U.Fam.: Tachininae

[ Diptera , Tachinidae ]


Diese artenreiche, früher als Echinomyiinae geführte Unterfamilie der Tachinen umfaßt ausschließlich ovolarvipare Vertreter. Die Eihülle ist dorsal und ventral dünn und läßt eine polygonale Gitterstruktur erkennen. Die Junglarve gehört in der Regel zum Planidium-Typ und wird meist in der Nähe des Wirtes, selten direkt auf diesen, abgelegt. Die erwachsenen Larven sind durch stark entwickelte Vorderstigmen ausgezeichnet, wobei jedoch die Stigmenhörnchen der Puppe - von Ausnahmen abgesehen - nicht aus der Pupariumwand hervorragen. Die Tachininae stellen morphologisch-systematisch und in ihrem Wirtsspektrum eine relativ heterogene Gruppe dar, welche in der Palaearktis gegenwärtig in 14 Triben untergliedert wird, wobei die Stellung einzelner Gruppen, z.B. der Siphonini, noch unsicher erscheint.


Die einzelnen Trieben der Tachininae

  • Die Tribus der Tachinini umfaßt zum Teil auffallend große Arten; in unserer Fauna speziell die schwarze, Hummel-ähnliche Tachina grossa als größte heimische Raupenfliege. Als reger Blütenbesucher mit verlängertem Rüssel trifft man die Tachina-Arten außer auf Umbelliferen auch an den schwerer zugänglichen Blüten von Disteln, Wasserminzen usw. T. grossa schmarotzt vor allem beim Brombeerspinner, wurde aber auch aus Lasiocampa-Arten gezogen. Besonders häufig sind die schwarz-rot gefärbten, kräftig beborsteten "Igelfliegen" T. fera und T. magnicornis, welche beide in Noctuidenraupen leben.

  • Die Nemoraeini sind bei uns nur durch Nemoraea pellucida vertreten, die verschiedene Nachtfalter parasitiert.

  • Unter den Linnaemyiini dominiert die Gattung Linnaemyia, deren Wirte überwiegend Noctuiden zu sein scheinen. Eine häufige Art ist Lypha dubia, ein regelmäßiger Parasit von Frostspannern, aber auch von Tortriciden. Ihre Männchen sammeln sich im Mai gerne an besonnten Baumstämmen zu kleinen Schwärmen, die ein lebhaftes Paarungsverhalten zeigen.

  • Eine artenreiche, biologisch diverse Gruppe stellen die Ernestiini dar. Ernestia rudis ist der wichtigste Feind der Kieferneule (Panolis flammea). Das Weibchen bringt bis zu 1000 Nachkommen hervor, die auf befallene Kiefernzweige abgelegt werden. Die Junglarven verbleiben in der zu einem Becher zusammengeschobenen Eihülle, wobei sie - senkrecht stehend - pendelnde Suchbewegungen ausführen und bis zu 11 Tagen am Leben bleiben können. Das Einbohren erfolgt auf der Bauchseite des Wirtes; die Entwicklung verläuft stets solitär. Auch die Eurithia-Arten leben in verschiedenen Nachtfalter-Wirten, während die Hyalurgus-Arten bisher ausschließlich aus Afterraupen von Blattwespen gezogen wurden. Cleonice callida schmarotzt in den Larven von Pappel-Blattkäfern (Melasoma spp.), die meist noch zur Verpuppung gelangen, bevor die Tachinen-Made erwachsen ist. Aus dem Rahmen fallen die Loewia-Arten sowie Eloceria delecta, welche vermutlich ausschließlich in Hundertfüßlern der Gattung Lithobius schmarotzen. Die Loewia-Larve entwickelt sich frei in der Leibeshöhle des Steinläufers, ohne respiratorische Verbindung zur Außenluft und verpuppt sich im Frühjahr in der leeren Haut des Chilopoden.

