Fam.: Chloropidae

Halmfliegen

( Diptera )


Verbreitung

Die Halmfliegen sind eine artenreiche mit den Cryptochetiden verwandte Gruppe kleiner bis sehr kleiner Fliegen (meist 2-3 mm, gelegentlich über 5 mm ), von denen weltweit etwa 2000 Arten in 3 Unterfamilien beschrieben wurden. In Großbritannien kommen an die 150 Arten vor, in Mitteleuropa deutlich über 200. Es handelt sich um fast unbeborstete (auch am Kopf nur schwach beborstete) Fliegen von schwärzlicher, gelbschwarzer oder grünschwarzer Färbung mit einem auffallend großen Ocellendreieck und im Leben oft buntglänzenden Augen. Das Flügelgeäder ist reduziert; es fehlen Medial-, Cubital- und Analzelle und die Subcosta ist nur basal angedeutet.


Biologie

Ihrem deutschen Namen entsprechend leben viele Chloropiden in den Halmen von Gräsern und Riedgräser, auch in Getreide und Futtergräsern. Bekannte Landwirtschaftsschädlinge sind bei uns die Fritfliege (Oscinella frit), Chlorops pumilionis und mehrere Meromyza-Arten. Von der Fritfliege ist jedoch bekannt, daß die Larven symbiontische Bakterien (Pseudomonas-Arten) besitzen, die sie mit dem Speichel in das vorletzte Pflanzengewebe im Halm abgeben. Die Bakterien lösen das Gewebe auf und die Larven ernähren sich dann von diesem Microbenbrei. Vermutlich sind die meisten Halmfliegen somit keiner echten Phytophagen sondern, wie auch viele Drosophiliden, Lonchaeiden, Ephydriden usw., mikrophage Bakterien-, Pilzsporen- oder Algenfresser. Daneben gibt es aber vor allem in der Unterfamilie Oscinellinae zahlreiche Übergänge zur Saprophagie, zum Räubertum sowie zum fakultativen oder obligatorischen Parasitismus, während in der Unterfamilie der Chloropinae Halmbewohner dominieren. Echte Phytophage dürften aber nur die gallbildenden (z. B. Lipara spp.) und vielleicht die samenfressenden Arten sein.

Vertreter verschiedener Gattungen der Chloropidae leben als Larven in den Eikokons von Spinnen, bei uns beispielsweise Conioscinelle halophila. Zu diesem Lebensformentyp gehören auch einige Arten aus den Gattungen Gaurax, Lioscinella, Pseudogaurax, Siphonella, Tricimba etc.. Die Eier werden je nach Wirtsart entweder auf das Netz oder in das Erdnest der Spinne abgelegt und können eine wochen- oder monatelange Inkubationszeit durchlaufen. Andere Chloropiden schmarotzen in den Eikokons von Gottesanbeterinnnen, z. B. Polyodaspis picardi in Frankreich. Eine Reihe von Arten befällt die Eigelege von Heuschrecken. Dies betrifft vor allem die Angehörigen der Gattung Goniopsita, bei uns speziell G. palposa und G. oophila, doch ist über die Biologie dieser Arten kaum Näheres bekannt. Die Eier werden von den Fliegenweibchen offenbar außen an die Eikokons gelegt, die Larven bohren sich ein und fressen das Gelege leer, worauf die Verpuppung zwischen den leeren Eihüllen erfolgt. Es handelt sich augenscheinlich mehr um Prädatoren als um typische Parasitoiden und dies gilt wohl auch für einige, ebenfalls aus Orthoptereneiern gezogene Siphonella-Arten sowie für Halmfliegen aus Eigelegen von Lepidopteren.

Hingegen dürften mehrere australische Oscinisoma-Arten echte Parasitoiden sein:

    • O. confluens wurde aus Eigelegen eines auf Eucalyptus fressenden Blattkäfers der Gattung Paropsisterna erhalten, aber jeweils nur eine Fliege aus einem Käferei. Da zunächst keine äußeren Anzeichen einer Beschädigung der Eier bemerkt wurden, kann sich die Chloropide nur als solitärer Endoparasit entwickelt haben. Die Verpuppung erfolgte jedoch außerhalb der Wirtseier.

    • O. luteohirta wurde in den Eigelegen einer Kleinzikaden-Art festgestellt, während eine weitere, unbestimmte Oscinisoma-Art aus einer Kleinschmetterlingslarve erhalten wurde. In beiden Fällen blieb die genaue Lebensweise der Fliegenlarven im Unklaren. Dies trifft auch für Polyodaspis endogena zu, die in Indonesien aus einer Wicklerlarve der Gattung Laspeyresia gezogen wurde, in der sie sich als solitärer Endoparasitoid entwickelt haben soll.

    • Auch von unserer heimischen P. ruficornis wird vermutet, daß sie zum Endoparasitismus neigt, z. B. in Larven des Maiszünsler, doch liegen auch Zuchtnachweise aus Walnußfrüchten, aus Pflanzenstengeln und aus einer adulten Raupenfliege vor, die aus einer Lepidopterenraupe ausgekommen war. Sollte letzterer Befund zutreffen, lege hier vielleicht ein Fall von Hyperparasitismus vor.

    Einige Halmfliegen wurden auch in den Nestern von sozialen Hymenopteren (Bienen, Grabwespen, Ameisen) angetroffen. Typisch scheint dies für die Vertreter der tropischen Unterfamilie der Siphonellopsinae. Vermutlich leben diese Arten (z.B. Apotropina) nur von den Nestabfällen, möglicherweise als Bruträuber, aber wohl nicht als Parasitoide.

    Daneben existieren bei Chloropiden noch zahlreiche andere Ernährungstypen, z. B.

    • subkutane Schmarotzer von Fröschen und Kröten in Australien,

    • Bewohner von Vogelnestern oder

    • von Becherpflanzen, Koniferenzapfen usw.

Bei dieser vielgestaltigen Lebensweise ist es wahrscheinlich, daß noch weitere echte Parasitoiden unter den Chloropiden angetroffen werden. Auch sollte die Aufklärung der Biologie der bisher als Spinnen- und Insektenschmarotzer erkannten Arten vorangetrieben werden.


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Last modified: 04.03.02