Geflügelte und ungeflügelte Tiere von Sitobion avenae.

U.Ord. Aphidina

Blattläuse

( Sternorrhyncha )

© Entomol. Dept. at the Univ. of Nebraska-Lincoln



Die mit stechend-saugenden Mundwerkzeugen ausgestatteten Blattläuse sind Pflanzensaftsauger. Sie können in ungeheuren Mengen auf ihren Wirtspflanzen auftreten und viele Arten sind bedeutende Schädlinge in der Landwirtschaft.
Es gibt wohl kaum eine Pflanze, auf der nicht Blattläuse vorkommen. Diese ausgesprochen erfolgreiche Gruppe trat bereits im Karbon und im frühen Perm auf, also vor etwa 280 Millionen Jahren. Ihre wirkliche Entfaltung haben sie im Zusammenhang mit der Evolution der Angiospermen erfahren und so kommt auch heute der überwiegende Teil der Blattläuse auf dieser Pflanzengruppe vor. Allerdings treten auch Blattläuse bei Gymnospermen auf und einige Arten finden sich auf Farnen und Moosen.

Verbreitung

Man kennt weit mehr als 1500 Blattlaus-Arten, davon treten etwa 850 Arten in Mitteleuropa auf. Die überwiegende Verbreitung liegt in den gemäßigten nördlichen Zonen.


Merkmale

Vor der Beschreibung der Blattläuse muß man darauf hinweisen, daß bei ein und derselben Art unterschiedliche Erscheinungsformen (=Morphen) existieren: Die Tiere aufeinanderfolgender Generationen können sich in ihrem Aussehen und in ihrer Biologie vollständig voneinander unterscheiden.

Aphidina sind überwiegend kleine, meist um 3 mm, maximal 7 mm große Tiere mit einem relativ plumpen und wenig sklerotisierten Körper.

Aphididae beim Saugen

Ähnlich wie die Wanzen sind auch die Blattläuse durch stechend-saugende Mundwerkzeuge gekennzeichnet. Der Saugrüssel besteht aus einer Reihe von Stechborsten, die durch die umgewandelten Mandibeln und 1. Maxillen gebildet werden. Diese Stechborsten liegen in einer Führungsrinne, welche durch das Labium gebildet wird.

Die Antennen sind von unterschiedlicher Form und Länge, meist jedoch lang, mit maximal 6 Segmenten. Sie setzten sich aus 2 kurzen dicken Grundgliedern und 1-4 fadenförmige Geißelglieder zusammen.

Die Beine sind lang und dünn, Sprungbeine kommen im Gegensatz zu anderen Sternorrhyncha nicht vor. Meist tragen sie 2-gliedrige Tarsen mit 2 Krallen. Wenn Flügel vorhanden sind, dann handelt es sich um zwei häutige Flügelpaare mit indirekter Flugmuskulatur. Die Flügeladerung ist unterschiedlich stark reduziert. Die Tiere können kleinere Strecken fliegen, sind in ihrem Flug aber nicht sehr geschickt.

Auf der Oberseite des 5. Abdominalsegmente finden sich oft ein Paar Drüsen (= Siphonen). Weibchen ohne oder nur mit rudimentärem Legeapparat.


Biologie

Blattläuse sind phytophag. Sie ernähren sich auf Phanerogamen an Stämmen, Zweigen, Blättern und Wurzeln. Manche Arten entwickeln sich in Gallen. Von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen (Blutlaus, Reblaus), sind es Phloemsauger. Verwertet werden die im Phloemsaft enthaltenen Aminosäuren. Der Zucker wird als Honigtau ausgeschieden, Blattläuse sind also Honigtau-Erzeuger.

Viele Blattlausarten sind mit Ameisen eine mutualistische Beziehung eingegangen. Viele Arten schützen sich durch Wachsausscheidungen.

Fortpflanzung

Bei Blattläusen kommt Heterogenie vor, ein Wechsel zwischen geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Vermehrung. Dabei spielt ein 'ausgeklügelter' Geschlechtsbestimmungsmechanismus eine wichtige Rolle.
Vorteil: Man kann sich in Bezug auf die Ernährungssituation den einzelnen Jahreszeiten gut anpassen.

  • Ungeschlechtliche Vermehrung (parthenogenetische Fortpflanzung): Sie hat den Vorteil, daß die Populationsgröße schnell aufgebaut werden kann. Teilweise wird das schnelle Populationswachstum durch Viviparie noch gefördert.

  • Geschlechtliche Fortpflanzung: Diese kommt im Herbst vor. Es werden relativ wenige Nachkommen erzeugt. In Mitteleuropa sind dies meist Eier, die das Überwinterungsstadium darstellen.

Mit der Heterogenie ist oft auch ein Wechsel der Wirtspflanzenart verbunden.


Bedeutung

Auf Grund ihres enormen Vermehrungspotentials gehören viele Arten mit zu den gefährlichsten Pflanzenschädlingen. Ihre Saugtätigkeit führt zur Fleckenbildung oder Vertrocknung von Pflanzenteilen oder sogar zum Absterben der ganzen Wirtspflanze. Zudem gehören viele Arten mit zu den wichtigsten Virusüberträgern (Vektoren).

Schaden verursacht durch Myzocallis caryaaefoliae.

Schaden verursacht durch Sitiobion avenae.

© Entomology Department of Clemson University

© Entomol. Dept. at the Univ. of Nebraska-Lincoln


Beispiele

Die Klassifikation dieser Gruppe ist nicht einheitlich!

Familie

Beispiele

Adelgidae - Tannenläuse

Adelges laricis
Sacchiphantes viridis
Sacchiphantes abietis
Dreyfusia nordmannianae
Gilletteella cooleyi - Sitkafichten-Gallenlaus

Anoeciidae


Aphididae - Röhrenläuse

artenreichste Familie mit mehr als 2000 Arten, z.B.:
Elatobium abietinum - Sitkalaus
Aphis fabae - Schwarze Bohnenblattlaus

Drepanosiphidae - Borstenläuse, Zierläuse

Phyllaphis fagi - Buchenwollaus

Hormaphididae

.

Lachnidae - Baumläuse

Cinara pini
Cinara laricis
Lachnus roboris

Mindaridae

Mindarus abietinus - Weißtannentrieblaus
Mindarus obliquus

Pemphigidae (Eriosomatidae) - Blasenläuse

Pemphigus spirothecae
Eriosoma lanuginosa
Eriosoma ulmi

Phylloxeridae - (Chermesidae) Zwergläuse

Viteus vitifolii - Reblaus
Phylloxera coccinea

Thelaxidae - Maskenläuse

Glyphina betulae
Thelaxes dryophila


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 14.02.02