Ausbrüche von Lymantria dispar


Schon immer hat es in den Eichenwäldern Mitteleuropas Massenvermehrungen des Schwammspinners, besonders nach trockenen und warmen Jahren gegeben, doch haben sie bis zu den 90er Jahren nie größere Probleme für die Forstwirtschaft bedeutet. Diese Massenvermehrungen werden inzwischen vor allem mehr Beachtung geschenkt, da ein Kahlfraß zu einem zusätzlichen Vitalitätsverlust der Eichen führt, der seit den 80er Jahren in steigendem Maße zu beobachten ist. Es wird befürchtet, daß als Folge von Klimaveränderungen, die forstliche Bedeutung wärmeliebender Arten, wozu der Schwammspinner zu rechen ist, zunimmt.

Der Schwammspinner ist in den einzelnen geographischen Regionen von unterschiedlicher Bedeutung. Seine Bedeutung wächst in Mitteleuropa von West nach Ost und von Nord nach Süd.

  • Auf dem Balkan ist der Schwammspinner ein wichtiger Schädling. In 7-8 jährigem Abstand werden immer wieder über ca. 4 Jahre andauernde Kalamitäten tausender Hektar Wald entlaubt. Förderlich scheinen warme und trockene Bedingungen zu sein.

  • In Mitteleuropa wurden bis 1993 nur wenige Ausbrüche beobachtet.

  • In Polen tritt die Art zwar auf, wurde hier aber nie als bedeutender Schädling gewertet. Ähnliches gilt für Finnland, Schweden und die Britischen Inseln.

Die Situation änderte sich in den 90er Jahren schlagartig, als die Populationsdichte des Schwammspinner auch in Mitteleuropa ganz plötzlich zunahm, weiträumige Kalamitäten waren die Ursache. Sie machten umfangreiche Bekämpfungsmaßnahmen mittels chemischer Präparate und Bacillus thuringiensis erforderlich.

In Frankreich wurden 24.000 ha, in der Schweiz 2.000 ha, in Österreich 1.500 ha Wald entlaubt.

Große Flächen wurden auch in Deutschland, vor allem in Süden und Südwesten (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz) befallen. 1994 waren die Raupen auf 47.000 ha., 1994 auf 80.000 ha zu beobachten. Besonders betroffen waren Regionen mit einem 'Wein-Klima'.

Die Ursache der plötzlichen Ausbrüche ist unklar. Es werden im wesentlichen zwei Hypothesen diskutiert:

  • Klima: Von 1988-1994 lag die Temperatur deutlich über dem langjährigen Mittel, die Niederschläge waren deutlich geringer. Hohe Temperaturen und zu geringe Niederschläge üben auf viele Pflanzenarten einen Streßzustand aus, der sie für Insektenbefall empfänglicher macht. Die Mast der Eichen über mehrere Jahre hinweg unterstützt diese Hypothese. Weiter wird sie durch die Tatsache gestützt, daß in diesem Zeitraum auch andere Schädlinge, wie Dendrolimus pini, Lymantria monacha und Phaenops cyanea zum Ausbruch kamen.

  • Einschleppung der asiatischen Rasse des Schwammspinners: Biochemische Untersuchungen konnten bisher keine Einschleppung der aggressiven asiatischen Rasse bestätigen.


Literatur

  • Wulf, A. & E. Graser (1996): Gypsy moth outbreaks in Germany and neighboring countries. Nachrichtenbl. Deut. Pflanzenschutzd., 48 (12): 265-269.

  • Schopf, A. & G. Hoch (1997): Zur Bionomie und Bedeutung von Glyptapanteles liparidis (Hym., Braconidae) als Regulator von Lymantria dispar (Lep., Lymantriidae) in Gebieten mit unterschiedlichen Populationsdichten. J. Appl. Entomol. 121: 195-203.

Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 25.07.02