Hornisse

Fam. Vespidae

Faltenwespen

[ Hymenoptera , Apocrita ]

© Monika & Richard Fellinger


Obwohl Faltenwespen von vielen Menschen als die »unsozialen« Tiere angesehen werden, da sie Hausfrauen terrorisieren und Picknicke ruinieren können, gehören sie zumindest aus wissenschaftlicher Sicht zu den sozialen Insekten, die Staaten bilden. Der Stachel, bei solitären Vespoidea zum Beutefang benutzt, hat bei ihnen die Aufgabe Nest und Nachkommenschaft zu verteidigen. Den Namen Faltenwespen tragen sie, da die Flügel in Ruhestellung in charakteristischer Weise längs gefaltet werden.


Merkmale d. Imagines

Körper: Wespen sind mittelgroße bis große Insekten, mit dem charakteristischem Körperbau der apocriten Hymenopteren. Meist sind sie durch eine schwarzgelbe Musterung gekennzeichnet.

Fuß einer Wespe

Thorax: Die häutigen Flügel werden in der Ruhestellung längs gefaltet, daher stammt auch der deutsche Namen 'Faltenwespen'.

Abdomen: Wespen besitzen einen Gift- bzw. Wehrstachel. Im Gegensatz zu Bienen verlieren sie diesen Stachel nach einem Stich jedoch nicht. Er wird eher zur Verteidigung und nicht zum Töten der Beute benutzt.


Biologie

Lebensweise

Neben den Arten, die in hochentwickelten Sozialstaaten leben, gibt es zahlreiche solitären Arten, die von uns meist übersehen werden. Die Staaten erreichen meist nicht die Größe und Komplexität der Bienen- und Ameisenstaaten. Auch der Grad der Arbeitsteilung ist nicht so stark differenziert wie bei der Honigbiene.

Nestbau

Wespen bauen Nester, meist aus Wespenpapier. Diese werden je nach Art ober- oder unterirdisch angelegt.

Ernährung

Die Imagines sind Allesfresser: Nektar, Honigtau, Fleisch, reifes Obst und andere Insekten dienen ihnen als Nahrung. Die Larven werden mit tierischer Nahrung (Insekten und deren Larven) gefüttert.

Kuckucks-

Wespen

Einige Arten leben als Kuckuckswespen: Sie dringen in Nester anderer Arten ein, töten deren Königin und lassen von den Arbeiterinnen ihre Nachkommen aufziehen:

  • Pseudovespula adulterina bei Dolichovespula saxonica
  • Pseudovespula omissa bei Dolichovespula sylvestris
  • Vespula austriaca bei Paravespula rufa

Wespenstich

Ein Wespenstich ist zwar schmerzhaft, aber nicht gefährlich, es sei den, man reagiert allergisch auf die Substanzen. In diesem Falle und auch bei einem Stich in den Rachenraum ist allerdings sofort ärztliche Hilfe notwendig.

Entwicklung

In gemäßigten und arktischen Regionen stirbt der Staat jeden Herbst ab, nur die begattete Königin überwintert und gründet im darauf folgenden Frühjahr einen neuen Staat:

Im Frühjahr verläßt die Königin ihr Überwinterungsversteckt und beginnt mit der Auswahl eines Nistplatzes. Sobald sie diesen gefunden hat sucht sie das notwendige Baumaterial (Wespenpapier). Nie werden alte Nester neu besiedelt!

Von Wespen-Königin erbautes Nest.

Sie errichtet nun ein schirmartiges Dach mit Zellen, deren Öffnung nach unten gerichtet sind.

Anschließend belegt sie jede Zelle mit einem Ei. Die schlüpfenden Larven werden mit zerkauten Insekten gefüttert. Aus diesen Larven entstehen Arbeiterinnen die dann den Nestbau und die Futtersuche übernehmen. Von nun an kümmert sich die Königin nur noch um die Eiablage. Das Nest wird von den Arbeiterinnen weiter ausgebaut (kugelig bis elipsoide Form).

Am Ende des Sommers werden in größeren Zellen Männchen und Weibchen herangezogen. Die schlüpfenden Tiere schwärmen aus und es erfolgt die Begattung. Das Nest stirbt schließlich ab und die begatteten Weibchen (nicht jedoch die Männchen) überwintern an geschützten Stellen.

Arten der Gattungen Vespa, Vespula, und Dolichovespula können zum Teil recht aggressiv werden. Bei Gefahr sondern sie ein Pheromon aus, durch die Stammesgenossen stechlustig werden.


Bedeutung

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Wespen sind Vertilger schädlicher Insekten und somit für den Menschen recht nützliche Arten.
Ein starkes Hornissenvolk verfüttert z.B. pro Tag etwa 500 g Insekten, was dem Tagespensum von 5-6 Meisenfamilien entspricht!
Außerdem werden eine ganze Reihe von Pflanzenarten durch Wespen bestäubt (z.B. Knotige Braunwurz, Schneebeere u.a.).

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Wespen auf einem Apfel.

Wespen auf Nahrungsresten

Unter Umständen könne sie jedoch als Krankheitsüberträger fungieren: E. coli und Salmonellen können auf menschliche Nahrung übertragen werden.

Viele Arten sind heute, bedingt durch die Zersiedlung ihrer Lebensräume, Gifteinsatz in der Landwirtschaft, gezielte Bekämpfung, etc., bedroht und verdienen Schutz: In Bayern werden z.B. die Hornisse und die Mittlere Wespe in der Gefährdungsstufe 4 r (potentiell gefährdet durch Rückgang) geführt. 2 weitere Arten gelten als gefährdet (Gefährdungsstufe 3).
Aus diesem Grunde sollte man Nester nicht begiften, sondern 'ertragen' oder durch einen Fachmann umsiedeln lassen. Naturschutzvereine empfehlen auch das Aufstellen von Hornissenkästen, die man leicht selbst bauen kann (s. Literatur: LBV).

Systematik

Weltweit sind die Vespidae mit etwa 800 Arten vertreten, von denen 16 Arten in Deutschland anzutreffen sind. Die frühere Gattung Vespa wurde aufgeteilt. Heute umfaßt die Familien der Vespidae 2 Unterfamilien, von denen hier nur die mitteleuropäischen Gattungen aufgeführt sind:

Polistinae

Polistes

P. atrimandibularis , P. biglumis , P. bischoffi , P. dominulus , P. nimpha

Sulcopolistes


Vespinae

Vespa

Vespa crabro - Hornissen

Hornisse, Vespa crabro

Dolichovespula (Langkopfwespen)

D. adulterina , D. media , D. norwegica , D. omissa , D. saxonica , D. sylvestris


Vespula (Kurzkopfwespen)

V. austriaca , V. germanica , V. rufa , V. vulgaris

Königin von Paravespula germanica


Literatur über Wespen (i.W.S.)


Bestimmungsübungen an Insekten

Last modified: 17.06.03