Fam.: Calliphoridae

Schmeißfliegen

( Diptera )


Verbreitung

Die häufig metallisch goldgrün bis stahlblau glänzenden Calliphoridae sind biologisch ursprünglicher, da sie noch überwiegend ovipar sind. Weltweit sind über 1100 Arten in 5 Unterfamilien beschrieben, wovon ein Drittel in der afrotropischen Region beheimatet sind, während die Neotropis relativ artenarm ist. Von den Britischen Inseln wurden um die 30 Arten gemeldet, doch steigt die Artenzahl vor allem in Südeuropa rasch an. In Europa dominieren die Vertreter der Unterfamilie Calliphorinae; demgegenüber sind die Chrysomyiinae und Rhininae hier deutlich ärmer an Arten.

Lebensweise

Typische Schmeißfliegen, wie unsere heimischen Calliphora- und Lucilia-Arten legen ihre Eier auf tierisches Aas (vor allem von größeren Tieren) oder faulende Vegetabilien ab, in den Wohnungen jedoch auch auf frisches oder gekochtes Fleisch, Leber und dergleichen. Einige Arten besuchen auch Exkremente und können dann als Überträger von pathogenen Keimen fungieren. Mehrere häufige Arten dieser beiden Gattungen sind jedoch fakultative Wundparasiten an Wirbeltieren; es handelt sich also um typische Myasis-Verursacher. Die Maden ernähren sich von abgestorbenen Gewebeteilen des Wirtes, verlassen aber zur Verpuppung die Wunde wieder. Manche Arten von Lucilia, Chrysomyia, Cochliomyia usw. haben jedoch die Fähigkeit, sich in Kadavern zu entwickeln, verloren und sind zu obligatorischen Wundparasiten (im Englischen als "screwworms" bezeichnet) an Wild-, Weide- und Haustieren und vor allem in tropischen Regionen auch am Menschen geworden. Dabei werden auch lebende Gewebe von den Larven angegriffen und gefährliche Zerstörungen in der Haut der Wirte angerichtet, die zum Tode führen können. Bekannt sind auch die Bufolucilia-Arten, die in den Augen- und Nasenhöhlen von Fröschen, Kröten und Salamandern leben und deren Befall für den Wirt meist tödlich verläuft.
Ausgehend von saprophagen, in Vögel- und Säugetiernestern lebenden Formen haben sich andere Calliphoriden zu Blutsaugern oder echten Parasiten an den Nestbewohnern entwickelt. Typisch hierfür sind die Protocalliphora-Arten, von denen bei uns P. azurea und P. falcozi als Blutsauger an Nestlingen verschiedener Singvögel leben und bei starkem Befall diese abtöten, während P. hirudo als Endoparasit eine subkutane Myiasis bei Sperlingen, Lerchen und deren Verwandten verursacht, die schon bei geringem Befall tödlich verlaufen kann.
Diesen Wirbeltierschmarotzern stehen etliche Arten gegenüber, welche als Parasitoide von Wirbellosen angesehen werden. Dies gilt zunächst für die Vertreter der in Australasien beheimateten, relativ ursprünglichen Ameniinae, die als Schnecken-Parasitoiden fungieren. Sie sind makrolarvipar, d. h. daß ein Teil der Larvalentwicklung noch im Uterus stattfindet und somit erst ältere Larven (hier L2) abgelegt werden; jeweils einzeln, da die Zahl der Ovarien meist auf 2 reduziert ist.

