Gallmücken-Larven

Fam. Cecidomyiidae

Gallmücken

[ Diptera ]


Die sehr artenreiche Familie der Gallmücken beherbergt, wie ihr Name andeutet, überwiegend an Blütenpflanzen lebende, gallenbildende Formen. Manche phytophage Arten leben in Blütenköpfen oder Stengeln höherer Pflanzen, ohne eine Gallbildung zu verursachen. Zahlreiche Arten sind freilebend und meist myzetophag an Pilzmyzelien oder an Hutpilzen, z.B. die meisten Vertreter der Lemestriinae und Porricondylinae, während die Cecidomyinae hauptsächlich Gallenbildner vereinigen. Eine Reihe von Arten sind zoophag und leben überwiegend räuberisch von Blatt- und Schildläusen, Milben etc. Hierher gehören beispielsweise die Vertreter der Gattung Aphidoletes (Phaenobremia), die als Blattlausfeinde von beträchtlichem Nutzen sein können.

Bei einer ökologisch so plastischen, etwa 4.000 beschriebene Arten umfassenden Gruppe ist es daher nicht erstaunlich, daß einigen Gallmücken auch der Übergang zu einer parasitoiden Lebensweise gelungen ist.


Beispiel Endophsylla agilis

Der bekannteste Fall ist Endopsylla agilis, eine Art, die im atlantischen Klimabereich Nordwesteuropas an verschiedenen Psylla-Arten (P. mali, P. pyricola, P. melanoneura, P. peregrina, P. foersteri) auf Rosaceae und Erlen schmarotzt. Die Weibchen legen ihre Eier auf die Vorderflügel der Blattflöhe, meist nur 1 Ei je Wirt, doch wurde auch Superparasitierung mit bis zu 4 Eiern je Psylla beobachtet. Sie schlüpfen nach 1 - 2 Wochen. Die Junglarven sind zunächst 3 - 4 Tage ektoparasitisch und bohren sich dann durch die Intersegmentalhaut in den Wirt ein, wo sie im Haemocoel desselben eine 1 - 2 Wochen währende endoparasitische Phase durchlaufen. Die erwachsenen Larven verlassen den Wirt, fallen zu Boden und verpuppen sich dort. Die Puppenruhe dauert knapp eine Woche oder länger. Im norddeutschen Küstengebiet, landeinwärts etwa bis Hannover, treten 3 Generationen im Jahr auf, die erste im Juni, sobald sich die Blattflöhe zum Imaginalstadium gehäutet haben. Die zweite Generation folgt im Juli, während die dritte ihre Entwicklung zwischen Mitte August und Mitte September durchläuft und als erwachsene Larven in delikaten Erdkokons im Boden überwintert. In Schottland kommen wahrscheinlich nur 2 Generationen pro Jahr vor. Die Parasitierung des Apfelblattsaugers im Gebiet zwischen Hamburg und Bremen lag im Mittel unter 10 % (Maximum um 40 %). Sie stieg im Laufe des Sommers stetig an, von weniger als 5 % im Juni auf durchschnittlich 15 - 25 % im August - September. Die Wirtsspezifität scheint wenig ausgeprägt zu sein und ist als Oligophagie zu bezeichnen. Vermutlich werden auch andere als die erwähnten, auf Sträuchern und Laubbäumen lebenden Psylla-Arten befallen.


Weitere Beispiele

Eine weitere parasitoide Gallmücke ist Endaphis perfidus, die ihre Eier einzeln auf den Rücken der an der Unterseite von Bergahorn saugenden Zierläuse von Drepanosiphon platanoides und vermutlich auch anderer Aphiden ablegt. In Frankreich wurden mehrere Generationen im Jahr beobachtet.

Eine dritte europäische Art, Endopsylla endogena, schmarotzt in Portugal in den Kolonien der Birnblattwanze Stephanitis pyri. Die Verpuppung soll innerhalb der leergefressenen Gitterwanzen erfolgen.

Pseudendaphis maculans ist in Trinidad ein Parasit verschiedener Aphiden. Da jüngere, noch ungeflügelte Stadien befallen werden und parasitierte Blattläuse im Gegensatz zu unparasitierten flügellos bleiben, kann vermutet werden, daß die Flügelbildung durch den Parasiten unterbunden wird. Die genannten parasitoiden Gallmücken-Gattungen sind möglicherweise nicht näher miteinander verwandt, was dafür sprechen würde, daß der Übergang zu einer schmarotzenden Lebensweise in dieser umfangreichen Nematoceren-Familie offenbar mehrfach unabhängig voneinander erfolgt ist.


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Last modified: 04.03.02