U.Fam.: Phasiinae

[ Diptera , Tachinidae ]


Die Phasiinen weisen als Imagines die größte morphologische Mannigfaltigkeit im Habitus auf. Neben Arten von normaler Tachinen-Tracht, gibt es solche mit schlankem Körperbau und verlängertem Abdomen (z. B. Cylindromyia), andere mit kugeligem, unbeborstetem Abdomen (z. B. Gymnosoma) und schließlich breit abgeplattete, wanzenartige, bunte und auffällige Formen (z. B. Phasia), die zu unseren attraktivsten Raupenfliegen zählen. Darunter finden sich auch Arten mit Bienen- oder Wespen-Mimikry. Biologisch sind die Phasiinae aber relativ einheitlich, schmarotzt doch die große Mehrheit der Arten bei Wanzen, vor allem bei Pentatomiden, Coreiden und Lygaeiden. Zusätzlich sind diese Arten durch primitive Oviparie charakterisiert. Eine Ausnahme machen vor allem die aberranten Strongygastrini mit ihrem ovolarviparen Fortpflanzungstyp und mit Ameisen (und angeblich Käfer) als Wirte. Möglicherweise gehören sie nicht zu den echten Phasiinen. In Mitteleuropa sind über 60 Arten vertreten, doch nimmt ihre Zahl nach Norden zu rasch ab, während im Mittelmeerraum und in den Steppenregionen Südosteuropas die Artenmannifgaltigkeit deutlich höher liegt.


Biologie & Beispiele

Die große Variabilität im Bauplan der Phasiinen hat zur Einteilung in zahlreiche Triben geführt, von denen bei uns die Phasiini, Leucostommatini und Cylindromyiini dominieren. Die Wirtsspezifität der einzelnen Arten entspricht einer Monophagie bis Oligophagie, doch gibt es einige Arten, wie die stattliche Ectophasia crassipennis oder die kugelige Gymnosoma rotundata, welche bei mehreren Wanzenfamilien schmarotzen, wenn auch bevorzugt bei Pentatomiden. Die unreifen, plankonvexen Eier werden häufig dorsal und seitlich auf das Abdomen des Wirtes unterhalb der Flügel abgelegt, doch können auch andere Körperregionen belegt werden. Bevorzugt befallen werden adulte Wanzen, teilweise auch ältere Nymphen, während Eiablagen auf jüngere Wirtsstadien zum Absterben von Wirt und Parasit führen können. Die ausschlüpfenden Junglarven bohren sich von der dünnen Ei-Unterseite in das Abdomen des Wirtes ein und bilden meist eine sekundäre Atemöffnung mit Trichter an einem Tracheenstamm. Die Parasitenlarven überwintern im Wirt und fressen im Frühjahr weiter, wobei die befallene Wanze kastriert oder abgetötet wird. Die erwachsene Made verläßt das Wirtsabdomen, um sich im Boden zum Puparium umzuformen. Beim Befall von Getreidewanzen (Eurygaster spp.) durch Ectophasia crassipennis ist beobachtet worden, daß parasitierte Weibchen noch eine geringe Zahl von Eiern ablegen konnten. In der Regel stirbt aber die Wanze spätestens einige Tage nachdem der Parasit ausgewandert ist. Meist kommt bei der nicht seltenen Superparasitierung größerer Schildwanzen nur ein Parasit je Wirt zur Entwicklung, doch sind gelegentlich 2 Fliegenmaden aus einem Wirtsindividuum ausgekrochen. Je nach Art und Klimaverhältnissen scheinen 1 - 2 Generationen pro Jahr aufzutreten. Einzelne Wanzenarten können von mehreren Phasiinen befallen werden. So wurden aus der Beerenwanze (Dolycorus baccarum) 10 bzw. aus Graphosoma italicum 6 verschiedene Wanzenfliegen gezogen.

Die Vertreter der Leucostomatini (z. B. Leucostoma, Weberia etc.) sowie der Cylindromyiini (z. B. Cylindromyia, Besseria, Phania), die in Nabiden, Pentatomiden und anderen Wanzen schmarotzen, besitzen im weiblichen Geschlecht einen Legestachel und zangenförmigen Halteapparat, doch ist über die Funktion dieser Organe und die Art der Eiablage Näheres nicht bekannt. Bei Cylindromyia und ihren Verwandten sind zudem die Eier durch ihre langgestreckte, spindelförmige Gestalt abweichend gebaut. Auch die zu den Phasiini zählende Elomyia lateralis, die aus verschiedenen Pentatomiden, Coreiden und Lygaeiden gezogen wurde, weicht in ihrer Fortpflanzungsbiologie deutlich ab. Das dünnhäutige, nicht abgeplattete und mit einem knopfförmigen Anhang versehene Ei wird mittels eines Legeschnabels zwischen die Thorakalsklerite des Wirtes (z.B. in die Falte zwischen Pro- und Mesothorax) eingeschoben.

Völlig aus dem Rahmen fällt, wie erwähnt, Strongygaster globula, die in den Weibchen von Lasius niger schmarotzt. Die im Abdomen der Ameise lebende Made bewirkt eine Atrophie der Ovarien, so daß die Königin keine Eier legen kann. Der Parasit verläßt den dann noch wochenlang weiterlebenden Wirt im Frühjahr und formt sein Puparium, welcher von den Ameisen wie die eigene Brut beschützt und beleckt wird. Die nach 3 - 4 Wochen schlüpfende Fliege sucht noch vor der Entfaltung der Flügel den Weg ins Freie. Exotische Vertreter der Strongygastrini werden aus adulten Dipteren (Tabaniden, Musciden) und Coleopteren (z. B. Cleridae) erhalten.


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Last modified: 04.03.02