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Aus agrarwissenschaftlicher Sicht wirft die Karminproduktion
sehr viele und sehr komplexe interdisziplinäre Problematiken
auf, die in diesem Papier nicht alle beschrieben werden können,
da das den Rahmen dieses Vortrages sprengen würde.
Im Folgenden werden daher anhand einiger abiotischer (7.1.)
und biotischer (7.2.) Probleme aufgezeigt, warum die Tropen und
Subtropen ein ungünstiger Standort für die
Karminproduktion sind. Das eigentliche Kernproblem der
Karminproduktion und seine Lösung werden in Kapitel 8 und 9
behandelt.
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Weil die Produktion des
Farbstoffes kurz bevorsteht, können wir aus juristischer
Sicht nicht alle Daten nennen, da sie Betriebsgeheimnisse
darstellen. Der Leser möge dafür Verständnis
zeigen. Sobald eine juristische Absicherung stattgefunden hat,
werden alle Lösungen in der üblichen
Wissenschaftlermanier veröffentlicht, damit sie jedem
Interessierten zugänglich sind. |
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7.1. Abiotische Probleme an den Produktionsstandorten
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- 7.1.1. Regen
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Im Freilandverfahren verursacht ein Regenschauer die
Massentötung von Kulturfarbläusen. Regentropfen töten
die Weibchen. In der Plantage läßt sich das gut
beobachten, da die wertvolle Körperflüssigkeit der
erschlagenen Weibchen an den Kakteen rot heruntertropft. Wieviel
Kulturfarbläuse getötet werden, hängt von Dauer
und Intensität des Regens, sowie dem Einfallswinkel der
auftreffenden Regentropfen zu den besiedelten Kladodien ab.
- Folge: Ertragsunsicherheit; Totalverlust einer Ernte ist
äußerst selten.
- Problemlösung:
- 1.Regenzeit und
Kulturlausanbau miteinander synchronisieren. Diese
Synchronisation ist schwierig, da über den Wasserbedarf der
Kladodie auch die Kulturfarblauspopulation auf der Kladodie
beeinflußt wird.
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2.Die
Anwendung des Unter-Dach-Verfahrens.
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- 7.1.2. Klimafaktoren:
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Ein weiteres Problem stellen bestimmte Klimabedingungen dar
(Abb.4:). In Versuchen wurde die relative Sterblichkeit von
Dactylopius coccus Larven im ersten Larvenstadium unter
definierten Klimafaktorenkombinationen täglich ermittelt
und aufaddiert. Die LD 50 kennzeichnet die Wirkung der
Klimafaktorenkombination bei der 50% der Larven innerhalb eines
bestimmten Zeitraumes gestorben waren.
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Abb.4: Einfluß verschiedener
Klimafaktorenkombinationen auf die Lebensdauer von D. coccus
im 1. Larvenstadium
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- 7.1.2.1. Minimierte
Klimafaktorenkombination:
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In Abbildung 4 sieht man die Wirkung einer minimierten
Klimafaktorenkombination. 50% der Larven sind nach 4 Tagen
gestorben. Unter dieser ungünstigen
Klimafaktorenkombination beibt den Larven nicht genügend
Zeit, um sich auf der Kladodie anzusiedeln. Sie verhungern,
obwohl sie sich ansiedeln und ernähren könnten! Für
die Beimpfung von Substratmaterial bedeutet dies, daß eine
erfolgreiche Beimpfung nicht mehr möglich ist.
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- 7.1.2.2. Maximierte Klimafaktorenkombination:
- Maximiert man die Klimafaktorenkombination (Abb.4:), erhöht
sich die Lebensdauer der Larven um den Faktor ~ 4 auf 17 Tage.
Diese Kombination ist aber ebenfalls ungünstig, da die
Larven abwandern. Für die Beimpfung von Substratmaterial
bedeutet dies, daß eine erfolgreiche Beimpfung ebenfalls
nicht mehr möglich ist, da das Beimpfungsmaterial
»davongelaufen« ist.
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- 7.1.2.3. Optimale Klimafaktorenkombination:
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Eine optimale Klimafaktorenkombination ist währen der
Beimpfung des Substrates weder im Freilandverfahren noch im
Unter-Dach-Verfahren präzise zu erreichen.
- Folge: Ertragsunsicherheit
- Problemlösung: Die optimale Klimafaktorenkombination
ist ein Betriebsgeheimnis.
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- 7.1.3. Umweltfaktoren :
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Von ebenso großer Wichtigkeit für die Beimpfung des
Substratmaterials sind andere definierte Umweltfaktoren, die in
Versuchsreihen getestet wurden.
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- 7.1.3.1. Einstündige Einwirkungsdauer:
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Bei einer einstündigen Einwirkungsdauer einer definierten
Umweltfaktorenkombination (Abb.5:), die an den
Produktionsstandorten sehr häufig üblich ist, kommt es
zu einem Desaster in der Nachkommenschaft der
Kulturlauspopulation, da nur noch 58,7% des Nachwuchses
(1.Larvenstadium) vital und damit beimpfungstauglich sind. 23,9%
dagegen sind irreversibel geschädigt, d.h. sie können
sich kaum noch bewegen und erholen sich auch nicht mehr von der
einstündigen Umweltfaktoreinwirkung. Sie leben zwar noch
einige Tage, besitzen aber nicht mehr die Fähigkeit sich
anzusiedeln. Die restlichen 17,4% der Individuen des
1.Larvenstadiums sind sogar tot und scheiden damit ebenfalls als
Beimpfungsmaterial aus. Insgesamt zeigt dieser Versuch, daß
41,3% des Beimpfungsmaterials während einer einstündigen
Einwirkungsdauer einer Umwelteinwirkung für die Beimpfung
untauglich geworden sind. Das hat auch einen späteren
Ernteverlust von 41,3% zur Folge.
