Biologie der Tachinidae: Eiablage auf den Wirt.


Gemeinsam ist diesen Arten ein relativ begrenzter Eivorrat (etwa 100-200 Eier pro Weibchen). Die Eiablage erfolgt entweder im blitzschnellen Angriff im Bruchteil einer Sekunde oder durch behutsames, langwieriges Anschleichen an den Wirt, wobei die Legeröhre unter den Rumpf und Kopf nach vorne in Richtung Wirt ausgefahren und das Ei an diesem angebracht wird. Bei Schmetterlingsraupen und Blattwespenlarven wir das Ei meist an die freie Körperoberfläche angeklebt. Sie können leicht vom Wirt angebissen oder im Zuge der Häutung abgestreift werden. Bei Käfern oder Wanzen werden die Eier hingegen häufig an schwer zugänglichen Körperstellen, z.B. unter die Elytren, abgelegt. Einen Sonderfall stellen die Arten der Gattung Rondania dar, die ihre Eier mittels der langen Legeröhre in die Mundöffnung fressender Käfer schieben. Bei einer Reihe nicht verwandter Tachinen-Arten ist der Ovipositor zu einem echten Legebohrer umgebildet, der die Haut des Wirtes durchsticht, so daß es zu einer Eiablage im Wirtskörper kommt.

In der Gruppe der direkt den Wirt belegenden Arten lassen sich zwei Untertypen unterscheiden:


1. Ovilavipare Arten (Parastegina-Typ).

Das Ei wird im nicht oder nur teilweise inkubierten Zustand an den Wirt abgelegt und die Parasitenlarve schlüpft erst einige Tage später, um sich in den Wirt einzubohren. Als Anpassung hat das Ei ein plankonvexe (brotleibförmige) Gestalt, wobei das Chorion der Oberseite stark verdickt, die flache Unterseite hingegen dünnhäutig und klebrig ist. Die Oberfläche ist durch kammerartige, nach außen offene Hohlräume, sogenannte Krypten, charakterisiert, die dem Gasaustausch dienen. Teilweise ist am vorderen Eipol eine vorgebildet. Durch welche die Larve ausschlüpft; ansonsten bohrt sie sich durch die dünne Unterhaut direkt in und durch sie Wirtshaut ein. Bei den typisch oviparen Arten treten die Eier kurz vor der Ablage vom Ovar in den Uterus ein und werden erst unmittelbar vor dem Legeakt befruchtet. Bei anderen Arten findet die Befruchtung schon früher statt, so daß bereits mehr oder minder weit entwickelte Embryonen abgelegt werden. Oviparie als recht ursprüngliches Verhalten ist für die Phasiini, Exorostini, Winthemiini und einige andere Arten charakteristisch.


2. Ovilavipare Arten (Phryxe- bzw. Voria-Typ).

Hier verbleiben die befruchteten Eier zunächst im erweiterten Ovidukt (Uterus), bis sich in ihnen die schlüpfbereite Junglarve entwickelt hat. Diese wird, in die Eihülle eingeschlossen, direkt auf den Wirt abgelegt, schlüpft binnen Sekunden oder Minuten und bohrt sich anschließend in den Wirt ein. Dadurch wird ein erheblicher Nachteil der Oviparie vermieden, nämlich, daß die Eier vor dem Schlüpfen abgebissen oder bei der Häutung des Wirtes abgestreift werden. Dieser Vorteil muß andererseits durch die längere Präovipositionsperiode des Weibchens erkauft werden. Die Eier der ovilaviparen Arten vom Phryxe-Typ ähneln denen der oviparen Arten, andere sind allseitig dünnhäutig und ventral nicht abgeplattet (Voria-Typ); letztere sind wahrscheinlich nicht vom Parasetigena-Typ abzuleiten, sondern noch ungeklärten Ursprungs.


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Last modified: August 02, 1997