Fam.: Acroceridae

Kugel- oder Spinnen-Fliegen

( Diptera )


Verbreitung

Die Acroceridae sind kosmopolitisch in etwa 500 Arten in 50 Gattungen verbreitet. In Mitteleuropa sind nur wenige Arten, in Nordamerika um die 80 Arten nachgewiesen.


Merkmale

Es handelt sich um kleine bis relativ große Fliegen (Körperlänge 3 - 20 mm), von auffallend buckeliger Körpergestalt, mit sehr kleinem Kopf, holoptischen Augen und mit großen, die alteren bedeckenden Thorakelschüppchen. Körper unbeborstet, aber oft fein pelzig behaart und nicht selten metallisch gefärbt. Manche Arten langrüsselig; Rüssel in Ruhelage unter dem Bauch; bei der Nektaraufnahme weit vorgestreckt; andere Arten kurzrüsselig, vermutlich ohne Nahrungsaufnahme. Einige Arten sind mimetisch und ahmen Bienen, Wespen oder sogar Käfer nach. Die buckeligen Puppen mancher Arten tragen am Thorax einen auffallenden "Hahnenkamm".


Lebensweise

Die mit den Nemestriniden verwandten Kugel- oder Spinnen-Fliegen sind durchweg Endoparasiten von echten Spinnen (Araneae), möglicherweise auch von Milben (Trombidiidae, Erythraeidae). Fast immer handelt es sich um solitäre Parasiten, nur gelegentlich können sich zwei Parasitenindividuen in einem Wirtstier entwickeln. Die Eiablage erfolgt auf lebende oder tote Vegetation, seltener auf den Erdboden.
Ocgodes-Arten legen ihre schwarzen, etwa 0,3 mm langen Eier in großen Haufen auf die abgestorbenen Zweige von Bäumen und Sträuchern,
Acrocera spp. spiralig an Grashalme oder an Holzpfähle und Stacheldraht,
Eulonchus spp. im Fluge auf den Erdboden.

Die Eizahlen liegen sehr hoch, zwischen 1 000 - 4 000 Eier je Weibchen. Die Embryonalentwicklung verläuft relativ langsam und umfaßt etwa 4 - 6 Wochen.

Entwicklung

Die Wirtssuche bleibt den Junglarven überlassen, die in der Regel durch ein typisches, stark sklerotisiertes, lang beborstetes Planidium-Stadium gekennzeichnet sind (Ausnahme: Acrocera spp.). Sie können sich spannerartig oder durch ihre langen Borsten auch springend fortbewegen und mit ihrem endständigen Haftapparat an geeignete Wirte anheften. Dann bohren sie sich durch die Intersegmentalhäute meist direkt hinter dem Cephalothorax in den Wirt ein und setzen sich an den Fächerlungen fest, so daß sie mit Atemluft versorgt werden. In diesem Stadium können sie über Monate hinaus (bei tropischen Spinnen jahrelang) in Diapause verbleiben. Die beiden folgenden Larvenstadien sind von birnenförmiger Maden-Gestalt.
Die Vertreter der Acrocerinae haben ein sehr kurzes 2. Larvenstadium und das letzte (3.) Larvenstadium frißt den Hinterleib des Wirtes rasch (innerhalb von 1 - 2 Tagen) aus. Die Altlarve verläßt das Opisthosoma der Spinne und kann dabei noch von außen weiterfressen. Schließlich verpuppt sich der Parasit im Spinnennetz oder in der Wohnröhre des Wirtes und schlüpft 1 - 2 Wochen später.
Die Panopinae scheinen oft ein extrem langes 2. Larvenstadium mit Diapause zu haben und die Altlarve frißt mehrere Tage, bis das Opisthosoma des Wirtes ausgehöhlt ist. Die Überwinterung erfolgt meist im Junglarvenstadium innerhalb des Hinterleibs von Jungspinnen.

Wirtsspezifität

Eine Wirtsspezifität ist wenig ausgeprägt. Immerhin ist der Wirtskreis der einzelnen Acroceriden-Gattungen meist auf eine oder mehrere nahe verwandte Spinnenfamilien beschränkt, wobei offenbar überwiegend strauch- oder bodenbewohnende Spinnen befallen werden.
Die primitiveren Panopinae sind auf die ebenfalls ursprünglicheren Orthognatha,
die Acrocerinae auf die höher evoluierten Labidognatha beschränkt.

Häufig befallen werden vor allem Lycosidae, Salticidae, Clubionidae, etc., offenbar aber nicht Radnetzspinnen.

Lebensweise

Unsere Arten (Ogcodes, Acrocera) sind meist schlechte Flieger und relativ selten. Lokal können jedoch größere Populationen auftreten. So haben wir einmal in einem hohlen Stengel des Jakobs-Kreuzkrautes Hunderte von Imagines einer Ogcodes-Art angetroffen, die von einer Grabwespe als Nahrung für ihre Brut eingetragen worden waren. Das kolonieartige Auftreten kann zu gehäufter Eiablage führen, so daß belegte Zweige oder Pfähle mit zehntausenden von Eiern wie von einem Pilzrasen bedeckt sein können. Andere Arten (Eulonchus etc.) sind schnelle Flieger und besuchen nach Art von Wollschwebern oder Schwebfliegen Blüten zur Nektaraufnahme.


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Last modified: 04.03.02