Männchen einer Augenfliege

Fam.: Pipunculidae

Augenfliegen

[ Diptera ]

© Martin Dempewolf



Merkmale

Die Augenfliegen sind durch den auffallend großen, fast kugeligen, mit überdimensionalen Facettenaugen versehenen und recht beweglichen Kopf leicht kenntlich. Typisch sind auch die langen, schmalen Flügel, mit denen sie sich, an Ort und Stelle rüttelnd, in der Luft halten können. Es sind relativ kleine, meist 3 - 5 mm lange, dunkel gefärbte und fast unbeborstete Fliegen, die sich in der Kraut- und Strauchschicht nach Art der Schwebfliegen fortbewegen, denen sie auch systematisch nahestehen. Die Unterscheidung der Art ist oft schwierig, umsomehr als ein ausgeprägter Sexualdimorphismus die Zusammengehörigkeit der Geschlechter verschleiern kann.


Systematik

Weltweit sind etwa 600 Arten beschrieben, doch ist die tropische Fauna noch wenig bekannt. Auch wurden gerade in den letzten Jahren zahlreiche neue Arten beschrieben, so das die tasächliche Artzahl deutlich höher sein dürfte. Von den Britischen Inseln werden an die 80 Arten gemeldet, so daß für Mitteleuropa wohl deutlich mehr als 100 Arten in gegenwärtig 3 Unterfamilien (Nephrocerinae, Chalarinae und Pipunculinae.) zu erwarten sind. Für Deutschland werden derzeit 110 Arten angegeben.


Auswirkungen auf den Wirt

Durch den Parasitenbefall kommt es zur Kastration der Zikaden. Werden jüngere Wirtsnymphen befallen, so unterbleibt die Ausbildung der inneren und äußeren Geschlechtsorgane ganz oder zumindest teilweise; bei älteren Wirten, die noch das Imaginalstadium erreichen, werden nur die inneren Sexualorgane reduziert; auch kann Brachypterie die Folge sein. Die Auswirkungen der Parasitierung sind also umso ausgeprägter, je früher der Wirt befallen wird. Die erwachsenen Parasitenlarven des 2. Stadiums bohren sich aus dem Wirt aus, meist im Grenzbereich von Thorax und Abdomen, fallen zu Boden und verpuppen sich dort. Der Wirt stirbt kurz vorher endgültig ab, kann aber mit seinen Stechborsten an der Wirtspflanze verankert bleiben und ist dann durch das seitlich abgebogene, ausgehöhlte Abdomen recht auffällig.


Generationszahl

Die Generationenzahl der Pipunculidae richtet sich meist nach jener ihrer Zikaden-Wirte. Dementsprechend kommt überwiegend uni- oder bivoltine Entwicklung vor; nur von 2 Arten (Eudorylas subterminalis und Pipunculus campestris) sind in unserem Klima 3 Generationen im Jahr beobachtet worden. Diese beiden auf Grünland häufigen Pipunculiden sind bisher aus 10 bzw. 11 verschiedenen Kleinzikaden-Arten gezogen worden. Die Überwinterung erfolgt meist in Diapause im Puppenstadium im Boden. Bei Zikaden, die als Nymphen überwintern, verbleiben die Pipunculiden als diapausierende Junglarven im Wirt, um erst im Frühjahr ihre Larvalentwicklung abzuschließen.


Parasitierungsraten

Der Befall einzelner Zikadenpopulationen kann gelegentlich auf 50 % und darüber ansteigen.

  • So lag in England die Parasitierung der Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) durch Verallia aucta während 4 aufeinanderfolgender Jahre zwischen 34 - 40 %, jene von Neophilaenus lineatus zwischen 24 - 31 %.

Bei bivoltinen Grasland-Zikaden war der Pipunculidenbefall in der 2. Generation meist deutlich höher als in der 1. (Frühjahrs-) Generation.

  • Adarrus ocellaris war während einer 10-jährigen Untersuchungsperiode meist nur zu 5 - 20 % (im Mittel um 10 %) durch insgesamt bis zu 6 Pipunculiden-Arten parasitiert, während der Befall in der 2. (Spätsommer-) Generation in der Regel zwischen 10 - 40 % (im Mittel um 25 %) schwankte.


Wirte

Bisher sind nur von einem guten Drittel unserer heimischen Pipunculidae die Wirte bekannt, so daß weitere Zikadenzuchten interessante Ausbeuten versprechen.


Eier & Larven

Das Ei von Chalarus ist 0,2 - 0,4 mm lang, transparent und etwas zitronenförmig. Die Altlarven der Pipunculiden sind relativ breitgebaute, weichhäutige Tiere, deren Hinterstigmen oft auf einem Stigmenträger sitzen und einen charakteristischen Bau aufweisen. Ob bei dieser Gruppe tatsächlich nur 2 Larvenstadien vorliegen, bleibt nachzuprüfen, bisher konnte jedoch das 3. Stadium nicht nachgewiesen werden. Es gibt Hinweise dafür, daß die Junglarvenphase durch eine Häutung unterbrochen wird, woraus 3 Larvenstadien, wie bei den höheren Dipteren üblich, resultieren würden. Bei Coenosia-Arten schlüpft zum Beispiel erst die Drittlarve aus dem Ei, solch ein Vorgang wäre auch bei den Augenfliegen denkbar.


Links

Eine Liste der deutschen Arten finden man auf der Hompage von Martin Dempewolf (Univ. Bielefeld).


P-Online

Last modified: 27.02.02