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Farbstoffgewinnung mit Hilfe von Dactylopius coccus |
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1. Einleitung |
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Von Peter Wiemeler |
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Bis vor 130 Jahren wurden Farben aus mineralischen, pflanzlichen und tierischen Rohstoffen hergestellt. So wurde in Indien auf 1.700.000 ha der blaue Farbstoff Indigo (Indigofera spp.) angebaut, bis deutsche Chemiker aus Anilinderivaten die wesentlich billigeren synthetischen Farbstoffe in großen Mengen herstellen konnten. Damit brach die Indigoproduktion in den damaligen englischen Kolonien zusammen. Heute erfährt natürliches Indigo durch die Blue-Jeans-Mode wieder eine Renaissance (Espig 1991). Eine ähnliche Entwicklung durchlief der rote Farbstoff Karmin, der aus Pflanzenläusen gewonnen wird. Karmin wurde bereits von den Ureinwohnern Perus produziert (Hoffmann 1979). Hauptanbaugebiete waren die damaligen Provinzen Oaxaca, Tlascala und Guanaruato (von Humboldt, zitiert in Schleiden 1852). Nach dem Sieg über König Montezuma im Jahre 1518 nahm der Conquistator Cortez Karmin als Tribut mit nach Spanien. Die Spanier erkannten den Wert des Farbstoffes und verhängten sofort ein Exportverbot für lebende Pflanzenläuse über ihre Kolonie. Damit sicherten sie sich ihre Monopolstellung für diese teure Farbe (Claussen 1981, Zeisner 1987). In Europa löste Karmin die bis dahin praktizierte Rot-Farbstoffgewinnung aus der Purpurschnecke ab, weil ein roter Farbstoff aus Farbläusen einfacher herzustellen war als aus Schnecken (Weber 1839). Mit der Unabhängigkeit Mexikos im Jahre 1821 brach das Monopol. Nach vielen Fehlschlägen (z.B. in Frankreich) gelang es, die Farbläuse auch in anderen Ländern einzubürgern. 1827 wurden die Farbläuse von Berthelot auf die Kanarischen Inseln eingeführt (Schleiden 1852). Hier entwickelte sich wohl das reichste Farbenanbaugebiet, welches in seiner Blütezeit um das Jahr 1870 rund 2.400 t Karmin jährlich auf den Londoner Markt lieferten, der damals 20% des Gesamtkarminmarktes einnahm (Houghton 1877, Rodriguez et aliter 1983, Zeisner 1987). Aber auch diese Naturfarbstoffproduktion kollabierte aufgrund der Erfindung und Entwicklung synthetischer Farben in Deutschland durch Schüler Justus von Liebig´s. Sie waren in der Lage Karmin in großen Mengen zu billigeren Preisen herzustellen. Damit gewannen auch hier die Chemiker das Rennen vor den Landwirten und es entstanden 1894 die Weltfirmen Bayer, Hoechst, BASF und Kalle. Ihren Aufstieg haben die Chemiekonzerne den synthetischen Farben zu verdanken (Espig 1991). |
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Last modified: Mar. 21, 1998 |