Diplostichus janithrix

U.Fam.: Exoristinae (Goniinae)

[ Diptera , Tachinidae ]

© Klaus Hellrigl



Merkmale

Dies ist die artenreichste Unterfamilie der Tachinidae, morphologisch und biologisch recht heterogen, so daß sich eine klare Abgrenzung nicht durchführen läßt und die Zugehörigkeit mancher Gruppen zu dieser Subfamilie noch zu überprüfen bleibt. Viele Arten besitzen ein beborstetes Prosternum, aber dieses Merkmal tritt auch bei etlichen Tachininae auf. Die ursprünglichen Vertreter der Exoristinae (z. B. alle Exoristini und Winthemiini sowie einige Blondeliini) legen noch unreife Eier ab, sind als ovipar. Die Mehrzahl der Arten gehört jedoch dem ovolarviparen Typ an und eine dieser Gruppen, die Goniini, vermehren sich ausschließlich durch microtype Eier, ein apomorphes Merkmal, das auf eine monophyletische Entstehung dieser Tribus hinweist. Diese Arten sind durch ein rundliches Abdomen der Weibchen gekennzeichnet, daß durch die großen Eizahlen dieser Formen mitbedingt ist. Die einzelnen Triben lassen sich besser charakterisieren. So sind die Exoristini mit oviparer Fortpflanzung und primärer Atemöffnung überwiegend Parasiten von Schmetterlingsraupen und den Afterraupen von Blattwespen. Am artenreichsten ist die Gattung Exorista, welche sowohl polyphage Arten (z. B. E. larvarum auf vielen Großschmetterlingen) wie auch Spezialisten (z. B. E. rustica, nur auf Blattwespen der Krautschicht) umfaßt. Reine Blattwespenparasiten sind auch Diplostichus janithrix (nur bei Diprioniden) und Bessa selecta (relativ polyphag), während B. parallela Gespinstmotten und andere Kleinschmetterlinge bevorzugt. Parasetigena silvestris ist ein typischer Schmarotzer des Schwammspinners und der Nonne. Die Weibchen legen im Juni ihre 100 - 200 Eier (10 - 20 pro Tag) auf den Thorax der Wirtsraupen ab. Nach 3 - 8 Tagen schlüpfen die Junglarven (sofern die Eier nicht durch die Häutungen des Wirts abgestreift wurden) und bohren sich in die Wirtsraupe ein, wobei die Hinterstigmen im Einbohrloch verbleiben und alsbald ein Trichter gebildet wird. Bei Superparasitierung überlebt nur eine Larve. Nach etwa 3 Wochen Fraßzeit bohrt sich die erwachsene Schmarotzermade aus der Präpuppe oder Puppe des Wirtes aus, verpuppt sich im Boden und überwintert dort.

Diplostichus janithrix

Eier von Diplostichus janithrix auf Larven von Diprion pini



Diplostichus janithrix

Diplostichus janithrix - Eier




Tribus Blondeliini

Die Blondeliini umfassen ovipare und ovolarvipare Arten sowie solche mit besonders adaptierten Legeapparaten, teilweise als echte Legebohrer entwickelt. Auch der Wirtskreis ist sehr heterogen: Chrysomeliden-Larven (von Meigenia und Erynniopsis spp. befallen), Chrysomeliden-Imagines (von Medina und Perichaeta spp. parasitiert), Carabiden-Imagines (mit Paratrixa und Zaira als Schmarotzer), adulte Scarabaeidae, Blattwespenlarven, Schmetterlingsraupen, Tipuliden-Larven (von Admontia spp. befallen), etc.
Von besonderem Interesse sind Compsilura concinnata und Blondelia nigripes, die extrem polyphag sind und ihre Eier in die Raupen fast aller Großschmetterlingsfamilien, in verschiedene Mikrolepidopteren und in eine Reihe von Blattwespen-Afterraupen versenken. Während B. nigripes stark behaarte Raupen meidet, befällt C. concinnata auch solche und häufig auch Wirtsarten mit auffälliger Warnfärbung, wie beispielsweise die Ahorneule. Beide Arten sind plurivoltin. Demgegenüber ist die sehr nahe verwandte Blondelia piniariae ein spezifischer univoltiner Solitärparasit von Larven des Kiefernspanners, während B. inclusa bisher nur aus Diprioniden gezogen wurde.

Triben Acemyiini, Ethillini & Winthermiini

Artenarme Gruppen sind die oviparen Acemyiini mit überwiegend mediterraner Verbreitung und Heuschrecken bzw. Stabheuschrecken als Wirte sowie die Ethillini, welche vermutlich ovolarvipar sind und bisher vorwiegend aus Spannerraupen erhalten wurden. Relativ artenarm sind auch die rein oviparen Winthemiini, von denen jedoch manche Arten bei uns recht häufig sind. Typisch für diese Gruppe ist die im ausgestreckten Zustand etwa körperlange Legeröhre. Als Wirte sind bisher fast nur Lepidopteren bekannt. So wurde die im Gegensatz zu vielen anderen Tachinen auch in den heißen Mittagsstunden aktive Winthemia quadripustulata vor allem aus Cucullia spp., aus anderen Noctuiden sowie gelegentlich aus Spannerraupen etc. gezogen. Auch die beiden häufigen Nemorilla-Arten (N. floralis und N. maculosa) haben einen sehr breiten Wirtskreis, der mindestens 6 Familien von Microlepidopteren, Noctuiden und einige andere Großschmetterlinge umfaßt.

