Lebensweise der Fangschrecken (Mantodea)

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Ernährung

Gottesanbeterin beim Fressen - Image

Imagines und Jugendstadien (Nymphen) sind hochspezialisierte tagaktive Lauerjäger. Die entomophagen Fangschrecken schlagen ihre Beute mit den zu Raubbeinen umgebildeten Vorderbeinen. Manche Rinden- und Wüstenbewohner suchen die Beute aktiv auf und fangen sie im Laufen, der überwiegende Teil der Arten sind aber Lauerjäger, gut getarnt und versteckt in der Vegetation.

Die Form der Fangbeine mancher Mantodea weist eine gewisse Spezialisierung in Hinsicht auf das jeweilige Beutespektrum hin. Fangschrecken orten ihre Beute visuell. Mit Hilfe der großen, kugeligen Augen kann praktisch das gesamte Umfeld kontrolliert werden.

Eine Reihe von Arten tarnen sich auf eine Weise, daß sie kaum von Blättern zu unterscheiden sind.


Fortpflanzung

Bei der Begattung wird eine kleine Spermatophore übertragen, die die Spermien enthält. Das Paarungsverhalten ist dem der Spinnen ähnlich, Männchen werden nach der Paarung manchmal verspeist. Dieses kannibalistische Verhalten soll allerdings in der gefangenschaft häufiger auftreten als in der Freien Natur.

Oothek einer Mantis

Die Eier werden in Form einer Oothek abgelegt, bestehend aus 10 bis 400 Eiern. Oft kann ein Weibchen mehrere solcher Ootheken erzeugen. Diese werden an Ästen, Zweigen oder auf flachen Steinen abgelegt. Bei manchen Arten werden sie aber auch im Boden abgelegt. Die Weibchen einiger Arten bewachen die Gelege bis um Schlüpfen der Nymphen.

Jugendstadium einer Fangschrecke

Das 1. Larvenstadium ist durch fadenförmige Hinterleibsanhänge charakterisiert. Diese Pronymphe bleibet zunächst über Spinnfäden mit der Oothek verbunden und verhindert so ein Herabfallen zum Boden. Die Nymphenstadien unterscheiden sich von den Imagines durch die rudimentären Flügel und die geringere Anzahl von Antennengliedern. J

e nach Art werden 3-12 Larvenstadien durchlaufen. Innerhalb einer Art durchlaufen die kleineren Männchen weniger Häutungen als die Weibchen. Nymphen können verloren gegangene Körperanhänge zum Teil wieder regenerieren (s.u. Verteidigung).

Im Falle einer amerikanischen Art sind Männchen unbekannt, so daß man für einige Arten eine obligatorische Parthenogenese annehmen muß. In einigen wenigen Fällen konnten Sexuallockstoffe (Pheromone) nachgewiesen werden.


Feinde

Die Eigelege der Mantiden werden durch verschiedene Proctotrupoiden und Chalcididen befallen. Die aktiven Stadien der Fangschrecken werden oft Opfer von Vögeln, Eidechsen, insektivoren Säugern und Spheciden. Auch verschiedene Milben und Mermithiden (Nematoden) schmarotzen an ihnen.


Verteidigung

Kämpfende Gottesanbeterinnen

Bei Störung oder Gefahr wird bei manchen Arten eine auffällige Drohstellung eingenommen. Durch Aufstellung der Flügel und abspreizen der Fangbeine wird die Silhouette vergrößert. Zum Teil werden dabei auffällige Farben und Flecke exponiert.

Die Cerci streichen über die Adern der Hinterflügel, wodurch zischende Laute erzeugt werden. Dies geschieht überraschend und bewirkt, daß selbst Vögel oder kleinere Säuger abgeschreckt werden, bzw. ihren Angriff verzögern. Manche Arten erbrechen auch ihren Vorderdarminhalt oder werfen Beine ab.


Wirtschaftliche Bedeutung

Als Vertilger anderer Insekten werden Fangschrecken als nützlich angesehen. Es wird aber bezweifelt, daß sie eine ökonomische Bedeutung haben oder in der Biocontrol eine solche bekommen könnten. Die Populationsdichten sind meist zu niedrig, so daß ein populationsregulierender Einfluß auf Schädlingspopulationen kaum möglich ist.


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 27.09.02