Ord. Trichoptera

Köcherfliegen, Caddis Flies

© Markku Savela


Die Trichopteren wurden schon in den Schriften des Aristoteles erwähnt. Sie haben ihren Namen deshalb erhalten, da Flügelzellen und -adern fein behaart sind (gr. Trichos = Haar). Die Köcherfliegen sind dadurch gekennzeichnet, daß ihre Larven primär aquatisch leben, was sonst nur bei den Schlammfliegen (Megaloptera) vorkommt. Der deutsche Name »Köcherfliegen« beruht auf der Tatsache, daß sich die Larven vieler (aber nicht aller) Arten aus Pflanzenresten und anderen Materialien einen Köcher bauen, der ihren Körper schützt. Der Volksmund nannte sie früher Frühlingsfliegen, Wassermotten, Wassereulen, Hülsenmotten, Grashülsenmotten, Wasserwürmer, Holzwürmer, Strohwürmer, Käder, Sprot und Sprockaas.


Verbreitung

Weltweit sind über 10.000 Arten (in z.Z. ca. 28 Familien) beschrieben worden. In Mitteleuropa treten etwa ca. 300 Arten auf.


Merkmale

Imagines

Körper

Kleine bis große Insekten.

MWZ

Die Mundwerkzeuge sind kauend, jedoch meist schwach ausgebildet und oft verkümmert.

Fühler

Die Fühler sind dünn und borstenförmig. Sie bestehen aus zahlreichen Gliedern und können so lang oder länger als die Flügel sein. In Ruhe werden sie nach vorne gestreckt.

Augen

Die Komplexaugen sind meist gut ausgebildet (Superpositionsaugen). Ocellen fehlen bei einigen Gruppen. Wenn vorhanden, dann treten sie in Dreizahl auf.

Flügel

Sie besitzen 2 Flügelpaare, die in Ruhe meist dachförmig dem Körper angelegt sind. Die Flügel sind behaart und besitzen nur wenige Queradern. Die Vorderflügel sind schmal und stärker behaart als die breiteren Hinterflügel.

Beine

Die Beine sind lang. An den Schienen sitzen bewegliche Sporne, deren Anzahl (Spornzahl) ein Bestimmungsmerkmal ist:

Beispiel: Spornzahl 2,4,4 in Bestimmungsschlüsseln bedeutet soviel wie:

  • 1 Endsporn und 1 Mittelsporn an der Vorderschiene
  • 2 Endsporne und 2 Mittelsporne an der Mittelschiene
  • 2 Endsporne und 2 Mittelsporne an der Hinterschiene

Larven

Kopf

Die Larven besitzen einen stark sklerotisierten Kopf mit kräftigen beißenden Mundwerkzeugen. Als Lichtsinnesorgane finden sich jederseits bis zu 6 Punktaugen. Den Larven sind große paarige, schlauchförmige Spinndrüsen (umgewandelte Unterlippenspeicheldrüsen) gemeinsam, die in einem unpaaren Ausführgang münden. Bei einigen Arten finden sich Drüsen in den Beinen, die an der Basis der Beinkralle münden.

Thorax

Am teilweise sklerotisierten Thorax inserieren 3 gut entwickelte Beinpaare.

Abdomen

Das Abdomen ist weich und fleischig. An den Seiten des Hinterleibs finden sich fiedrige Tracheenkiemen. Am 10. Abdominalsegment findet sich ein Paar Nachschieber. Diese sind einfach oder gegliedert, mit einer Kralle versehen und dienen den Larven ohne Köcher zur Ortsbewegung, zum Festhalten oder zur Bewegung im Köcher.

Typen

Es können 2 Larventypen unterschieden werden:

  • Campodeide Larven
  • Eruciforme Larven

Biologie

Ernährung

Imagines nehmen nur selten Nahrung auf. Mit den nur schwach entwickelten Mundwerkzeugen wird oft nur Wasser oder Nektar aufgeleckt.

Die Larven nehmen je nach Art alles an Nahrung auf (omnivor), eine Reihe von Arten sind reine Pflanzenfresser (phytophag) oder entwickeln sich räuberisch (carnivor).

Entwicklung

Die Hauptflugzeit ist bei uns überwiegend der Sommer, z.T. auch im Frühjahr oder Herbst. Die Imagines leben im Freien einige Wochen. Die Kopula erfolgt auf der Ufervegetation.

Schon Stunden oder wenige Tage danach werden die Eier, je nach Art, an die Ufervegetation über der Wasseroberfläche oder an Pflanzen auf oder im Wasser abgelegt. Die Gelege haben oft arttypische Form, wobei die Eier in einer gallertartigen Substanz eingebettet sind.

Nach 2-3 Wochen schlüpfen die Junglarven.

Köcherbauende Arten suchen sich nun Materialen für den Köcherbau. Der Köcher ist beidseitig offen, wodurch die Larven stets von einem Wasserstrom umgeben sind, der sie mit genügend Sauerstoff versorgt. Mit zunehmender Größe wird auch der Köcher immer wieder erweitert. Eine Reihe von Arten baut keine Köcher sondern erzeugt Netze in der Vegetation oder unter Steinen. Sie dienen vor allem der Nahrungsfang.

Einige Arten erzeugen weder Köcher, noch Netze, sondern leben zwischen Steinen. Ihr Körper ist stärker sklerotisiert. Im Laufe der Larvalentwicklung werden meist 5 Larvenstadien durchlaufen.

Köcher einer Trichoptere

Die Verpuppung erfolgt im Köcher bzw. es wird eine Puppenkammer angefertigt. Vor dem Schlüpfen verläßt die Puppe ihren Schutz und begibt sich zur Wasseroberfläche. Es werden meist 1, manchmal auch 2 Generationen pro Jahr durchlaufen. Die Überwinterung erfolgt bei uns überwiegend als Larve, seltener im Eistadium.

Sonstiges

Larve von Enoicyla.

Die Larven der Gattung Enoicyla entwicklen sich terrestrisch.

Bedeutung

Trichopteren sind ein wichtiges Element der Nahrungsnetze von Fließgewässern: Als Larven und Imagines sind sie eine wichtige Nahrungsquelle für Fische, Vögel und Fledermäuse.

Viele Arten haben bestimmte Ansprüche an die Wasserqualität, so daß sie gerne als Leitorganismen herangezogen werden.


Womit können Trichopteren verwechselt werden?

Eine Reihe von Arten sieht primitiven Schmetterlingen ähnlich, unterscheidet sich jedoch dadurch, daß letztere auf den Flügeln Schuppen tragen. Außerdem besitzen Trichopteren beißende Mundwerkzeuge und nicht einen aufrollbaren Saugrüssel.

Von den Netzflüglern unterscheiden sie sich durch ihre weitaus geringere Anzahl an Queradern in den Flügeln.

Von den Steinfliegen (Plecoptera) und Eintagsfliegen (Ephemeroptera) unterscheiden sich Trichopteren durch die Anzahl der Flügelqueradern und die Haltung der Flügel in Ruhelage.


Systematik

Die Systematik wird nicht einheitlich gehandhabt. Zum Teil werden die Trichopteren in 2 Unterordnungen unterteilt:

Aequipalpia: Kiefertaster bei Männchen und Weibchen 5-gliedrig.

Inaequipalpia: Kiefertaster bei Weibchen 5gliedrig, bei Männchen 2-4gliedrig.


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 10.08.02