Fam.: Conopidae

Dickkopf-Fliegen

( Diptera )

© Sven Bacher



Die Dickkopf-Fliegen ähneln im Habitus den Schwebfliegen bzw. gewissen solitären Faltenwespen, doch sind sie mit den Syrphiden nicht näher verwandt. Auffallend an den 3 - 20 mm großen, langgestreckten, weitgehend unbeborsteten Fliegen sind der aufgetriebene Kopf, die meist weit vorstehenden Fühler und der langit sind um die 800 Arten in 4 Unterfamilien beschrieben, von denen etwa 25 Arten auf den Britischen Inseln und ungefähr doppelt soviele in Mitteleuropa i.w.S. vorkommen.

In der Mehrheit handelt es sich um primäre Endoparasiten der Imagines von aculeaten Hymenopteren (vor allem Bienen und Wespen); einige Arten schmarotzen vielleicht in den Eigelegen von Orthopteren und die Vertreter der überwiegend tropischen Stylogasterinae vorwiegend bei calyptraten Dipteren. Einmal haben wir ein Weibchen von Tenthredo scrophulariae - eine Blattwespe mit typischer Wespenzeichnung - gefangen, das im Abdomen eine offenbar tote Junglarve eine unbekannten Dipterenart beherbergte. Ob es sich hierbei um eine "verirrte" Conopide oder Tachine handelte, konnte nicht geklärt werden.


Biologie

Die häufig wespenartig gezeichneten Imagines sind tagaktiv und typische Blütenbesucher, wobei jeweils bestimmte Pflanzenarten (z.B. Disteln, Senecio, Umbelliferen, Labiatae etc.) bevorzugt werden. Die Weibchen überfallen ihre Wirte (Bienen, Hummeln, Wespen etc.) im Flug, umklammern die Opfer mit ihrem zangenförmig entwickelten Legeapparat und legen oft nach heftigem Kampf mindestens ein Ei in das Abdomen derselben ab. Dabei hilft ihnen ein mehr oder minder gut ausgebildeter Legebohrer. Gelegentlich lauern sie ihre Wirte direkt bei deren Bauten auf und stürzen sich dann von einer Warte aus (meist Blüten niederer Pflanzen) auf die heimkehrenden oder ausfliegenden Nestbewohner. Oft wird nur ein Ei je Wirt abgelegt, doch kommt Superparasitierung mit 2 - 3 Eiern je Wirt (max. 9) keineswegs selten vor; jedenfalls liegt aber immer solitäre Entwicklung vor. Die Eier weisen am cephalen Ende einen unterschiedlich gestalteten Anker oder zahlreiche fadenförmige Anhänge auf, die vermutlich zur Anheftung an die Innenseite der Intersegmentalhäute dienen. Die Junglarve lebt vorerst frei, ältere Larven schließen sich mit ihren Hinterstigmen an die Tracheen oder einen Luftsack an. Die erwachsene Larve (L3), welche meist nur knopfförmige Hinterstigmen besitzt (Ausnahme: Sicus), ist durch einen stark verengten, rüsselförmigen Vorderkörper ausgezeichnet, wodurch es ihr zum Ende der Larvalentwicklung möglich wird, durch die Wespentaille teilweise in den Thorax vorzudringen und auch diesen auszufressen. Das befallene Wirtsindividuum verendet dann meist ausserhalb vom Nest. Die Verpuppung verläuft im ausgehöhlten Wirtsabdomen und das Puparium füllt nahezu den gesamten Hohlraum aus. Im Nest abgestorbene Opfer werden von den Arbeiterinnen häufig nach aussen geschafft. Die Überwinterung erfolgt im Pupariumstadium. In der Regel liegt ein univoltiner Generationszyklus vor, wobei die Larvalentwicklung im Sommer etwa 2 Wochen umfaßt. Wahrscheinlich können die Puparien aber auch länger in Diapause überliegen, wodurch die Entwicklung zwei- oder mehrjährig werden kann.


Biologie

Die meisten Arten dürften mehr oder minder oligophag sein. Sicus und Physocephala-Arten bevorzugen Bombus-Arbeiterinnen, Leopoldius spp. überwiegend Vespula und Polistes, während Conops spp. aus Hummeln, Bienen (Osmia etc.) und Vespula spp. gezogen wurden. Die meisten Vertreter dieser zu den Conopinae gehörenden Gattungen sind typische Hochsommertiere. Die schon im Frühjahr fliegenden Myopa und Zodion-Arten (Myopinae) sind vor allem Bienen (Andrena spp.) und Faltenwespen-Parasiten, während die kleinen, ebenfalls zu den Myopinae gestellten Tecophora-Arten sowie die Dalmannia-Arten (Dalmaniinae) Halictiden bevorzugen. Untersuchungen in England und in Mitteleuropa haben gezeigt, daß bei Hummeln überwiegend die Arbeiterinnen-Kaste befallen wird, mit Parasitierungsraten von etwa 30 bis maximal 70 %. Demgegenüber werden Männchen schwächer parasitiert (bis max. 30 %) und Hummelköniginnen meist nur in geringem Maße befallen. Als Hauptparasiten traten im Schweizer Jura Sicus ferrugineus und Physocephala rufipes auf. Stark parasitiert waren vor allem Bombus terrestris, B. lucorum, B. pascuorum und B. lapidarius, während andere Arten (z. B. B. hortorum, B. pratorum) geringere Befallsraten aufwiesen.


Auswirkungen auf die Wirte

Conopiden-Befall kann die Bestäubungsleistung von Hummeln beeinträchtigen. Infizierte Arbeiterinnen sterben meist 1 - 2 Wochen früher ab als unparasitierte Tiere und legen vermutlich keine Männchen-Eier mehr ab, so daß der Kolonieaufbau verzögert und die Koloniegröße merklich reduziert wird. Einige Physocephala-, und Zodion- und Thecophora-Arten befallen auch Honigbienen, was zu gelegentlichen Stockverlusten führen kann. Von Dickkopffliegen befallene Ackerhummeln änderten ihr Verhalten beim Blütenbesuch, in dem sie nur mehr Blüten des Heilziestes beflogen, während unparasitierte Hummeln den Nektar der Großen Braunelle bevorzugten.


Sonstiges

Die Stylogasterinen folgen häufig Wanderameisen (Eciton, Dorylus) auf ihren Beutezügen und stürzen sich auf die von den Räubern hochgescheuchten Insekten. Sie kommen in Nord- und Südamerika, im tropischen Afrika sowie in der orientalischen und australischen Faunenregion vor. Eiablagen sind bisher bei Schaben und Grillen sowie bei einer Reihe von adulten Dipteren (Calliphoridae, Tachinidae, Muscidae, Syrphidae etc.) nachgewiesen. Es ist jedoch unsicher, ob die genannten Dipteren selbst parasitiert werden oder ob sie nur als Transportwirte zu noch unbekannten Endwirten fungieren. Die Eier der Stylogasterinen sind an einem Ende zugespitzt und mit einer Art Widerhaken versehen und werden mit dem extrem langen, dünnen Ovipositor in die Wirtshaut eingestochen; die Junglarven bohren sich dann in den Wirt ein. Die Larven sind im vorderen Bereich nicht verengt; auch fehlen ihnen sowohl Hinter- wie Vorderstigmen, zumindest sind beide reduziert und funktionslos.


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Last modified: 04.03.02