Fam.: Rhipiphoridae

Fächerkäfer

[ Coleoptera ]


Verbreitung & Merkmale

Diese in etwa 400 Arten weltweit verbreitete Käferfamilie ist in Mitteleuropa mit 5 Arten vertreten, von den Metoecus paradoxus am bekanntesten ist. Typisch sind die meist 11-gliedrigen Fühler, die vor allem beim Männchen im apikalen Teil gesägt oder fächerförmig, d. h. einseitig gefiedert erscheinen. Die Flügeldecken sind in der Regel mehr oder minder verkürzt und klaffend, so daß die Hinterflügel auch in Ruhehaltung sichtbar sind. Die Körperlänge unserer heimischen Arten liegt zwischen 4 - 12 mm, exotische Arten erreichen 30 mm.


Biologie

Biologisch sind die Rhipiphoridae mit den Meloiden verwandt, d. h. es handelt sich um Parasiten verschiedener Insekten, deren Entwicklung vielfach über eine Hypermetamorphose der Larven, ähnlich wie bei den Ölkäfern, verläuft. Allerdings tritt bei den Fächerkäfern zumindest zeitweise Endoparasitismus auf.


Metoecus paradoxus - Wespenkäfers


Gut untersucht ist vor allem die Biologie des Wespenkäfers (M. paradoxus), der sich in den Erdnestern von Faltenwespen, speziell in solchen von Vespula vulgaris, entwickelt. Die Eier werden im Herbst in die Erde oder in morsches Holz abgelegt, wo die voll entwickelten Embryonen überwintern. Wie die sehr beweglichen, Triungulinus-artigen Junglarven im Frühjahr in die Wirtsnester gelangen, ist noch nicht völlig geklärt. Neben der aktiven Suche nach solchen, käme auch eine Verschleppung der Eier durch die Wespen beim Eintragen von Holzsubstanz in Frage oder die Einschleppung der Junglarven auf dem Wege der Phoresie. Die großen Haftlappen an den Endgliedern der Beine sprechen dafür, daß die Käferlarven passiv vom Wirt verschleppt werden. Im Wespennest bohrt sich die Junglarve zunächst in eine Wespenlarve ein und häutet sich als Endoparasit zu einem madenartigen 2. Larvenstadium mit stark rückgebildeten Extremitäten. Die Schmarotzerlarve verläßt nun den Wirt, häutet sich später erneut und schließt ihre Larvalentwicklung somit als Ektoparasit ab. Das Ausbohren aus dem Wirt erfolgt kurz vor dessen potentiellen Verpuppung und wird somit vermutlich hormonal vom Wirt induziert. Die verpuppungsreife Wespenlarve wird völlig aufgezehrt und der Wespenkäfer verpuppt sich anschließend in der befallenen Wirtszelle. Manche Wespennester können so stark befallen sein, daß über 100 Käfer aus einem einzigen Wirtsnest gezogen werden können. Der nordamerikanische Rhipiphorus fasciatus ist ein Ektoparasit der Präpuppen und Bienen der Gattung Lassioglossum. Die Junglarven solle, mit den Mandibeln auf den adulten Bienen verankert, überwintern.


Macrosiagon


Macrosiagon-Arten (z. B. unsere heimische M. tricuspidatum) finden sich als Käfer auf Blüten (z. B. Eryngium) und parasitieren in den Nestern von Wespen (Odynerus-Arten) und solitären Bienen. Die Eier werden gehäuft auf Blättern, Blüten oder am Boden abgelegt. Die Junglarven der Parasiten gelangen durch Phoresie in das Wirtsnest und die Entwicklung erfolgt zunächst endoparasitisch, später ektoparasitisch in bzw. an der alten Wespenbrut. Exotische Arten der Gattung befallen Scoliiden- und Typhiiden-Larven, die ihrerseits als Parasiten von Engerlingen fungieren, so daß hier eine Form von Hyperparasitismus vorliegt. Die Überwinterung der Macrosiagon-Arten erfolgt vermutlich während der endoparasitischen Phase in den Wirtslarven.


Rhipidius


Unsere heimischen Rhipidius-Arten schmarotzen hingegen in Schaben (z. B. bei Blattella und Ectobius). Die Lebensweise dieser Schabenfächerkäfer ist einfacher als jene des Wespenkäfers. Das morphologisch rückgebildete, larvenähnliche, ungeflügelte Weibchen legt im Mai-Juni bis zu 2000 Eier in der Umgebung der Schaben ab. Die Planidium-förmigen Erstlarven beißen sich an vorbeikommenden Wirten (Junglarven der Schaben) an deren Gelenkshäuten fest. Die Schmarotzerlarve dringt dann zuerst nur mit dem Kopf, später ganz in den Wirt ein und durchläuft dort eine Hypermetamorphose zu einer endoparasitischen Madenform. Nach der Überwinterung im Wirt folgen im Frühling 2 weitere Häutungen, woraus schließlich wieder eine mit Beinen versehene, jedoch ebenfalls endoparasitische Altlarve resultiert, welche die Schabe leerfrißt und dann an ihrem Hinterende verläßt, um sich im Boden oder unter Baumrinde zu verpuppen. R. pectinicornis ist ein weltweit verschleppter, teilweise gregärer Parasit der Hausschabe, der in wärmeren Gebieten mehrere Generationen durchläuft, während der sehr seltene R. quadriceps in Waldschaben schmarotzt.


Pelecotoma fennica


Aus dem Rahmen fällt Pelecotoma fennica, deren Larven angeblich rein räuberisch in morschem Pappel- und Weidenholz leben sollen, sofern dieses von Ptilinus-Käfern als Beutetieren besiedelt ist.


Parasitode-Online

Last modified: 27.03.00