  • Die artenarmen Brachymeriini scheinen Parasiten von Blattwespen i.w.S. zu sein, z. B. Pseudopachystylum gonioides von Gespinstblattwespen (Pamphiliidae), während die wenigen Pelatachinini vor allem Tagfalter (Vanessa-Arten) bevorzugen.

  • Unter den Macquartiini mit der Gattung Macquartia findet man nur Parasiten von Chrysomeliden-Larven, wobei vor allem Vertreter der Gattung Chrysomela und nahe verwandte Gattungen befallen werden.

  • Die zu den Triarthrini gestellte Triathria setipennis ist ein wichtiger Schmarotzer des gemeinsamen Ohrwurms (Forficula auricularia), kommt aber auch beim Waldohrwurm vor.

  • Demgegenüber treffen wir die Neaerini ausschließlich bei verschiedenen Familien der Kleinschmetterlinge an, vor allem bei Tortriciden. Interessant ist Elfia zonella, da sie vor allem in Raupen, die in Baumschwärmen (Porlingen), im faulen Holz oder an Flechten leben, vorkommt.

  • Die artenreichen, systematisch abseits stehenden Siphonini haben eine sehr kurze Legeröhre und schmarotzen meist bei Lepidopterenraupen, doch sind einige Siphona-Arten regelmäßige Parasiten unserer Wiesenschnaken und anderer Tipulidenlarven. Je Wirt kommen 1 - 4 Larven meist in 2 Generationen pro Jahr zur Entwicklung. Die kleinen, aber mit einem langen, doppelt geknieten Rüssel versehenen Imagines besuchen vor allem Senecio-, Cirsium- und Ranunculus-Blüten. Die verwandten Ceranthia-Arten sind typische Spannerparasiten, während Vertreter der Gattung Actia versteckt lebende Kleinschmetterlinge bevorzugen.

  • Letzteres gilt auch für die durch ihre schlanke Körperform gekennzeichneten Leskiini, von denen die goldgelb bestäubte Leskia aurea auf holzbohrende Aegeriiden beschränkt erscheint, während andere Vertreter dieser Tribus (z. B. die häufigen Solieria spp.) wurzelbewohnende Microlepidopteren bevorzugen.

  • Über das Wirtsspektrum der artenarmen Minthoini weiß man noch wenig, doch scheint es dem der Leskiini zu ähneln.

  • Die Microphthalmini fallen biologisch aus dem Rahmen, schmarotzen sie doch in Engerlingen, speziell bei Melolontha und verwandten Gattungen, weshalb man sie früher zur Unterfamilie der Dexiinae gestellt hat. In ihren larvalen Merkmalen und im männlichen Genitalapparat schließen sie sich jedoch den Tachininae an. Microphthalma europaea bringt bis zu 4.000 Eier hervor. Die auf den Erdboden abgelegten Eilarven graben sich ein, um nach Engerlingen zu suchen, in welche sie dorsal eindringen. Es können sich bis zu 8 Tachinenlarven je Wirt entwickeln, die sich meist in der leeren Wirtshaut verpuppen. In wärmeren Gebieten kommen 2 Generationen pro Jahr zur Entwicklung.

  • Bei uns nur im Mediterrangebiet und auch dort nur mit einer Art vertreten sind schließlich die Ormiini, deren dämmerungs- und nachtaktive Imagines Grillen und in Nordamerika Maulwurfsgrillen befallen, wobei die Parasitenweibchen vom Gesang der Wirte angelockt werden.

  • In wärmeren, aussereuropäischen Gebieten kommen verschiedene, mit einander nicht verwandte Raupenfliegen als Parasiten von Stabheuschrecken, Gottesanbeterinnen, Grillen, Maulwurfsgrillen und Schaben vor. Dabei folgen manche Calodexia-Arten den Raubzügen tropischer Wanderameisen, um besser an die aufgescheuchten Blattarien heranzukommen. Aus dem Rahmen fällt auch Rondaniooestrus apivorus (Rondaniooestrini), die in Afrika in Honigbienen parasitiert.


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Last modified: 04.03.02