Da erstaunlicherweise nur wenige Tachinen über einen echten Legebohrer verfügen, bleibt es den Parasitenlarven überlassen, den Wirt zu infizieren. Das Einbohren erfolgt bevorzugt an günstigen Stellen (Intersegmentalhäute etc.), wobei neben dem unpaaren Mundzahn der Junglarven auch chitinlösende Speichelsubstanz zum Durchdringen der Wirtshaut eingesetzt wird. Im einfachsten Fall verbleibt die Junglarve mit ihrem Abdomenende im Einbohrloch und durch die Hinterstigmen mit der Außenluft in Verbindung («primäre Atemöffnung«). Durch Anlagerung von Blutzellen und Abscheidung von Chitin beginnt im Zuge der Wundreaktion die Bildung eines braunen Trichters, der den Hinterteil der Larve umschließt und sich nach vorne in einem häutigen Schlauch fortsetzt, der den Vorderkörper der Parasitenlarve umgibt und wie ein Trophamnion fungiert. Das Einbohrloch und der dunkel durch die Wirtshaut scheinende sind von außen gut zu erkennen. Vom Atemtrichter aus beginnt die Larve mit der Nahrungsaufnahme. Später zerreißt der schlupfförmige Trichterfortsatz und die älteren Larven liegen nun mit dem Vorderkörper frei im Wirt, bleiben aber oft zeitlebens mit dem Hinterende im Trichter stecken.
Bei vielen anderen Tachinen dringt die Junglarve ganz in den Wirt ein und setzt sich zunächst im Fettkörper, in der Muskulatur etc. fest, wobei Sauerstoff durch Hautatmung aufgenommen wird. Die sehr kleinen Erstlarven der mikrooviparen Arten wandern vom Darm aus in Muskelbündel, Spinndrüsen oder Ganglien ein. Im nachfolgenden Larvenstadium gehen aber auch diese Arten zur Luftatmung über, in dem sie sich entweder mit den bedornten Hinterstigmen eine »sekundäre Atemöffnung« nach außen bohren oder dadurch, daß sie einen Haupttracheenstamm im Inneren des Wirtes »anzapfen«. Nur in wenigen Fällen lebt die Tachinenlarve während ihrer parasitischen Phase frei in der Leibeshöhle des Wirtes ohne Verbindung mit der Außenluft. Solche Arten haben zarthäutige Larven mit reiner Hautatmung. Dadurch die bevorzugte Entwicklung der Tachinenmade im Gewebe ihrer Wirte sind in der Regel besser gegen deren Immunabwehr geschützt als die sich in der Wirtshaemolymphe entwickelnden Larven parasitischer Hymenopteren.
Die Nahrungsaufnahme erstreckt sich anfangs nur auf Haemolymphe und Fettgewebezellen. Erst mit Übergang in das letzte, 3. Larvenstadium wird der Wirt stärker geschädigt und meist abgetötet. Das Wirtsinnere wird durch Abgabe von Verdauungssekreten verflüssigt und dann zügig aufgesogen. Dabei verlassen nun viele Arten ihren Trichter und wandern frei in der Leibeshöhle des Wirtes umher. Manche Arten, z.B. die Wanzenparasiten, scheinen das Gewebe rein mechanisch anzugreifen. Sie zerstören nun die abdominalen Organe ihrer Wirte, so daß diese das Ausbohren des erwachsenen Parasiten um einige Tage überleben können. Ähnliche Fälle sind auch bei Parasiten von Stabheuschrecken und gelegentlich sogar bei einigen Lepidopteren-Wirten beobachtet worden, deren Raupen sich nach Auswanderung der Tachinenmade sogar noch erfolgreich verpuppen können.
Die Dauer der endoparasitischen Phase ist bei den einzelnen Arten sehr verschieden. Bei tropischen Arten werden die 3 Larvenstadien oft in weniger als einer Woche durchlaufen, während bei uns Fraßzeiten von 2-3 Wochen die Regel sind. Vielfach wird aber eine larvale Ruhepause (Diapause) eingeschaltet, die entweder endogen induziert oder von der gleichzeitig ablaufenden Wirtsdiapause gesteuert wird, wobei auch Umweltfaktoren (Temperatur, Photoperiode) mitspielen können.
Viele Tachinen sind Solitärparasiten. Da die Weibchen parasitierte von unparasitierten Wirten meist nicht unterscheiden können, kommt es häufig zur Superparasitierung. Diese innerartliche Konkurrenz wird überwiegend nach dem Wettlauf-Prinzip entschieden, gelegentlich aber auch aggressiv, in dem die überzähligen Parasitenlarven totgebissen werden. Relativ viele Arten leben grgär, doch sit die Zahl der Parasitenlarven je Wirt dann häufig gering, etwa im Vergleich zu den viel kleineren, gregären Erzwespen. In großen Wirten, z.B. in Schwärmerlarven können aber je nach Parasitenart etwa 20-80 Tachinen-Maden erfolgreich zur Entwicklung kommen.
Die erwachsenen Raupenfliegen-Larven wandeln sich bei manchen Arten an Ort und Stelle in der leeren Haut oder im Kokon des Wirtes zum Tönnchen (Puparium) um. Häufiger jedoch bohren sie sich aus und fallen bei freilebenden Wirten zu Boden, so daß das Puparium in der Erde gebildet wird. Bei den endophagen Wirten verbleibt das Tönnchen meist im Fraßgang, im Stengel oder im gespinst des Wirtes. Die Dauer des Puppenstadiums beträgt bei plurivoltinen Arten im Sommer etwa 1-3 Wochen, im kühleren Boden oft 4-6 Wochen. Viele univoltine Arten überwintern im Tönnchen als Präpuppen, selten als schlüpfbereite Fliegen, so daß die Pupariumphase dann 9-10 Monate währen kann. Andere, meist univoltine Arten überwintern im jüngeren Larvenstadium im Wirt und setzen erst nach dessen Überwinterung die Entwicklung fort.
Tachinen-Larven können noch in ihrem Wirt von obligatorischen Hyperparasiten, z.B. von Schlupfwespen (Mesochorinen) bzw. Erzwespen (Perilampidae) befallen werden. Viel größer aber ist die Zahl der Puparien-Schmarotzer, welche erst die Tönnchen angreifen. Hier dominieren bestimmte Schlupfwespen, Erzwespen, Zehrwespen usw. sowie Wollschweber-Arten (Bombyliidae). Als Raubfeinde von Raupenfliegen und deren Puparien kommen vor allem Kleinsäuger, Vögel, Ameisen, Grabwespen, Spinnen und andere Prädatoren in Betracht.
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Last modified: October 05, 1997 |