Unterfamilie Calliphorinae

In der Unterfamilie der Calliphorinae gibt es einerseits eine Reihe von Arten, die in Regenwürmern schmarotzen sowie andere die Schnecken befallen. Typische Lumbricidenparasiten sind unsere Arten der Pollenia rudis - Gruppe (P.rudis, P.pseudorudis, P. hungarica), die Regenwürmer der Gattungen Eisenia, Allolobophora und Lumbricus attackieren. Die Weibchen legen ihre etwas 100 - 150 Eier in kleinen Gruppen (bis zu 7) auf den Erdboden ab, wo nach 3 Tagen die Junglarven schlüpfen. Diese begeben sich entlang von Bodenspalten auf die Suche nach oberflächennahen Wirten, in die sie sich einzeln oder zu mehreren einbohren. Die Hinterstigmen halten Kontakt zur Außenluft. Die Larvalentwicklung erfolgt überwiegend endoparasitisch. Die Larven können aber den Wirt verlassen und sich an anderer Stelle wieder einbohren oder sich auch ein anderes Opfer suchen. Die Altlarven sind auch zu ektoparasitischer Lebensweise befähigt. Im Sommer wird eine Generation in 4 - 6 Wochen durchlaufen; das Puparium wird im Boden gebildet und ruht dort ca. 2 Wochen, so daß 3 - 4 Bruten pro Jahr auftreten können. Die Imagines überwintern, wobei die Fliegen häufig in Häuser eindringen und sich in Massen am Dachboden, hinter Gemälden oder in Ritzen verkriechen ("cluster flies"). Wahrscheinlich sind auch Onesia-Arten Regenwurmschmarotzer. Sicher nachgewiesen ist dies für Bellardia agilis und in Australien sogar für mehrere Arten der Gattung Calliphora. Als Parasiten von Schnecken sind vor allem die Melinda-Arten zu erwähnen sowie Eggisops pecchiolii. M. cognata legt die Eier in die Mantelhöhle von Helicella; die Junglarve bohrt sich in die Niere ein, während die Hinterstigmen Kontakt zur Mantelhöhle halten. Dann wird die Leber befallen und schließlich die nunmehr tote Schnecke weitgehend aufgefressen. Die Verpuppung erfolgt im Boden. E. pecchiolii ist hingegen larvipar. Auch Angioneura abscura und vermutlich auch die anderen Vertreter der aberranten Tribus Angioneurini sind Endoparasitoide von Landschnecken. Manchen Autoren stellen die Angioneurini zu den Rhinophoridae (Asselparasiten), doch passen sie auch biologisch besser zu den Calliphoriden.

Unterfamilie Rhiniinae

Bei der Unterfamilie Rhiniinae scheint die parasitoide Lebensform auf Stomorhina lunata beschränkt zu sein. Diese von Afrika bis Südrußland verbreitete Art attackiert die Eigelege von Wanderheuschrecken. Die Eier werden in lockeres Erdreich direkt über der Ootheka abgelegt. Die Junglarven bohren sich ein und entwickeln sich einzeln oder zu mehreren innerhalb eines Eipaketes, in dem sie die Eier leerfressen. Es liegt also eine mehr räuberische Lebensweise vor, wobei nicht ausgesaugte Eier durch bakterielle Zersetzung ebenfalls absterben und so das ganze Gelege zugrunde geht. Das Puparium wird in der leeren Eikapsel oder in dessen Umgebung gebildet. Befallsraten von 20 % sind häufig und lokal können fast 100 % der Eigelege zerstört werden. Möglicherweise kann sich die Art aber auch rein sapro-nekrophag ernähren. Eine Reihe von Calliphoriden, vor allem viele Rhiniinae und die eigenartigen Prosthetosomatinae, leben bei Termiten, seltener bei Ameisen. In den meisten Fällen dürfte es sich um sapro-nekrophage Einmieter oder um Prädatoren von Termitenbrut handeln; andere scheinen typische Termitengäste zu sein, die teilweise von ihrem Wirt gefüttert werden. Arten der aberranten Gattung Villeneuviella, die im Mittelmeergebiet und in Ostasien vorkommt, sollen jedoch solitäre Ektoparasiten der Larven und Arbeiterkaste von Anacanthotermes-Arten sein. Die durch lange Dornfortsätze aufallenden Larven saugen offenbar an der Unterseite ihrer Wirte am Übergang vom Thorax zum Abdomen, doch ist über ihre weitere Entwicklung nichts bekannt. Bei der biologischen Plastizität dieser Fliegenfamilie ist sicher noch mit weiteren Fällen von Parasitismus zu rechnen.




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Last modified: 04.03.02