Die Wirtsspezifität der meisten Arten entspricht einer Oligophagie, doch gibt es zahlreiche obligat monophage Arten, die auf eine einzige Wirtsgattung beschränkt und mit ihren Wirten entsprechend gut synchronisiert sind. Dabei kann eine physiologische Wirtsspezifität vorliegen, wie beispielsweise beim Frostspanner-Parasiten Cyzenis albicans, dessen mikrotype Eier nur im "richtigen" Wirt zur Entwicklung kommen. Wurden sie an andere Schmetterlingsraupen verfüttert, unterblieb die Weiterentwicklung des Parasiten.
Einige Arten sind demgegenüber extrem polyphag, beispielsweise Compsilura concinnata oder Blondelia nigripes, welche neben vielen Raupen von Groß- und Kleinschmetterlingen auch Afterraupen von Blattwespen befallen. Für Compsilura sind bei uns allein mehr als 100 Lepidopteren-Arten aus über 10 Familien als Wirte bekannt. Polyphage Arten sind häufig plurivoltin und daher oft nicht mit dem Generationszyklus der Wirte synchronisiert.
Die Mehrzahl der Tachinen hat einen relativ engen Wirtskreis, der häufig auf eine bestimmte Insektenfamilie beschränkt ist. Beispielsweise gibt es eine Reihe von Arten (Drino lota, D. vicina u.a.), die als typische Schwärmerparasiten bezeichnet werden können und nur bei systematisch nahe verwandten oder bei ökologisch ähnlichen Sphingiden schmarotzen. Ebenso kennen wir reine Blattwespenparasiten, von denen einige familienspezifisch (z. B. Phebellia-Arten auf Cimbicidae spezialisiert) sind, während andere ihre Wirte entweder nur auf Bäumen und Sträuchern (z. B. Myxexoristops blondeli) oder nur in der Krautschicht suchen (z.B. Phylloomyia volvulus, also mehr ökologisch spezialistert sind.
Eine ökologische Wirtsspezifität ist auch bei jenen Arten ausgeprägt, welche sich bei ihrer Wirtssuche nach bestimmten bestimmten Futterpflanzen richten. So befällt Actia nubidasis zwar verschiedene Kleinschmetterlinge, aber nur solche, die auf Kiefern leben, während A. maksymovi, auf Lärchenschmetterlinge und A. pilipennis auf Tortriciden an Laubhölzern und Kräutern beschränkt sind. Arten der Gattung Elfia schmarotzen nur in Mikrolepidopteren-Raupen, welche an Baumrinden, in Harzflüssen, an Baumflechten und Baumschwämmen (Porlingen) vorkommen. Selbst bei larviparen Arten scheint primär das Weibchen den Wirtskreis zu bestimmen, indem die Larven in der unmittelbaren Nähe ihrer Wirte abgesetzt werden. Überträgt man solche Larven auf »Fremdwirte«, so kann man gelegentlich beobachten, daß sie sich einbohren und weiter entwickeln. Auf diese Weise ist es beispielsweise gelungen, eine Tachine des Zuckerrohrbohrers in Wespenlarven zur Entwicklung zu bringen. Im Freiland dürfte eine solche »Xenophagie« eher selten vorkommen. Hierzu wären weitere experimentelle Untersuchungen erwünscht, da wir über physiologische und ethologische Aspekte der Wirtsspezifität von Raupenfliegen nur wenig wissen, diese aber eine erhebliche Rolle zu spielen scheint.
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Last modified: August 02, 1997 |