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Farbstoffgewinnung mit Hilfe von Dactylopius coccus |
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8. Kernproblem der Karminproduktion |
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Von Peter Wiemeler |
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Die bisher genannten Probleme sind relativ leicht zu identifizieren und zu lösen gewesen. Das ist beim Kernproblem der Karminproduktion nicht so. Das Kernproblem zieht sich weltweit über alle Plantagen und Anbauverfahren. Dieses Problem mußte gelöst werden, damit zukünftig ausreichende Mengen Farbstoff für den wachsenden Bedarf bereitgestellt werden können. Mit den archaischen Anbaumethoden der Ureinwohner Peru`s läßt sich der Bedarf des 20. Jahrhunderts überhaupt nicht decken. Das Problem liegt in der ungenügenden Beimpfung des Substratmaterials. Die in Kapitel 7 beschriebenen Klima- und Umweltfaktoren sind nicht die echte Ursache für den schlechten Beimpfungserfolg. Die eigentliche Ursache wird im Folgenden erläutert: Ein Weibchen legt bis zu 400 Eiern, die wir mit der potentiellen zukünftigen Erntemenge gleichsetzen können. Aus einigen Eiern schlüpfen aufgrund der Eimortaltität keine Larven. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht bedeutet dies, daß von dem potentiellen Ertrag ein Dy1 als Ertragsverlust durch Eimortalität abgezogen werden muß. Diese Verlustquelle ist außerordentlich gering und darf in der Praxis vernachlässigt werden. Nachdem sich die Junglarven aus der Eihülle befreit haben, machen sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Nahrungsplatz, an dem sie sich bis zum Ende ihres Lebens aufhalten müssen, da die Art sessil ist. Man sollte annehmen, daß sich die Junglarven an dem Ort niederlassen, der ihnen genügend Nahrungsgrundlage bietet. Das ist leider nicht der Fall. Statt dessen riskieren die Junglarven lieber ihren Hungertod, indem sie von der Kladodie abwandern. Dieses »Kamikaze-Verhalten« stellte das größte Problem der Karminproduktion dar, weil dadurch das Substrat nicht vollständig beimpft werden kann. Betriebswirtschaftlich bedeutet dieses Abwanderung der Larven nämlich, daß ein Großteil des potentiellen zukünftigen Ertrages (Dy2 = Verlust durch Nichtansiedlung) einfach davonfliegt. Die Abwanderung liegt zwischen 60% und 80%, kann aber auch bei 100% liegen, d.h. sie war bisher in keinster Weise vorhersehbar oder zu beeinflussen. Weiterhin existieren noch andere Verlustquellen. Als solche wurden identifiziert und quantifiziert Dy3= Verluste bis zur ersten Häutung, Dy4= Verluste bis zur zweiten Häutung, Dy5= Verluste durch (nicht erntbare) männliche Individuen und Dy6= Verluste in der Praeovipositionsperiode. Mit Ausnahme von Dy5 lassen sich diese untergeordneten Verlustquellen über Umweltfaktoren in der Praxis minimieren. |
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Abb. 8: Vorderseite eines vollständig beimpften Substratblöckchens mit Individuen des 1. Larvenstadiums von Dactylopius coccus. Die Individuen sind einzeln und in Grüppchen als kleine braune Punkte auf der Oberfläche des Substrates sichtbar. Die Rückseite dieses Substratblöckchen ist ebenso stark besiedelt. |
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Last modified: Jul. 12, 1998 |
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