Tribus Eryciini

Demgegenüber sind die Eryciini besonders artenreich und umfassen (zusammen mit den ebenso diversen Goniini) mehr als die Hälfte unserer heimischen Exoristinen-Arten. Fast alle Arten dieser Tribus sind ovolarvipar, nur wenige (z. B. Aplomyia confinis, ein Parasit von Bläulings-Raupen) legen noch unreife Eier ab. Der Wirtskreis erstreckt sich ganz überwiegend auf Lepidopteren-Raupen, nur einige Gattungen (z. B. Phebellia bei Cimbiciden oder einige Arten der Gattung Drino) schmarotzen in Blattwespenlarven. Dominierend sind Vertreter der Gattungen Phryxe, Drino und Carcelia, Phryxe vulgaris ist bei uns im Hochsommer eine der häufigsten Tachinen und ein polyphager, meist gregärer Schmarotzer bei größeren Tagfaltern, Eulen und Spannerraupen. Die L1 lebt zunächst frei in der Leibeshöhle und bildet erst später eine sekundäre Atemöffnung mit Trichter an einem Haupttracheenstamm. Ebenso polyphag ist P. nemea, welche aber - im Gegensatz zu P. vulgaris - Waldbiotope bevorzugt. Eine Reihe nahe verwandter Arten scheint stärker monophag zu sein. Interessant ist auch Drino inconspicua, welche sowohl Diprioniden-Blattwespen wie auch Schmetterlinge befällt, aber fast ausschließlich solche, die auf Kiefern fressen (Kieferspinner, Kiefernschwärmer, Forleule, Kiefernspanner). Demgegenüber sind die anderen Arten dieser Gattung entweder nur auf Lepidopteren oder auf Buschhorn-Blattwespen beschränkt. Die zahlreichen Carcelia-Arten bevorzugen behaarte Schmetterlingsraupen (z. B. Bärenspinner, Prozessionsspinner, etc.), während die Vertreter der Nachbargattung Senometopia nackte Wirtslarven (z. B. Spanner) parasitieren. Die Eier mancher Carcelia-Arten sind knopfförmig gestielt und werden mit diesem Fortzsatz am Wirt angeklebt. Kurz darauf schlüpfen bereits die Junglarven, um sich einzubohren. Die Entwicklung erfolgt je nach Art und Wirt solitär, teilweise auch gregär.

Tribus Goniini

Biologisch einheitlich sind, wie erwähnt, die artenreichen Goniini, die sie durch Mikrooviparie auszeichnen. Der Wirtskreis umfaßt in erster Linie Mikro- und Makrolepidopteren. Einige Arten haben abweichende Wirte, z. B. alle Myxexoristops-Arten, welche ausschließlich Blattwespen, vor allem Gespinstblattwespen (Pamphiliidae) befallen. Oxytata pallipes ist eine Schmarotzer des gemeinen Ohrwurms (Forficula auricularia). Die Eiablage erfolgt auf Pflanzenteile, welche vorher von Ohrwürmern angefressen wurden. Das 2. Larvenstadium überwintert im Wirt und schafft sich später eine sekundäre Atemöffnung am Nacken des Wirtes. Die gesamte Larvalentwicklung dauert etwa 10 Monate, so daß nur eine verzettelte Generation pro Jahr zur Ausbildung kommt, mit Flugzeit der Imagines von Juni bis September. Die Verpuppung der Parasiten erfolgt außerhalb der Wirtsreste. Pexopsis aprica und vermutlich auch Erythrocera nigripes sind Parasiten erwachsener Melolonthinen. Die Eier werden auf Blättern abgelegt, wo sie von den Käfern (Melolontha spp., Rhizotrogus spp.) mit der Nahrung aufgenommen werden. Wichtige bei Lepidopteren schmarotzenden Gattungen sind Zenillia, Masicera, Sturmia und vor allem Gonia, wobei Vertreter der letzteren vor allem Noctuiden befallen und bis zu 4.000 Eier ablegen können. Manche Arten sind recht polyphag und schmarotzen sowohl bei Makro- wie bei Mirkolepidopteren, z. B. Zenillia libatrix und Pales pavida. Andere sind oligophag, z. B. Masicera sphingivora, die, wie der Name besagt, Schwärmerraupen bevorzugt, Sturmia bella, welche in erster Linie Tagfalter als Wirte aufweist, oder Gonia picea, die speziell in Graseulen lebt.
Daneben gibt es aber auch zahlreiche Spezialisten, so die hochgradig monophage Arten Cyzenis albicans, ein wichtiger Parasit des kleinen Frostspanners. Der Uterus des Cyzenis-Weibchens enthält bis zu 2.000 schwarz gefärbte, etwa 0,17 mm lange Eier. Die im Darm von Operophtera schlüpfenden Junglarven wandern zunächst in die Speicheldrüsen ein. Erst nach der Verpuppung des Wirtes wird eine sekundäre Atemöffnung mit Trichterbildung zwischen den Gliedmaßen oder den Hinterleibsringen der Puppe gebildet. Die Entwicklung verläuft stets solitär, auch wenn mehrere Eier von der Spannerraupe aufgenommen werden. Das Puparium wird in der leeren Wirtspuppe im Boden gebildet, wo auch die Überwinterung erfolgt. Wurden die Eier an andere Schmetterlingsraupen verfüttert, so kamen sie in der Regel nicht zur Entwicklung. Cyzenis ist zur biologischen Bekämpfung des verschleppten Frostspanners nach Nordamerika eingeführt worden und hat diesen dort - in Zusammenwirken mit einer ebenfalls angesiedelten Schlupfwespe (Aprypon flaveolatum) - erfolgreich unter Kontrolle gebracht.

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Last modified: 04.03.02