Das Prinzip der dichotomen Bestimmungsschlüssel


Es gibt viele Möglichkeiten, wie man Insekten bestimmen kann. Eine Möglichkeit besteht darin, solange in »Bilderbüchern« herumzublättern, bis man ein passendes Tier gefunden hat.

Dieses Verfahren funktioniert ganz gut bis zum Ordnungs-Level, manchmal auch bis zur Familie, Gattung oder Art. Bei vielen Gruppen versagt dieses Verfahren jedoch sehr schnell, da die Merkmalsunterschiede ausgesprochen diffizil werden können. So unterscheiden sich manche Fliegenfamilien nur in wenigen Borsten, viele Arten kann man nur mit Hilfe von Genitalpräparaten unterscheiden.

Möchte man Insekten ernsthafter bestimmen, so kommt man früher oder später um ein Binokular und richtige Bestimmungsliteratur nicht herum. Ab einem bestimmten Zeitpunkt bietet sich dann für den Fortgeschrittenen eine Spezialisierung auf eine Insekten-Familie an, da die Artbestimmung oft erhebliche Einarbeitungszeit benötigt.


Ein Weg um Insekten genauer anzusprechen, sind die dichotomen Bestimmungsschlüssel, wie in diesem Skript für die Insektenordnungen verwendet.

Das Prinzip ist sehr einfach, in der Regel werden zwei Möglichkeiten zur Auswahl angeboten, z.B.:

  • Tiere schwarz ............. 3

  • Tiere braun ................. 4

Hinter den Merkmalen steht jeweils eine Zahl, bei der man dann weitermacht.

An irgendeinem Punkt im Schlüssel ist statt einer Zahl ein Name aufgeführt, z.B.:

  • mit 2 Flügeln .................... Diptera

  • mit 4 Flügeln. ................... 28

Trifft das Merkmal '2 Flügel' zu, so handelt es sich um Dipteren (Zweiflügler). Hat das Tier aber 4 Flügel, so handelt es sich um eine andere Gruppe, und man muß beim Punkt 28 fortfahren.

Im Falle des Merkmals '2 Flügel' ist man am Ende der Bestimmung angelangt (der Schlüssel des Buches geht nur bis zu Insekten-Ordnungen), oder man kann in einem anderen Buchkapitel (Kapitel Diptera - Zweiflügler) fortfahren, um 'seine Diptere' bis zur Familie zu bestimmen. Gängige Bestimmungsbücher enden bei der Insektenfamilie oder geben dann höchstens noch einige häufig vorkommende Arten an. Bestimmt man dann bis zur Art weiter, sollte man sehr selbstkritisch sein, denn in einer Insekten-Familie können viele hundert oder tausend Arten enthalten sein. Spätestens ab diesem Punkt muß man sich Spezialliteratur besorgen, die Artschlüssel enthalten.

Einige wichtige Punkte:

  • Oft finden sich bei den Merkmalen Abbildungshinweise, die man unbedingt beachten sollte, da sie das Merkmal grafisch erklären.

  • Nicht immer sind nur zwei Möglichkeiten aufgeführt, sondern es gibt 3 oder mehr Möglichkeiten.

  • Die Beschreibung von Merkmalen ist eine subjektive Sache: Was versteht der Ersteller eines Schlüssel unter schwarz-braun, dunkel-grün, mittelgroß, etc.? Hier ist Einarbeitung angesagt, oder man benötigt Vergleichsmaterial.

  • Wenn man sich nicht sicher ist: Es ist durchaus legitim, mehrere Wege zu gehen, um zu sehen, wo man landet.

  • Oft sind bei den Merkmalsbeschreibungen logische Verknüpfungen enthalten:

- Kopf groß, oder wenn nicht, dann Antennen sehr lang...................38

- Kopf klein, nur kurze Antennen........................................................43

Gerade diese logischen Verknüpfungen werden gerne übersehen, was zu massiven Fehlbestimmungen führen kann. Also lassen Sie sich bei der Bestimmung Zeit. Die Geschwindigkeit kommt mit der Zeit. Gerade beim Bestimmen von Tieren oder Pflanzen trifft der Spruch zu: 'Übung macht den Meister'. Auch im Falle von Spezialisten kann es durchaus vorkommen, daß die Bestimmung einer Art durchaus einen ganzen Tag oder mehrere Tage in Anspruch nehmen kann!!!

  • Für Studenten: Sie sollten beim Bestimmen immer kritisch sein, besonders bei Abschlußprüfungen! Es gibt durchaus Spaßvögel, die ihnen einen Wolpertinger vorlegen, also ein 'getürktes' Tier, z.B. einen Fliegenkörper, dem ein Bienenkopf aufgesetzt ist. Die Klebestellen sind nicht ohne weiteres zu erkennen.


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 27.10.00