Fortpflanzung bei Insekten: Polyembryonie


Polyembryonie ist der einzige 'echte' ungeschlechtliche Fortpflanzungs-Typus bei Insekten. Man konnte ihn bei einigen parasitischen Hymenopteren und bei einer Strepsipteren-Art nachweisen. Polyembryonie findet sich somit im Zusammenhang mit Parasitismus oder Viviparie. Sie wird als Verkürzung des Lebenszyklus angesehen und erhöht das Fortpflanzungspotential der Art.

Das Prinzip der Polyembryonie

Junge Furchungsstadien der Eier zerfallen in bis zu 3000 Tochterkeime, aus denen sich jeweils eine Embryo entwickelt. Im Falle von parasitischen Hymenopteren erfolgt die Ernährung der Embryonen über die Hämolymphe des Wirtstieres, bei Strepsipteren erfolgt die Ernährung über den mütterlichen Körper. Im Falle der Schlupfwespe Litomastix truncatellus (Encyrtidae), ein Parasitoid, der die Gammaeule befällt, zerfällt das Ei in über 2000 Nachkommen.

'Killer'-Larven bei Encyrtiden

Bei einer Anzahl von Copidosoma-Arten (Encyrtidae) und Verwandten tritt ein auffälliges Dimorphismus im Junglarvenstadium auf. Zunächst entstehen aus dem Vielkeim einige Erstlarven mit großen Köpfen und Mandibeln, die frühzeitig den Larvenstrang verlassen und in der Leibeshöhle flottieren. Diese früher als asexuale Larven bezeichneten »Frühschlüpfer" entwickeln sich jedoch nicht weiter, sondern sterben früher oder später ab. Ihre Funktion besteht nach neueren Untersuchungen darin, eingedrungene Eier oder Junglarven anderer Parasitenarten totzubeißen, weshalb sie auch ,,Wächter-" oder ,,Killer-Larven" genannt werden und damit ihre sich erst später entwickelten Geschwister gegenüber Multiparasitierung schützen. Die Junglarven dieser ,,Spätentwickler" sind kleiner, besitzen nur unauffällige Mandibeln und fressen dann die Altlarve des Wirtes rasch leer. Da es sich bei der gesamten Brut um genetisch identische, eineiige Mehrlinge handelt, wird das altruistische Opferverhalten der Wächterlarven zugunsten ihrer zahlreichen, minderbewehrten Geschwister soziobiologisch erklärbar.


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 12.08.02