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Biologie
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Die Biologie der Sciomyzidae ist erst in
den letzten 30 Jahren intensiver erforscht worden. Fast alle
bisher untersuchten Arten (weltweit über 200) sind mit
diversen Mollusken (aus 15 Familien) vergesellschaftet,
meistens mit Schnecken, seltener mit Muscheln.
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- Die Mehrzahl der Arten befällt
Süßwasser-Schnecken (Lymnaeidae, Planorbidae,
Physidae etc.), an denen sich die Larven räuberisch
entwickeln. Die 100 - 700 Eier je Weibchen werden auf Wasser-
oder Uferpflanzen abgelegt und die Larven überfallen ihre
Opfer sowohl auf Wasserpflanzen als auch nahe am Wasser und
töten sie rasch ab. Eine Larve kann 1 - 2 Dutzend Schnecken
im Laufe ihrer Larvalentwicklung angreifen und teilweise
auffressen und es können auch mehrere Larven gleichzeitig
am selben Wirtsindividuum Nahrung aufnehmen.
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- Einige Arten legen ihre Eier in die
Eigelege von Schnecken ab und ernähren sich von deren
Embryos; wieder andere sind Aasfresser, die vor allem tote
Schnecken, aber auch Asseln als Nahrung nutzen.
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- Knutsonia lineata u.a. leben
von kleinen Muscheln (Sphaerium- und Pisidium-Arten),
in deren Mantelhöhle sie sich einbohren, wo sie sich
zunächst wie Parasiten verhalten. Später töten
sie ihre Opfer ab und greifen neue Wirte an; jede Fliegenlarve
konsumiert bis zu 30 Erbsenmuscheln.
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- Dyctia und Hedria-Larven
sind echte Wasserbewohner, die ihre Schnecken-Wirte auch unter
Wasser bzw. am Grunde seichter Gewässer suchen. Wenn sie
nicht fressen, kehren sie zur Wasseroberfläche zurück,
um mit ihren Hinterstigmen wieder Luft aufzunehmen.
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- Nur wenige Arten leben in Meeresnähe,
wo sie sich von Prosobranchiern der Gezeitenzone, speziell von
Strandschnecken (Littorina), ernähren.
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- Eine Reihe von Arten haben sich im
Larvenstadium vom Leben am, auf oder im Wasser unabhängig
gemacht und sind echte Landbewohner und Vertreter der Waldfauna
geworden. Verbunden damit war ein Übergang zu einer
weitgehend parasitoiden Lebensweise. Hierher gehören
offenbar alle Sciomyzinen, einige Tetanocerinen und die einzige,
bisher gezogene Salticellinen-Art. Ihre Larven besitzen keine
Schwimmhaare, wie sie für die überwiegend aquatischen
Tetanocerinen typisch sind.
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- Die primitiveren Sciomyzinen legen
ihre Eier auf Pflanzen ab. Die relativ polyphagen Junglarven
bohren sich in Landschnecken (Cochlicopa, Retinella,
Discus etc.) ein und fressen sie aus. Zu ihrer
Entwicklung benötigen sie mehrere Wirtsindividuen.
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- Die räuberichen Tetanocerinen
sind stärker wirtsspezifisch, verbrauchen aber ebenfalls
mehrere Wirte und verpuppen sich gleichfalls im Boden.
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- Höher evoluierte Sciomyzinen,
wie Pherbellia spp., verbleiben als Puppen im
Wirtsgehäuse und einige Arten (z. B. aus der Gattung
Sciomyza bzw. Colocaea bifasciella) sind echte
Solitärparasitoide geworden, die zu ihrer Entwicklung nur
ein einziges Wirtstier benötigen und stets nur einzeln im
bzw. am Wirt leben. Die Eier werden an die Schneckenschale
abgelegt und die Verpuppung erfolgt im Gehäuse des Wirtes.
Einige Arten (Tetanocera und Euthycera spp.)
sind Prädatoren, teilweise auch Parasitoide von
Nacktschnecken. Letztere haften sich als "Winkerlarven"
an vorbeikommenden Wirten an und wandern durch die Mundöffnung,
unter dem Mantelschild oder über die Augenstiele in den
Wirtskörper ein. Sie leben in den ersten beiden
Larvenstadien als Endoparasiten, verlassen aber im letzten (3.)
Larvenstadium den toten Wirt und gehen nun zu einer räuberischen
Lebensweise über, wobei sie dann neben Weg- und
Egelschnecken auch andere Landschnecken überfallen können.
Die Imagines mancher plurivoltiner Arten sind sehr langlebig
und können auch den Winter in Verstecken überdauern.
Ansonsten erfolgt die Überwinterung bei Arten mit mehreren
Generationen im Jahr überwiegend im Puppenstadium. Eine
Reihe von Arten sind jedoch univoltin. Sie kopulieren erst im
Spätsommer und überwintern meist in Diapause im Ei
oder Junglarvenstadium. Univoltine Arten dominieren vor allem im
Bereich temporärer Wasseransammlungen und überdauern
ein Austrocknen der Tümpel im Sommer im Imaginal-, seltener
im Puppenstadium.
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Aus dem Rahmen fällt Pelidnoptera
nigripennis, ein Vertreter der aberranten Subfamilie
Phaeomyinae. Diese Art wurde kürzlich in Portugal aus
Tausendfüßlern der Gattung Ommatoivlus
gezogen. Das Ei wird im Frühjahr an den Vorderkörper
älterer (einjähriger) Wirte angeklebt und die L1 bohrt
sich dann in den Wirt ein. Es wird eine Art primärer
Atemtrichter gebildet, in dem die Junglarve zunächst
übersommert. Erst im August-September erfolgt die
Weiterentwicklung, wobei der Wirt abgetötet wird. Das
Puparium überwintert innerhalb des toten Wirtes. In der
Regel liegt also solitärer Endoparasitismus vor, mit
Befallsraten bis zu 20 %.
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