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Abb. 5: Auswirkung einer
einstündigen Einwirkung einer Umweltfaktorenkombination auf
D. coccus (1. Larvenstadium) |
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Ich möchte an dieser Stelle
einen groben Vergleich einfügen, der das Problem aber
deutlich macht: Ein Bauer sät ein Feld ein. Er kann sein
Saatgut nur einmal einsetzen, da er nicht mehr zur Verfügung
hat. Plötzlich entsteht nach der Saat nur für eine
Stunde eine bestimmte Umweltbedingung. Diese Umweltbedingung
vernichtet ihm schon jetzt 41,3% der späteren Ernte. Die
Kulturfarbläusebauern arbeiten unter genau diesen
Bedingungen. |
- 7.1.3.2. Zweistündige Einwirkungsdauer und 7.1.3.3.
Dreistündige Einwirkungsdauer:
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Noch drastischer wird das Problem, wenn die Umweltbedingungen
zwei Stunden (Abb.6:) oder sogar drei Stunden (Abb.7:) anhalten,
was ebenfalls an den derzeitigen Standorten keine große
Besonderheit ist. Bei einer zweistündigen Einwirkung sind
0% der Larven vital. Damit ist eine spätere Ernte aus
dieser Larvengeneration ausgeschlossen.
- Folge: Die derzeitigen Produktionsstandorte sind nicht gut
gewählt.
- Problemlösung: Die Vermeidung die Faktorenkombination
ist ein Betriebsgeheimnis.
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Abb. 6: Auswirkung einer
zweistündigen Einwirkung einer Umweltfaktorenkombination auf
D. coccus (1. Larvenstadium) |
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Abb. 7: Auswirkung einer
dreistündigen Einwirkung einer Umweltfaktorenkombination auf
D. coccus (1. Larvenstadium) |
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7.2. Biotische Probleme an den Produktionsstandorten
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- 7.2.1. Interspezifische Konkurrenz
Ein größeres Problem als die bisher
geschilderten Klima- und Umweltfaktoren stellt die
Wildfarblausart dar. Ihr wissenschaftlicher Name ist Dactylopius
opuntiae (COCKERELL). Sie ist der sensiblen Kulturfarblausart in
der Konkurrenz um Nahrungsplätze um ein Vielfaches
überlegen. Diese Konkurrenzüberlegenheit führt
dazu, daß im Extremfall eine Beimpfung der Kladodien gar
nicht mehr möglich wird, weil alle Nahrungsplätze von
der Wildfarblaus besetzt werden. Die »sensible
Hochleistungskuh (Dactylopius coccus) wird von der Weide durch
die Wildkühe (Dactylopius opuntiae) verdrängt«.
Ausreichende Quarantänemaßnahmen sind in der Praxis
weder im Freilandverfahren noch im Unter-Dach-Verfahren
durchzuhalten. Die Lösung zu diesem Problem stellt ebenfalls
ein Betriebsgeheimnis dar. |
- 7.2.2. Schädlinge und Krankheiten
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Es kommt aber noch dicker! In der Fachliteratur gilt Dactylopius
opuntiae als Paradebeispiel der biologischen Bekämpfung von
Opuntien (Franz et alias 1982), dessen Schlagkraft beeindruckend
ist. So hat dieser Herbivor in Südafrika eine
Opuntienverunkrautung von rund 1.000.000 ha innerhalb weniger
Jahre auf 8.000 ha zusammengeschmolzen (Pettey 1948, Annecke et
aliter 1976).
- Folge:
- 1. Tritt dieser Schädling auf, wird das gesamte
Pflanzenmaterial (»die Weide«) für die
Kulturfarblausproduktion vernichtet, da Dactylopius opuntiae
seine Wirtspflanze tötet.
- 2. Eine Bekämpfung des Schädlings ist
unmöglich, da selektive Insektizide, welche die
Kulturfarblaus schonen würden, nicht verfügbar sind.
- 3. Der Einsatz von Pestiziden muß in jedem Fall
abgelehnt werden, da es sich hier um eine Naturstoffproduktion
handelt, die in Deutschland bei einer entsprechenden
Betriebsanerkennung (Demeter) überprüfbar sein muß.
- 4. Über Jahre hin wäre keine
Farbstoffproduktion mehr möglich, da dieser Schädling
- im Gegensatz zu unseren Kulturfarbläusen - ohne Probleme
in der freien Natur der derzeitigen Produktionsstandorte
überleben kann.
- 5. Ertragsunsicherheit und Totalverlust bis hin zur
Existenzvernichtung.
- Problemlösung: Die Lösung zu diesem Problem ist
ein Betriebsgeheimnis.
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- Neben diesem Hauptschädling treten noch zwei andere
Schädlinge auf:
- Es sind dies Cactoblastis cactorum und Metamasius
spinolae, die aber aus verschiedenen Gründen eher eine
untergeordnete Rolle spielen. Ebenfalls eine untergeordnete
Rolle spielt ein Ascomycet, der als Sekundärparasit nach
einem Dactylopius opuntiae Befall auftritt. Untergeordnet
deswegen, weil die Wildfarblausart bereits die Opuntie abtötet
und der Ascomycet die Tötung allenfalls noch beschleunigt,
aber nicht initiiert. Eine Bekämpfung würde sich also
erübrigen.
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