf Lepidopterenraupen beobachtet. Zwei Atrichopogon-Arten sind in England auf Imagines von Meloe bzw. auf einer Oedemera-Art aufgetreten, wobei sie durch die Intersegmentalmembran der Käfer augenscheinlich Blut aufnahmen. Die meisten dieser Wechselbeziehungen sind aber noch unklar, weshalb im folgenden nur die parasitoiden Gallmücken näher besprochen werden sollen.


Cecidomyiidae(Gallmücken)


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Last modified: 04.03.02